Medien : Hi-Han!

Sören Kittel

Wie schützt ein Franzose sein Frühstücksei vor dem Platzen, wenn er keinen „Eierpiekser“ importiert hat? Jede Familie im Nachbarland hat da ein Hausrezept: eine Prise Salz, etwas Essig oder – Beten. Gefaltete Hände vorm Kochtopf – solche Bilder sind es, die der Zuschauer der Sendung „Karambolage“ so schnell nicht vergessen wird. Zum Glück besann sich der zweisprachige Sender Arte vor rund drei Jahren auf seine deutsch-französische Kernkompetenz und stellt wöchentlich (Sonntag, 20 Uhr) kulturelle Unterschiede beider Länder vor. Für ihre Idee und die Gestaltung der Sendung bekam Claire Doutriaux in diesem Jahr den Grimme-Preis.

Jetzt gibt es „Karambolage“ auf DVD sowie ein Buch zur Sendung. Beide sind sehr unterhaltsam, abwechslungsreich und aufwendig gestaltet. Einmalig die Mini-Doku, die mittels Zeitlupe und Vergrößerung beweist, was Konrad Adenauer 1963 wirklich zur historischen Umarmung mit Charles de Gaulle trieb: ein Schupps vom Protokollchef. Mit der gleichen Akribie wird erklärt, wie der französische Esel schreit („Hi-Han!“), warum deutsche Zigarettenblättchen praktischer sind und worin sich die Neujahrsansprachen beider Präsidenten unterscheiden. Was praktische Erfindungen für den Alltag angeht, haben die Deutschen laut Sendung eindeutig die Nase vorn: Nur hier gibt es Bierdeckel, Wanderstock und den „Tropfenfänger“, ein kleines Stück Schaumstoff, das Tischdecken vor hässlichen Teeflecken schützt. In Frankreich hilft gegen dieses Übel wieder nur – Beten.

„Karambolage“, DVD bei Absolut-Medien, 180 Minuten, 19,90 Euro; Buch bei Knesebeck, 192 S., 14,95 Euro.

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