Hinter den Kulissen : Na, wie war ich?

Witze, Wetten, Einladungen zum Wein, Ärger über Interviewpartner – worüber Moderatoren sprechen, wenn ihre Sendung vorbei ist und der Abspann läuft. Eine Umfrage.

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Claus Kleber und Dunja Hayali.
Claus Kleber und Dunja Hayali.Foto: ZDF

Es sind nur wenige Sekunden, in denen die Moderatoren nach dem Ende ihrer Sendungen noch zu sehen sind. Sie lachen, runzeln die Stirn, unterhalten sich angeregt – worüber, das hört der Zuschauer nicht. Denn wenn der Abspann läuft, ist der Ton bereits aus, nur die Kamera noch an. Sonja Pohlmann hat mit den Moderatoren der Nachrichtensendungen auf ARD, ZDF und RTL über das große Geheimnis gesprochen.

Claus Kleber, ZDF-„heute-journal“

Manchmal erwischen Kamera und Mikro während des Abspanns noch ein Wort oder eine Geste, die nicht für die Öffentlichkeit gemeint waren – aber peinlich wurde das noch nie. Da sind innerlich die roten Lichter noch „an“, die uns zeigen, dass wir vor vier Millionen Menschen stehen. Es geht in den Gesprächen fast immer um die Sendung – da löst sich auch Spannung. Wir reden über einen Beitrag, der während der Moderation noch nicht da war und dann (manchmal vom anderen Ende der Welt) in die Sendung live „geblitzt“ wurde. Ein Stück, das uns angenehm oder (ganz selten) weniger angenehm mit seiner Qualität überraschte. Am Dienstag allerdings habe ich Dunja Hayali, die in dieser Woche meine Moderationspartnerin ist, gefragt, ob wir noch ein Glas Wein trinken gehen – es war nach fünf Moderationstagen „Bergfest“, bis zum heutigen Sonntag folgten für mich noch fünf weitere. Solche Abende sind deshalb so selten, weil das Ende der Sendung auch das Ende eines oft sehr angespannten 13-Stunden-Arbeitstages ist und weil am nächsten Morgen mit der Konferenz um 9 Uhr 30 Uhr der nächste beginnt.

Dunya Hayali, ZDF-„heute-journal“

Verhaltensregeln gibt es für die Zeit während des Abspanns nicht, außer vielleicht, dass wir nach der Sendung nicht fluchtartig das Studio verlassen oder uns vor lauter Glück über eine gute Sendung um den Hals fallen. Verabredungen auf ein Glas Wein sind dagegen immer willkommen. Und wenn man wie ich gerade fünf Wochen am Stück moderiert hat, ist man froh, nach der Sendung auch mal über andere Dinge als die Nachrichtenwelt zu sprechen. Und das geht mit Claus Kleber sehr gut.

Peter Kloeppel, „RTL-aktuell“

Wir sind nach Sendung ja nur noch drei, vier Sekunden im „on“, da kann man nicht viel sagen. Meistens sprechen wir über das letzte Sportstück oder reden darüber, wenn uns mal wieder der Regisseur ermahnt hat, weil wir überzogen haben. Wir versuchen aber immer, der Sendung angemessen zu agieren. Wenn der Tenor wegen tragischer Ereignisse eher Moll als Dur war, dann fangen wir sicher nicht an, Späßchen zu machen. Etwas Peinliches während des Abspanns ist mir noch nicht passiert. Nur während der Sendung habe ich einmal auf dem Mikrofon gesessen, und entsprechend gedämpft klang dann meine Moderation. Zum Glück habe ich’s schnell gemerkt.

Sascha Hingst, RBB-„Abendschau“

Auch wenn das Mikrofon bereits abgeschaltet ist, bin ich lieber vorsichtig mit dem, was ich während des Abspanns sage, und tausche eher Belanglosigkeiten aus, man weiß ja nie. Einmal ist mir nach dem Ende der Sendung versehentlich ein Stoßseufzer entfahren, da war das Mikro noch an. Ein absolutes No-Go ist, über „Flurfunk“ zu sprechen, auch würde ich nie über Interviewpartner lästern. Wir erzählen uns eher, was wir anschließend machen, meistens aber witzeln wir darüber, ob ich einen Schluck aus meinem Wasserglas nehmen soll oder nicht. Ich weiß von den Zuschauern, dass manche vorm Fernhseher sitzen und wetten, ob ich aus dem Glas trinke oder nicht – aber da gibt es keine Regel, ich trinke dann, wenn ich Durst habe.

