Haushaltsabgabe : Barrieren im Alltag

Auch Menschen mit Behinderung müssen nun Rundfunkgebühren bezahlen. Zu was aber verpflichtet eine solche Leistung die Medien?

Keyvan Dahesch

Obwohl seit März 2009 die von der Uno beschlossene, von der EU und der Bundesrepublik ratifizierte UN-Behindertenrechtskonvention die Medien zur umfassenden Information über die Situation der Menschen mit Behinderung verpflichtet, wissen anscheinend nicht viele über deren Situation Bescheid. Es ist interessanter, einen Artikel mit der Überschrift „Warum die blinde Joana Zimmer bei Sex das Licht anlässt“ ins Blatt zu setzen, als die gesangskünstlerischen Leistungen dieser Frau zu beleuchten. Die Betroffenen selbst verlangen seit dem ihnen gewidmeten Weltjahr 1981 vehement, dass sie in den Medien als „Menschen mit Behinderung“ und nicht länger als „Monster“ oder „Wunderkinder“ hingestellt werden.

„Die Medien sollen objektiv über die Fähigkeiten, Leistungen und Probleme der Kinder, Frauen und Männer mit Handicaps im Alltag berichten“, sagt der Landesbehindertenbeauftragte in Rheinland-Pfalz, Ottmar Miles-Paul. Es gebe Beispiele, wie gehandicapte Menschen als Experten mit Vorschlägen zum Abbau von Barrieren in Arbeit, Beruf und Gesellschaft beigetragen hätten. Je mehr Verantwortliche in Firmen, Bundes-, Landes- und Kommunalpolitik über Einsatzmöglichkeiten der Menschen auch mit schwerster Behinderung erfahren, desto rascher können die Vorgaben der Behindertenrechtskonvention realisiert werden, sagt Hubert Hüppe, Vater eines Kindes mit geistiger Behinderung und Behindertenbeauftragter der Bundesregierung.

Hüppe, Miles-Paul und die Repräsentanten der Selbsthilfeorganisationen der Menschen mit Handicaps appellieren an die Verantwortlichen in den Medien, mit Berichten über Hilfen und Hilfsmittel für Menschen mit Handicaps oder mit Mehrfachbehinderungen aufzuklären.

Da nun seit Januar, bis auf Menschen, die taub und blind sind, alle bisher von der Bezahlung der Rundfunkgebühr befreiten Menschen mit Behinderung einen Beitrag von einem Drittel des Rundfunkbeitrags, (5,99 Euro im Monat )zahlen müssen, verlangen sie, dass die Worte in Sendungen für Gehörlose in Gebärdensprache wiedergegeben werden. Für blinde oder stark sehbehinderte Menschen soll der Inhalt der Bilder und stummen Szenen mit Sprache erklärt werden. Gegen Barrieren bei der Benutzung von Gebäuden, Bahnen, Flugzeugen, Rundfunk-, und Haushaltsgeräten kämpfen Menschen mit Behinderung umso wirksamer, je stärker sie durch Medienberichte Unterstützung bekommen. Leider drängen Themen wie die Euro-Krise die Anliegen der größer werdenden Zahl gehandicapter Menschen in den Medien von vorderen Plätzen. Vielleicht bewirken die neue rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer sowie die Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt und Helmut Kohl, sie sind alle drei mit dem Rollstuhl unterwegs, eine aufgeschlossene Bewertung behinderter Menschen – auch in den Medien. Keyvan Dahesch

Der Autor hat die „Anni und Keyvan Dahesch-Stiftung“ gegründet, zur Unterstützung von Personen, die infolge ihres körperlichen, geistigen oder seelischen Zustandes auf die Hilfe anderer angewiesen sind

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