Medien : Hart, aber unfair

ARD und ZDF streiten um Angebot am Mittwoch

Sonja Pohlmann

Wenn Diplomaten von einem „unfreundlichen Akt“ sprechen, dann fühlt sich ein Land in seinen Rechten verletzt und der Ärger ist groß. Zwar hat die ARD jetzt nicht plötzlich feindliche Spione vom ZDF in ihren Reihen entdeckt, dennoch fühlt sich das Erste vom Mainzer Sender in seinem Territorium angegriffen. Schauplatz der Auseinandersetzung ist der Mittwochabend. Er soll der ARD künftig eine ordentliche Quote bescheren, denn ab Ende September läuft hier nach dem oft sozialkritischen „Film der Woche“, ab 21 Uhr 45, der bisher im WDR ausgestrahlte Polittalk „Hart aber fair“ mit Frank Plasberg.

Doch so leicht will es das ZDF seinem öffentlich-rechtlichen Partner nicht machen. Auch ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut hat den Mittwochabend ins Visier genommen. Er soll einer der Dreh- und Angelpunkte für die „Belebung“ des zweiten Programms sein, mit der Bellut jüngere Zuschauer an den Sender binden möchte. So will der Programmchef ab 2008 mittwochs um 20 Uhr 15 einen attraktiven, „frauenaffinen“ Film zeigen. Oder eine Show, gefolgt vom Magazin „Aktenzeichen XY...ungelöst“.

Das findet Verena Kulenkampff, Fernsehdirektorin beim WDR und als Koordinatorin innerhalb der ARD auch für den Bereich Film zuständig, gar nicht witzig: „Es ist ein unfreundlicher Akt, leichte Filme gegen unsere sperrigen Filme zu programmieren, denn auf diese Weise wird viel Geld vergeudet.“ Allerdings sorgt sie sich nicht nur ums Budget, sondern noch mehr um die Quote. Denn hat das ZDF erst einmal die Zuschauer angelockt, schalten sie womöglich den ganzen Abend nicht mehr um. Das Vorgehen des ZDF werde „nachhaltig auf die Marktanteile der ARD schlagen“ ärgert sich Verena Kuhlenkampff. Dass die ARD freitags ähnlich verfährt, wenn das Erste einen „frauenaffinen“ Film parallel zu den ZDF-Krimis zeigt, findet sie nicht. „Wir attackieren das ZDF nie mit dem gleichen Genre zur gleichen Sendezeit“, sagte sie dem Tagesspiegel. Zusammen mit ZDF-Programmdirektor Bellut will sie eine Lösung für dem Showdown am Mittwochabend suchen. Sonja Pohlmann

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