Caren Miosga, ARD-„Tagesthemen“

Meistens sprechen wir über das Thema des letzten Filmbeitrages, mit dem wir uns aus der Sendung verabschieden. Oder wir lachen über kleine Versprecher. Einmal, als die Mikrofone bereits ausgeschaltet, die Kameras aber noch an waren, hat mich Thorsten Schröder wegen eines Versprechers derart aufgezogen, dass ich die Zettel, die vor mir lagen, wie auf einem Saloon-Tresen zu ihm rüberschleuderte. Die Szene tauchte am nächsten Tag bei Stefan Raab auf. Grundsätzlich sollten wir uns, was das angeht, viel mehr an den Amerikanern orientieren. Ich empfehle das geniale Zettel- und Fingerballett der News-Anchors Robert Jordan und Jackie Bange von WGN News, zu sehen bei Youtube.

Thorsten Schröder, ARD-„Tagesthemen“

Solche Sachen wie mit den Zetteln, die Caren Miosga zu mir herübergeschleudert hat, passieren, weil wir uns zueinander wenden und nicht mehr in die Kamera gucken. Dann sehen wir auch das Rotlicht nicht mehr. Aber ich finde solche kleinen Ausrutscher nicht schlimm. Wenn wir nach der Sendung nicht miteinander reden würden, sieht es ja so aus, als hätten wir uns nichts zu sagen und seien froh, schnell gehen zu können. Das Gegenteil ist der Fall. Caren Miosga frage ich, wie’s ihrem Kind geht, oder mache ihr ein Kompliment, wenn sie ein gutes Interview geführt hat. Und Tom Buhrow ist genauso ein großer Karnevalist wie ich. Wenn die Saison beginnt, gebe ich ihm Tipps, welche neuen Karnevalslieder er sich unbedingt anhören muss. Fällt uns gar nichts ein, reden wir übers Wetter.

Marietta Slomka, ZDF-„heute-journal“

Da gibt es nichts Spektakuläres zu offenbaren. Wir reißen weder schmutzige Witze noch lästern wir über Kollegen, denn in der Tat: Das Mikro könnte versehentlich noch auf sein.

Judith Rakers, ARD-„Tagesthemen“

Die Themen unserer Gespräche im Studio hängen von unserer Tagesform ab und der Nachrichtenlage – sind also sehr unterschiedlich. Wenn wir ein besonders emotionales, starkes Schlussstück in der Sendung hatten, löst das nicht selten Gesprächsbedarf aus. Es kann aber auch sein, dass ich nach einer sehr ernsthaften Sendung sage: „Das war jetzt ein hartes Programm. Da haben wir den Zuschauern wieder ganz schön viel zugemutet vor dem Einschlafen.“ Manchmal lachen wir aber auch einfach gemeinsam über ein lustiges Stück oder eine witzige Formulierung. Und dann gibt es noch die Pannen oder kleinen Nickeligkeiten, die der Zuschauer gar nicht mitbekommen hat und die bei uns noch mal ein kurzes Gespräch auslösen. Lästereien über Kabinettsmitglieder sind es jedenfalls nicht, die wir da austauschen, denn es gilt: Solange wir im Studio stehen, keine Gespräche über allzu Privates und keine Aussagen, die einem zum Verhängnis werden könnten. Und wenn es sie doch gäbe, die vernichtenden Urteile über unsere Volksvertreter oder Wirtschaftsbosse, würde ich sie jetzt nicht verraten.

Barbara Hahlweg, ZDF-„heute“

Das ist eigentlich wie im richtigen Leben. Da wird kritisiert, geneckt – wenn sich einer versprochen hat –, manchmal auch geflirtet oder wir tauschen Erziehungstipps. Meist aber dreht sich’s um die gerade vollendete Sendung. Oft ist das ja die erste Möglichkeit, um angestauten Dampf abzulassen. Im besten Fall geschieht das lachend. Manchmal auch fluchend. Wenn dann noch die Mikrofone auf sind, wie mir schon passiert, dann ist das natürlich unangenehm. Da können wir nur auf das Verständnis von Zuschauern und Vorgesetzten hoffen. Ein offizieller Verhaltenskodex war bislang noch nicht nötig. Es gibt aber auch Momente der Stille. Wenn kurz vorher so was passiert wie die Massenpanik auf der Loveparade und wir zum Ende der Sendung noch mal an den Unglücksort schalten. Dann sind wir im Studio auch einfach nur betroffen und schweigen. Die wirklich wichtigen Dinge übrigens kommen auf dem Weg vom Studio zur Schelte (unserer Nachbesprechung) zur Sprache. Wenn alle Mikrofone ab und aus sind.

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