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Haarscharf gewählt : Stefan Raue wird Intendant des Deutschlandradios

Das war knapp: 26 Stimmen brauchte MDR-Chefredakteur Stefan Raue für seine Wahl als Intendant des Deutschlandradios. Und 26 Stimmen bekam er

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Gewählt: Stefan Raue wird neuer Intendant des Deutschlandradios.
Gewählt: Stefan Raue wird neuer Intendant des Deutschlandradios.Foto: dpa

Stefan Raue wird neuer Intendant des Deutschlandradios (DLR). Der Hörfunkrat des Senders wählte den trimedialen Chefredakteur des Mitteldeutschen Rundfunks am Donnerstag in Köln zum Nachfolger von Willi Steul. Steul hatte im November vergangenen Jahres angekündigt, vorzeitig seinen Posten abzugeben. Der 58-jährige Raue bekam dabei die knappst mögliche Mehrheit von 26 Stimmen im Hörfunkrat. Das Quorum bedeutet genau die Zwei-Drittel-Mehrheit, die der Kandidat im Gremium benötigte. Von 36 anwesenden Mitglieder des Hörfunkrates stimmten 26 für Raue, 9 gegen ihn; es gab eine Enthaltung. Raue bedankte sich für das entgegengebrachte Vertrauen. Er soll sein Amt zum 1. September antreten.

Der für die Suche eines neuen Intendanten zuständige Verwaltungsrat des Deutschlandradios hatte Raue Ende April einstimmig vorgeschlagen; dagegen regte sich Widerstand im Hörfunkrat, einzelne Mitglieder hatten das Verfahren der Kandidatenfindung, andere die Personalie selbst kritisiert. Der Chef der Stuttgarter Staatskanzlei, Klaus-Peter Murawski (Grüne), hatte sich im April für eine „hausinterne“ Lösung ausgesprochen und Programmdirektor Andreas-Peter Weber für das Amt favorisiert. Für Raue sah Murawski zu dem Zeitpunkt keine Mehrheit im Hörfunkrat. Das passive SPD-Mitglied Stefan Raue ist mit starkem sozialdemokratischen Rückenwind ins Amt gekommen. Es wird spannend zu sehen sein, wie sich Raue mit dem ebenfalls der SPD zuzurechnenden Programmdirektor Andreas-Peter Weber arrangieren. wird In der Logik der Parteien gehören Intendant und Programmchefs des nationalen Hörfunks mit den drei Programme Deutschlandfunk, Deutschlandfunk Kultur und Deutschlandfunk Nova stets zu unterschiedlichen Lagern: Ist der Intendant (wie Steul) "schwarz," ist der Programmdirektor (wie Weber) "rot".

Kritik am Verfahren wird aufgenommen

Frank Schildt, Vorsitzender des Hörfunkrates, sagte laut Pressemitteilung: "Der scheidende Intendant Willi Steul hat sich mit seiner erfolgreichen Flottenstrategie und einer konsequenten Markenarchitektur bleibende Verdienste um Deutschlandradio erworben. Der neue Intendant Stefan Raue hat den Hörfunkrat mit seinen Ideen für die Zukunft des Senders überzeugt." Er sei der richtige Mann, um das Profil von Deutschlandradio in der Debatte zur Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks weiter zu schärfen. Der Unterstützung des Hörfunkrates könne er sich dabei sicher sein. Gleichzeitig kündigte Schildt an, Kritik am Wahlverfahren aufzunehmen und gegenüber dem Gesetzgeber die Initiative zu ergreifen mit dem Ziel, die Rolle des Hörfunkrats zu stärken. Die Vertreter des öffentlich-rechtlichen Rundfunks im Verwaltungsrat hätten hierfür bereits ihre Unterstützung signalisiert.

Thomas Bellut, Vorsitzender des DLR-Verwaltungsrates und ZDF-Intendant, sagte, Stefan Raue stehe für unabhängigen, kritischen und fairen Qualitätsjournalismus. Mit ihm trete ein erfahrener Journalist und versierter Medienmanager an die Spitze von Deutschlandradio. Der neu gewählte Intendant Stefan Raue erklärte: "Es ist mir eine Ehre, das Deutschlandradio als eines der wichtigsten Leitmedien in Deutschland zu führen." Zentrale Entwicklungschancen sehe er in der weiteren Profilierung der Programmangebote, der Arbeit an einer digitalen Zukunft mit Formaten, die in ihrer Ästhetik und Dramaturgie den Nutzungsgewohnheiten auch jüngerer Zielgruppen entsprechen, dem Zusammenwachsen der beiden Standorte sowie der Diskussion über die Zukunft des Auftrags und der Struktur des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland." Der amtierende DLR-Chef Willi Steul freute mich, dass mit Stefan Raue ein Kollege mit menschlich hervorragendem Ruf und nachgewiesener journalistischer Professionalität nun das Haus führen werde. "Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne..', das gilt für Deutschlandradio, für Stefan Raue und auch für mich."

Raue Stationen waren WDR, Rias-TV, ZDF und MDR


Stefan Raue wurde 1958 in Wuppertal geboren. Er hat, nach geisteswissenschaftlichem Studium und Volontariat, für den WDR als Reporter gearbeitet. Mit der Einheit ging er in die Hauptstadt der Einheit, zu Rias-TV nach Berlin, wo er von 1992 an die Ressorts Aktuelles und Nachrichten bei Deutsche Welle TV leitete. Beim ZDF hat Raue anschließend an den journalistischen Schnittstellen gearbeitet, er war Schlussredakteur beim „heute-journal“, stellvertretender Leiter bei „heute“. Zusätzlich war er seit 1999 stellvertretender Hauptredaktionsleiter im Bereich Politik und Zeitgeschehen des ZDF. 2011 ging Stefan Raue als Chefredakteur zum MDR nach Leipzig.

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