Medien : Huch und Hach

Barbara Sichtermann

KRITISCH GESEHEN

Blondes Gift/Pro7, Dirty Dancing Mania/RTL. Es war wohl Harald Schmidt, der die Masche, wenn nicht erfunden, so doch verfeinert hat: Er tritt auf, ruft: „Meine Damen und Herren …“, gibt eine politische Sottise von sich, danach einen Kalauer, und dann kommt ganz etwas anderes. Der Ebennoch-Entertainer wird zum Privatmann, klagt über Rückenschmerzen, mäkelt an seinem Assistenten und am Publikum rum.

Dieser Bruch mit dem Dauerfrohsinn der TV-Unterhaltung, die Flucht in ein Bekenntnis zum Überdruss an all dem Quatsch wurde Schmidts Qualitätsmerkmal und ist als Gestus häufig kopiert worden. So auch von Barbara Schöneberger. In „Blondes Gift“, einer Late Night Show, die nun bei Pro 7 ausprobiert wird, stürmt die Lady ihre Bühne mit dem obligaten Jubelgeschrei, um dann den Mega-Spaß, den ihr Augenrollen eben noch versprochen hat, abrupt versacken zu lassen. All den Blödsinn, den sie jetzt machen muss: mit Daniel Küblböck talken, einen Karton voller Luftschlangen mit den Zähnen durchwühlen und Einspielfilme ansagen, lastet sie ihrem „Fachredakteur“ an, der offenbar der letzte Mensch ist. Mit einem Dauerschreck in der Miene namens „Huch, ich bin beim Privatfernsehen“ stolpert Schöneberger durch den Ablauf, sie meckert und seufzt, das Ganze soll komisch sein und ist nur krampfig. Hinzu kommt, dass der Mehrwert, der in dem „Bruch“ mit der Entertainer-Attitüde stecken könnte, hier nicht anfällt. Schmidt hat ja Poker gespielt oder Playmobilfigürchen aufgestellt, das heißt eine Show inszeniert, die so aussah, als hätte er selbst seine Gaudi dran. Bei Schöneberger aber bleibt es bei dem üblichen Kokolores, wie ihn die Konvention verlangt. Sie nölt zwar rum, macht aber mit. Also: Wenn schon Show von der herkömmlichen Art, dann lieber ohne Murren, dafür mit Glitzer und großem Atem.

Dass ihr sowas im Grunde liegt, bewies Schöneberger bei „Dirty Dancing Mania“ am Dienstag auf RTL. An der Seite von Dirk Bach überzeugte sie als abendfüllende Domina, die den Überblick behielt und dennoch lustig blieb. Zwar wurde auch hier kräftig abgelästert, aber immer im Dienste der Sache, die 80er Jahre und Tanzfieber hieß. Schöneberger kann natürlich mehr. Sie hat was in der Birne, und man spürt und teilt ihr Vergnügen am bizarren Ulk. So fragt Bach, als ein „GZSZ“-Sternchen angekündigt wird: „Wo liegt eigentlich GZSZ?" Und Schöneberger antwortet stillvergnügt: „Ich glaube in Niedersachsen." Aber das war auch der einzige Gag dieser Klasse, der ihr gelang.

Wenn Schöneberger Mut hat, schafft sie sich ihren Fachredakteur vom Hals, verbittet sich Gäste wie Küblböck und macht ihr eigenes Ding. Was das sein könnte? Irgendwas, was für sie selbst der Hauptspaß ist. Worüber sie so richtig ablachen kann. Das wird dann schon anstecken.

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