Herr Nett beim "Quizduell" : Jörg Pilawa ist den Kandidaten ein Freund

Mit Quiz kennt sich Jörg Pilawa aus, das hat er bei Sat 1, im Ersten und im ZDF gezeigt. Mit dem "Quizduell" soll er nun den ARD-Vorabend retten.

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Treue Augen schauen dich an. Foto: ARD
Treue Augen schauen dich an. Foto: ARDFoto: ARD/Thomas Leidig

Das „Quizduell“ verlangt ständig neue Fragen. Bitte sehr, wir hätten da eine supergeile zu bieten: „Welcher von diesen vier Moderatoren hat die meisten Quizshows im deutschen Fernsehen präsentiert?“ A) Günther Jauch, B) Johannes B. Kerner, C) Kai Pflaume, D) Jörg Pilawa wären die vier Alternativen. Die Antwort kennen wir – ehrlicherweise – nicht, aber wir haben eine Vermutung: Jörg Pilawa. Der Hamburger bearbeitet das Genre seit 1996, da reüssierte er beim Privatsender Sat 1 mit der Gameshow „Hast Du Worte?“. Das war harte Arbeit, jeweils drei Wochen lang wurden unter fließbandähnlichen Bedingungen bis zu sechs Sendungen pro Tag aufgezeichnet. Die neue Aufgabe ist insofern abgemildert, als das „Quizduell“ vom kommenden Montag an für zunächst nur drei Wochen angesetzt ist. Freilich versehen mit den Härtegraden der Live-Sendung und der Tatsache, dass der Sendetermin von 18 bis 18 Uhr 50 in der „Todeszone“ des ARD-Vorabends liegt. Hier wird regelmäßig gescheitert, die unvergessene Pleite von „Gottschalk live“ markiert den Gefahrenpunkt.

Jörg Pilawa ist vieles, ein Hasardeur ist er nicht. Er wird sich mit der TV-Ableitung der App in einem Spielfeld bewegen, das er in der Weite der Fernsehlandschaft exakt für sich kartiert hat: Quiz. Eines der Lieblingsprogramme im Land der Bescheid- und der Besserwisser, Pluspunkt eins, von Pilawa über Jahre und Jahrzehnte zur Pilawa-Nummer perfektioniert, Pluspunkt zwei. Für Sat 1, für die ARD („Das Quiz mit Jörg Pilawa“, „Pisa – Der Ländertest“), dann das ZDF („Rette die Million“), jetzt wieder das Erste – Jörg Pilawa war erst das Quizbubi, jetzt ist er der Quizonkel.

Pilawa versöhnt, wo Spaltung möglich ist

Wenige Fernsehmitarbeiter nur verfügen über die abgefragte Qualität, sich auf immer neue Kandidaten und Gäste mit dem nötigen Feingefühl einzustellen. Das hat Pilawa bei seinen Talkstrecken gelernt, einmal beim Sat-1-Nachmittagsplausch „Jörg Pilawa“, später bei der „NDR Talkshow“. Die Personalunion aus einem unprätentiösen Wim Thoelke und einem empathischen Hans Rosenthal spielt(e) nie mit den Schwächen seiner Gäste, er versöhnte, wo Spaltung möglich war, seine Freundlichkeit ehrlich, seine Ehrlichkeit freundlich. Dieser Moderator muss nicht wirklich fürchten, dass das Publikum ihn bei Pleiten, Pech und Pannen nicht mehr liebt, ihn, den skandalfreien Fernsehmenschen, der mit seiner Frau die drei Kinder im christlichen Wertekanon erzieht, Klimaschutz predigt, als „Bildungsbotschafter“ auftritt. Wenn das Prädikat „nett“ einen Komparativ verdient, dann kommt „Jörg Pilawa“ heraus.

Mit Fleiß und Fortüne hat der abgebrochene Medizinstudent, Moderator und TV-Unternehmer dem Medium Fernsehen Formate und sich selbst ein Format gegeben. Griffiger als sein Beinahe-Zwilling Kai Pflaume ist Pilawa der „Charming Boy“ des Mittelschichtspublikums: eine Handvoll Gesten, ein warmes Lächeln, gute Manieren, casual outfit.

Zwischendurch war Burn-out angezeigt. Über neun Jahre und mehr als 2000 Sendungen lang hatte er es zum Quizroboter der ARD geschafft, das Etikett „Jörg Überall“ klebte auf der Stirn, sein Resümee, „es gibt im Fernsehen nichts Neues mehr“, klang nach Erschöpfung an sich selbst. Neun Monate Urlaub, Kauf einer Insel vor Kanadas Küste, Wechsel zum ZDF. Mit der neuen Show „Rette die Million“ von Oktober 2010 an verband er eine deutlich niedrigere Sendefrequenz.

Als Thomas Gottschalk die Moderation von „Wetten, dass ..?“ aufgab, war Pilawa sofort im Favoritenkreis für die Nachfolge, um sich dann rasch aus selbigem zu verabschieden. Jetzt hat er das Ende des ZDF-Klassikers bedauert. Aber bedauern heißt für den Hamburger nicht, sich dem Risiko des Scheiterns auszusetzen. Seine gut dotierte Lebensversicherung heißt: Quiz. Gerne auch als Duell. Wenn er so weitermacht, wird er ad personam zur Antwort auf die Frage, wer Deutschlands fleißigster Quizmoderator ist. Jörg Pilawa ist 48. Joachim Huber

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