Hofberichterstatter : Besuch bei Königs

Zwei neue Adelstitel, eine Datingshow für Grafen: Warum Glanz und Gloria einen neuen Boom erleben.

Sonja Pohlmann

Was hat Kronprinzessin Victoria von Schweden da nur wieder angerichtet? Sie hat es doch tatsächlich gewagt, ihren Freund Daniel Westling am vergangenen Wochenende mit zu einer Geburtstagsparty zu nehmen. Nach Dänemark, wo Kronprinz Frederik seinen 40. feierte. Jetzt ist ganz Schweden in Aufruhr und hofft, das bald wieder ein Märchen wahr wird: Prinzessin heiratet Fitnessunternehmer – ein Gerücht, das auch in Deutschland die neu entflammte Sehnsucht nach königlichem Glanz befeuert. Verlage und Fernsehsender wollen jetzt vom gewachsenen Interesse an Glanz und Gloria profitieren.

Denn obwohl der Magazinmarkt mit Blättern längst gesättigt scheint, die sich wie „Bunte“, „Frau im Spiegel“ oder „Das Goldene Blatt“ regelmäßig als Hofberichterstatter betätigen, hat der Klambt-Verlag zwei neue Titel an den Kiosk gebracht: „Adel aktuell“ und „Adel heute“. Sat 1 startet im August die Datingshow „Gräfin gesucht“, in der vier gutsituierte Adelige die passende Frau zu Schloss, Jagdgewehr und Silberbesteck suchen. Die Liste der Bewerberinnen ist lang, sagt Sat 1.

ARD-Adelsexperte Rolf Seelmann-Eggebert wundert sich über den Boom der Adels-Geschichten nicht: „Heute wechseln die Stars aus Film, Fernsehen und Musikszene schneller durch, als je zuvor. Die Königshäuser stehen dagegen für eine Kontinuität, nach der sich viele Menschen sehnen.“ Wird ein neuer Adelssprössling geboren, wachse man mit ihm auf, heirate, leide und freue sich mit ihm. „Es ist ganz einfach, die Adeligen durchs Leben zu begleiten. Und gleichzeitig bringen sie ein wenig Glanz in unseren republikanischen Alltag“, sagt Seelmann-Eggebert.

Rüdiger Dienst, Verlagsleiter bei Klambt, will aber mehr als Glanz vermitteln. Er will Träume wahrmachen. Zumindest gefühlt. „Irgendwann wollte jedes Mädchen einmal eine Prinzessin sein. Dieser Wunsch bleibt, und mit den Zeitschriften können unsere Leserinnen für eine Weile in ihre Traumwelt flüchten“, sagt Dienst. Er ist überzeugt, dass sich die neuen Blätter erfolgreich etablieren werden – obwohl schon jetzt jede Woche in Deutschland etwa zwölf Millionen adelsaffine Titel verkauft werden.

Ein Problem teilen sie sich jedoch alle: Nicht jede Woche gibt es spannende Neuigkeiten von Camilla und Co. Im Gegenteil. Je mehr Klatsch- Magazine berichten, umso fester versuchen die Adeligen ihre Schlosstüren zu verriegeln, beschäftigen beispielsweise wie das schwedische Königshaus Informationsbeauftragte, die Gerüchte dementieren müssen – denn, wo nichts Spektakuläres passiert, wird kurzerhand gedichtet.

So montierte „Adel aktuell“ kurzerhand den Kopf von Kate Middelton auf ein Brautkleid und malte sich ihre Hochzeit mit Prinz William aus. Und „Adel heute“ will wissen, dass Prinzessin Letizia nachts weinend durch Spaniens Straßen läuft. „Die Berichterstattung über den Adel und die Königshäuser ist selten seriös oder fundiert“, sagt Alexander Graf von Schönburg-Glauchau, Journalist und Bruder von Gloria von Thurn und Taxis. Deshalb versuche auch der deutsche Adel tunlichst, sich aus der Berichterstattung herauszuhalten. „Als wirklich prestigeträchtig gilt es nämlich nicht, sich in der Yellowpress zu exponieren“, sagt Schönburg.

Aber schwarze Schafe kommen in den besten Familien vor. Und so zeigen sich Adelige wie Ferfried Prinz von Hohenzollern mit tiefdekolletierten Begleiterinnen wie Tatjana Gsell und sorgen für hochgezogene Augenbrauen in ihren Kreisen. Die Leserinnen der Klatschblätter freuen sich dagegen: Tatsächlich scheint jedes Aschenputtel die Chance zu haben, plötzlich Prinzessin zu werden.

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