Medien : Ich, Franz-Josef Wagner – ein Filmporträt des „Bild“-Kolumnisten

Barbara Nolte

Sein Revier sind zehn mal fünfzehn Zentimeter „Bild“-Zeitung. „Post von Wagner“ heißt die Kolumne, die Franz-Josef Wagner täglich füllt. In ihrer Form erinnert sie an einen Brief, und das ist das Perfide am journalistischen Format, denn Wagner wendet sich natürlich nicht an Andrea Nahles oder Jürgen Klinsmann, auch wenn er sie direkt anspricht. Seine Ratschläge – der „lieben Andrea Nahles“ wünscht er zum Beispiel einen Mann – gelten in Wahrheit einer Millionenleserschaft, die sich daran delektieren soll.

Vielleicht liegt es an dieser moralischen Ambivalenz, vielleicht auch an der physischen Ähnlichkeit mit Klaus Kinksi – wenn man in einem Film die Rolle eines Kolumnisten besetzen müsste, Wagner wäre die erste Wahl. Nur hat man Wagner noch nie in einem Film gesehen, ganz selten im Fernsehen. Er ist kamerascheu. Thomas Leif hat zwei Jahre um ihn geworben, bevor er dann doch dieser Dokumentation zustimmte. Er fürchte das Fernsehen, sagt Wagner gleich zu Beginn des Films. „Es zeigt jedes Nichtperfekte tödlich genau. Das sind negative Dinge, die meinen Mythos zerstören würden.“

Doch er muss sich keine Sorgen machen. Wagner inszeniert sich als Genie und Instinktviech.Leif lässt ihn. Er erzählt seinen Film aus der Fan-Perspektive. „Der Unterschied zwischen Goethe und mir ist: Goethe schrieb zwar jeden Tag, er musste aber nicht jeden Tag veröffentlichen“, sagt Wagner. In seinem Selbstbewusstsein und in seiner Kantigkeit garantiert er dem Film einen gewissen Unterhaltsamkeitspegel. Außerdem hat Thomas Leif – im Nebenjob Vorsitzender des Netzwerkes Recherche, das sorgfältiges Recherchieren propagiert – eine aberwitzige Sammlung an Medienmenschen zu Wagner befragt. Ihre Aussagen waren fast immer wohlwollend.

Leif resümiert: Wagners Erfolgsrezept sei das Prinzip „Viel Feind’ viel Ehr’“. Ein paar mehr Feinde hätten auch seinem Film nicht geschadet.

„Ich bin Wagner – du bist Deutschland“; Mittwoch, 23 Uhr, NDR

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