"Huffington Post" : Die Braut, die sich umschaut

27.09.2012 12:06 Uhrvon und

Die „Huffington Post“ will nach Deutschland. Doch die Partnersuche ist mühsam. Ein Grund dafür ist das besondere Geschäftsmodell des Portals.

Was hat die "Huffington Post" zu bieten?

Auch das Redaktionsteam selbst soll nur aus wenigen Leuten bestehen, die Räume des Partners sollen genutzt werden. „So müssen wir kein Geld für Büros ausgeben“, sagte Huffington Ende 2011. Das Modell ist also einfach: den großen Namen des Partners nutzen, möglichst wenig selbst investieren, aber den Gewinn – wenn es ihn gibt – dann am Ende bitte teilen.

Was bietet die Braut also, wenn sie schon kaum Aussteuer mitbringt?

Mit der „Huffington Post“ könne der Partner eine „ganz andere Leserschaft“ erreichen, sagte Huffington anlässlich der vor einem Jahr gestarteten Kooperation mit der französischen „Le Monde“. „Nicht nur jüngere Leser, sondern auch Leser, die unsere spielerische Art mögen, wie wir Geschichten präsentieren.“

Video: Leistungsschutzrecht: Google und Co. sollen zahlen

Google und Co. sollen künftig zahlen

Doch in Frankreich läuft die „Huffington Post“ bisher eher mäßig, 2,2 Millionen Nutzer zählt sie monatlich, „Le Monde“ schafft über sieben Millionen. Die britische „Huffington Post“ kommt auf 4,6 Millionen Besucher, die britische Zeitung „The Guardian“ auf über 30 Millionen Nutzer. In den USA sieht die Situation anders aus. Während die „Huffington Post“ dort im Vergleich zum vergangenen Jahr um fast 20 Prozent auf rund 44 Millionen Besucher gewachsen ist, erreicht die „New York Times“ mit 25 Millionen Nutzern erheblich weniger. Allerdings ist das Angebot der „New York Times“ auch teilweise kostenpflichtig. Arianna Huffington ist dagegen eine strikte Verfechterin eines kostenfreien, allein durch Werbung finanzierten Auftritts. Deshalb passt sie auch nicht zum Springer-Verlag („Bild“, „Welt“), der zunehmend mit Bezahlmodellen liebäugelt.

Angesichts all dieser inneren und äußeren Werte steht für viele Chefredakteure fest, dass Deutschland nicht der nächste Markt für die „Huffington Post“ sein wird – wenn überhaupt einer. Und nicht nur, weil die Partnersuche so mühsam ist. Denn das, was die Website in den USA so erfolgreich macht, könnte hierzulande ihr größtes Problem werden: das Aggregieren von Inhalten.

Das kürzlich vom Bundeskabinett auf Druck der Verlage beschlossene Leistungsschutzrecht steht den Linksammlungen der „Huffington Post“ diametral entgegen. Das neue Recht sieht vor, dass Unternehmen wie die Suchmaschine Google, die direkt oder indirekt daran verdient, dass sie von anderen geschaffene Inhalte über Verweise verlinkt, die Verlage an ihren Erlösen beteiligen sollen. Das würde auch Arianna Huffingtons Portal betreffen. „Ein Leistungsschutzrecht könnte relevant werden, wenn eine deutsche ,Huffington Post‘ neben eigenen Texten in ähnlich großzügigem Stil auch Texte anderer Medien exzerpiert, wie sie das in den USA tut und dort von Anfang an praktiziert hat“, sagt Wolfgang Blau, Chefredakteur von Zeit Online.

Klaus Goldhammer, der mit seiner Berliner Unternehmensberatung Goldmedia Medienfirmen berät, sieht das Leistungsschutzrecht als „zusätzliche, aber durchaus machbare Hürde“ für die „Huffington Post“. Eine größere Herausforderung sei hingegen, ein prominentes Aushängeschild für die Website zu gewinnen. In den USA haben einige Autoren das Portal nach dem AOL-Deal verklagt, weil sie ihre Inhalte kostenfrei zur Verfügung gestellt hatten und nun eine Beteiligung einforderten. Mit der Klage sind die Blogger zwar gescheitert, doch der Ruf der „Huffington Post“ hat ein Stück weit gelitten.

Julia Roberts hat sich in der Komödie am Ende doch getraut. Dass die „Huffington Post“ in Deutschland am Ende vor den Altar tritt, ist noch nicht abzusehen. Aber andere Länder haben auch schöne Verlage, weiß Huffington. Sie hat bereits Brasilien, Indien, Japan und Südkorea im Blick.

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Unser/e Leser/in blinder meint zum Artikel: Besuch im Reichstag bleibt umständlich:
Da von den aktuell 620 Abgeordneten bei den Sitzungen sowieso nur 20% anwesend sind, bleiben fast fünfhundert Sitze unbelegt. Hier könnte man doch die wartenden Besucher nach der obligatorischen Einlasskontrolle "zwischenparken".
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