Medien : Ich rede viel, also spar ich

Unbegrenzt telefonieren, dauerhaft surfen: Der Wettbewerb unter den DSL-Anbietern läuft auf Hochtouren. Vier Pakete – vier Erfahrungsberichte

Kurt Sagatz

Bei ihrer letzten Erhebung stellten Statistiker fest, dass der Durchschnittshaushalt in Deutschland gegenüber dem Vorjahresmonat 2,2 Prozent weniger für Telefon, Handy und Internet ausgeben musste. Sparen können vor allem Wechselwillige. Die Konkurrenten der Telekom haben äußerst attraktive Pakete geschnürt, mit denen man die Kosten für Internet und Telefonie erheblich reduzieren kann. Doch lohnt sich der Wechsel für Single-Haushalte genauso wie für Familien? Gilt das Einsparpotenzial auch für Wenigsurfer? Vier Offerten – vier Erfahrungsberichte.

CALL & SURF DER TELEKOM

Das Alter der Kinder spielt für die Telekommunikationskosten der Familie eine nicht unerhebliche Rolle. Die Volumenflatrate fürs Internet wird dabei früher oder später genauso zum Wagnis wie die nach oben offene Telefonrechnung. Selbst wenn man mit der Telekom ansonsten gute Erfahrungen gemacht hat, sucht man somit fast zwangsläufig nach Alternativen – und kann sie inzwischen auch beim Staatskonzern selbst finden. Mit den im Herbst eingeführten Call-und-Surf-Tarifen versucht die Telekom derzeit, die Kundenabwanderung zu verlangsamen. Für einen Pauschalbetrag von rund 50 Euro (bei ISDN sind es vier Euro mehr) kann man beliebig lang mit nunmehr sogar sechs Megabit pro Sekunde (anfangs waren es zwei) im Internet surfen und sämtliche Telefonate ins deutsche Festnetz sind ebenfalls kostenlos. Sonderrufnummern, Auslandsgespräche und die Handynetze kosten extra. Der Wechsel des Tarifs (neue Leistungsmerkmale für die Telefonie, die höhere DSL-Leistung) funktionierte zum Stichtag ohne Probleme, durch den Wechsel zur Online-Rechnung wurde die investierte Arbeit sogar noch mit einem Gutschein von 20 Euro belohnt. Die Telefonrechnung am Monatsende fällt nun um einen Zehner geringer aus, vor allem muss sich in der Familie nun niemand mehr darüber Gedanken machen, wenn ein Gespräch etwas länger dauert oder der Download etwas größer ausfällt. Ein beruhigendes Gefühl, trotz der ärgerlichen, nicht mehr zeitgemäßen Vertragsbindung von 24 Monaten. Im Internet: www.t-com.de

ALL INCLUSIVE ARCOR

Die monatliche Telefonrechnung der Telekom war hoch, zu hoch, weil von der Internet-Nutzung getrieben. Die Kosten mussten runter, außerdem saß die Panik im Nacken, wenn ein Mitglied der dreiköpfigen Familie im Netz surfte: Was das wieder kostet! Eine Flatrate sollte Abhilfe schaffen. Angebote wurden verglichen, die Arcor-Offerte ausgewählt. 44,85 pro Monat plus Zusatzkosten für Handytelefonate (ab 14,9 Cent pro Minute) und Anrufe ins Ausland (ab 4,5 Cent pro Minute). Arcor wurde bestellt, die Telekom abbestellt. Die Telekom schickte einen Brief, in dem die Kündigung bestätigt wurde, Arcor schickte Hard- und Software; dann begann die mühsame Installation, die wegen der besonderen Anforderungen nur von einem Experten zu bewerkstelligen war. Drei Telefone, zwei Computer, WLAN – ohne fachmännische Hilfe wäre das vollkommen schiefgegangen. Zum vereinbarten Termin, auf die Sekunde genau, verschiedete sich die Telekom und Arcor übernahm. Der Umstieg verlief reibungslos, und seitdem wird ohne Angstschweiß auf der Stirn telefoniert und gesurft. Die Monatskosten summieren sich auf rund 50 Euro. Übers Jahr gesehen liegt die Ersparnis trotz fester, weil monatlich zu zahlender Flatrate bei mehr als 200 Euro. Im Internet: www.arcor.de. Joachim Huber

FUN MIT ALICE

Natürlich weiß ich, dass Werbetreibende schöne junge Frauen nur aus einem Grund einsetzen. Nach dem Motto: Wenn Mann das bestellt, wird die Sexbombe gleich mitgeliefert, irgendwie. Ich falle immer wieder darauf rein. Auf „Alice“, zum Beispiel. Mit der Post kam natürlich nicht die junge Dame mit der Löwenmähne aus dem Fernsehen, sondern ein DSL-Modem, ein Haufen Kabel und eine Telefonbuchse, die nicht funktionierte. Zwei 5,99 Euro teure Anrufe im Callcenter (wo ich erfuhr, dass ich der x-te Neukunde mit diesem Problem war) und vier Werktage später hatte ich endlich eine Buchse, die funktionierte. Mein Basisanschluss - „Alice Fun Flat“ ist zwar 2000 Kilobit langsamer, dafür aber mit 39,90 Euro pro Monat auch deutlich billiger als die Grundpakete der Konkurrenz. Und wer, wie ich, kein Download-Junkie ist, dem reichen 4000 Umdrehungen pro Sekunde dicke. Sehr schön auch: Falls ich mal mehr will, kann ich diese Beziehung, dank fehlender Mindestvertragslaufzeit, jederzeit beenden. Im Internet: www.alice-dsl.de Marc Felix Serrao

DSL 2000 VON STRATO

Einer der deutschlandweit noch nicht so bekannten DSL-Anbieter ist die Berliner Strato. Wohl auch ein Grund dafür, dass dieser (zweijährige) DSL-Vertrag eine Art Haustürgeschäft war. Damals, vor einem Jahr, kein schlechtes: für 37 Euro im Monat (dazu 15,95 Euro Grundgebühr für den Telefonanschluss an die Telekom) ein DSL-Paket für Vielsurfer (zwei MB), für Menschen, die nicht jeden Tag Filme aus dem Netz runterladen, eher unbegrenzt surfen und telefonieren wollen. Das macht Sinn. In Sachen Telefonrechnung war beim Haushalt mit zwei freien Journalisten einiges zusammengekommen, über 80, 90 Euro pro Monat – bis die Strato-Vertreterin vor der Tür stand. Internet-Telefonie kostet jetzt jeden Monat 9,90 Euro. Eine gute Kostenkontrolle, allerdings nur, wenn man sich bei Gesprächen ins Handynetz und ins Ausland beschränkt (Extrakosten!). Mittlerweile ist dieses DSL-Gesamtangebot verbessert, von 37 auf knapp 30 Euro. Dauerkunden können wechseln. Grundsätzlich gilt: Der Wettbewerb unter DSL-Anbietern ist gnadenlos. Nicht nervös werden, wenn es irgendwo ein zehn Cent billigeres Paket gibt. Immer noch besser als die Telefonrechnungen von früher. Im Internet: www.strato.de Markus Ehrenberg

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