Medien : Größeres Kino

Der kleine Privatsender Kabel 1 bringt zwei ambitionierte US-Serien ins Programm

Andreas Kötter

Las Vegas und Los Angeles, das Glitzer-Sündenbabel in der Wüste, und die Megapolis, die gemeinhin als Synonym für die Traumfabrik Hollywood gilt — diesen beiden US-Metropolen, deren bloßer Name allein Verheißung verspricht, spielen die Hauptrollen in einem neuen Serien-Doppelpack, das der Sender Kabel 1 ab heute wöchentlich am späten Sonntagabend ausstrahlt. Das Actiondrama „Las Vegas“ und die Cop-Serie „The Shield – Gesetz der Gewalt“, beide in den USA sehr erfolgreich und dort in der fünften beziehungsweise sechsten Staffel, nehmen nun bereits den zweiten Anlauf, auch hierzulande ihr Publikum zu finden.

Vor anderthalb Jahren hatte sich schon Pro 7 an beiden Serien versucht, dabei aber keinen langen Atem gezeigt. Ob den nun Kabel 1 ausgerechnet auf diesem nicht ganz einfachen Sendeplatz beweist, bleibt abzuwarten. Verdient hätten es beide Produkte, bestätigen sie doch einmal mehr den Trend, dass amerikanische Fernsehserien von „Boston Legal“ über „Dr. House“ bis zu „Lost“ heute längst das bessere Kino bieten.

In der Herangehensweise an ihr jeweiliges Thema allerdings unterscheiden sich beide Serien ganz deutlich voneinander und sprechen damit auch ein unterschiedliches Publikum an. „Las Vegas“ ist – je nach Sichtweise – im besten wie im schlechtesten Sinne eine Hochglanz- Actionserie und erzählt von Ed Deline (Hollywoodstar James Caan), dem Chef der Sicherheitstruppe im fiktiven Montecito Resort & Casino, und seinem Schützling Danny McCoy (Josh Duhamel), der obendrein der Liebhaber von Eds Tochter ist. Es geht, wie könnte es anders sein, um Geld, Macht, Sex.

Und wenn man weiß, dass Regisseur Gary Scott Thompson auch für den Kino- Blockbuster „The Fast and the Furious“ verantwortlich zeichnet, dann ahnt man schon, welche Kost das Montecito Resort & Casino serviert. Thompson setzt auf knallige Hochglanzoptik, arbeitet mit furiosen Bildmontagen und verlässt sich ansonsten neben James Caan ganz auf weitere hochkarätige Hollywoodprominenz wie Sylvester Stallone, Alec Baldwin oder Dennis Hopper. Tatsächlich verbirgt sich unter dieser glänzenden Oberfläche dann aber eher traditionell-biederes Dramaturgiehandwerk. Womit die Serie durchaus als Spiegelbild der Wüstenmetropole taugt, die nachts im (be-)rauschenden Lichtermeer geradezu badet, tagsüber aber nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass auch hier die meisten Träume nur Schäume sind.

Ganz anders „The Shield – Gesetz der Gewalt“. Hier ist Drama im Wortsinn tatsächlich auch dramatisch. Bei den Geschichten um das „Strike Team“ von Detective Vik Mackey (Michael Chiklis), einer Sondereinheit des L. A. Police Department, geht es jedes Mal buchstäblich ums Leben. 1,2 Millionen Dollar lässt sich Fox Television jede Folge kosten. Was man der „Emmy“-gekrönten Serie weniger auf den ersten Blick ansieht – meist wird mit der Handkamera gedreht, um Authentizität zu vermitteln – als am ganzen Körper spürt. Denn die Frage, ob es das Böse tatsächlich gibt, beantwortet „The Shield“ schlichtweg, indem die Grenze zwischen Gut und Böse hier längst aufgelöst ist.

Mackay und sein Team mögen hoch dekoriert sein, Ehrenmänner sind sie ganz gewiss nicht. Gleich in der ersten Folge, „Der Verräter“, ermordet der Detective kaltblütig einen Kollegen, der der Staatsanwaltschaft Informationen über die Korruption bei den Cops verschaffen wollte. Ganz beiläufig geschieht das: Gerade noch haben die Männer samt Anhang beim Barbecue gesessen, wie jede typisch amerikanische Familie. Und nur kurz darauf erschießt Mackay „den Verräter“, der den Ehrenkodex der Cops gebrochen hat. So erinnert die Serie in der Bemühung um Authentizität, in der atmosphärischen Dichte und in der Ambivalenz und Tiefe der Charaktere nicht nur an ältere Cop-TV-Dramen wie „NYPD Blue“ oder „Homicide“, sondern auch an großes, intensives Hollywoodkino wie Sidney Lumets Schuld-und-Sühne-Polizeidrama „Prince Of The City“ oder das thematisch ähnlich gelagerte „Internal Affairs“ von Mike Figgis.

Ein größeres Kompliment könnte man „The Shield“ dann wohl auch kaum machen.

„Las Vegas“, Kabel 1, 22 Uhr 25,

„The Shield“, Kabel 1, 23 Uhr 20

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