"Ich stelle mich" mit Sandra Maischberger : Stahlgewitter der Belanglosigkeiten

Bei ihrer neuen Show "Ich stelle mich" macht Sandra Maischberger mit ihrem ersten Gast Heiner Lauterbach keine Experimente. Das Konzept der Sendung stammt aus den 80er Jahren, doch damals funktionierte es irgendwie besser.

Richard Weber
Heiner Lauterbach musste sich bei Sandra Maischberger einigen Aufgaben stellen.
Heiner Lauterbach musste sich bei Sandra Maischberger einigen Aufgaben stellen.Foto: dpa

Peinlicher Draufgänger, notorischer Zocker oder liebevoller Vater? Der Schauspieler Heiner Lauterbach liefert sich als erster Talk-Gast der neuen TV-Inquisition von Sandra Maischberger aus. Titel des Kreuzverhörs: „Ich stelle mich“. Zwischen 1980 und 1993 gab es im WDR unter dem selben Titel, eine von Claus Hinrich Casdorff moderierte Sendung, in der Politikern, Gewerkschaftsfunktionären, Wirtschaftsbossen und auch Schauspieler ziemlich intensiv und absolut sehenswert auf den Zahn gefühlt wurde.

Seitdem sind viele, viele Fernsehjahre vergangen. Aber Fernsehen ohne Aktionen - gibt’s nicht, kommt nicht vor, darf nicht passieren. Gäste müssen - eisernes Glotz-Gesetz Nummer 1 - sinnvolle oder sinnlose Aufgaben erfüllen. Zuschauer müssen – eisernes Glotz-Gesetz Nummer 2 - beim Scheitern oder beim erfolgreichen Erfüllen der gestellten Probleme mit dabei sein. Heiner Lauterbach ist als über Sechzigjähriger noch ziemlich fit und körperlich gut in Form. Deshalb wird ein Photo von ihm, mit nacktem und muskulösem Oberkörper in einer Fußgängerzone aufgestellt. Und Passanten müssen raten. Wie alt ist der Typ und wer könnte das sein? Musik bei diesem Beitrag: „Sexy and I know it“. Was sonst? Nur keine Experimente. Der Zuschauer soll durch ungewohnten Soundtrack nicht schockiert oder verwirrt werden.

Erkenntnisgewinn: weniger als Null

Und weiter dreht sich das lustigen Talkspiel „Das Leben und Heiner Lauterbach“. Er war ganz sicher und ist womöglich immer noch ein Zocker. Also schnell im  im Studio einen Spieltisch aufstellen, einen Profi-Croupier und Sandra Naujoks, Europas erfolgreichste Pokerspielerin einladen, und dann wird … , nein nicht Poker gespielt, sondern Black Jack. Weil aber Fernsehen ohne permanentes Smalltalk-Grundrauschen gar nicht mehr vorstellbar ist, unterbricht Frau Maischberger die sich hinziehenden Spielrunden mit so brennend heißen Fragen wie „Wie viel war ihr höchster Verlust beim Spielen?“ oder „Mit wem spielen sie lieber? Mit Frauen oder mit Männern?“ Nach sieben, wie in Zeitlupe dahin kriechenden Sendeminuten hat die Poker-Expertin Naujoks gewonnen. Erkenntnisgewinn dieser Aktion – viel weniger als Null.

Öde wie ein Luftballon ohne Luft

Früher hat es Heiner Lauterbach mit dem Trinken übertrieben, jetzt übertreibt er es nach Aussage seiner Frau Viktoria mit dem Sport. Und schon kündigt sich eine neue, furchtbare Studioaktion an. Der Arzt, Theologe und Schriftsteller Manfred Lütz soll Heiner Lauterbach in einem Rededuell davon überzeugen, das Sport Mord ist und dass es auch ein Leben nach den Liegestützen gibt. Manfred Lütz will Heiner Lauterbach aber gar nicht überzeugen. Und der besteht auch nicht auf seiner Meinung. Damit zerplatzt auch diese Aktion dröge und öde wie ein Luftballon ohne Luft.

Zwischen den ganzen Aktionen wird Verbales von Lauterbachs zweiten Ehefrau Viktoria, seiner Mutter Maya und seinem ehemaligen Saufkumpel, dem Bandgründer und Sänger Jürgen Zeltinger serviert. Die ganzen Plaudereien – endlos weichgespült und so lange mit guter Laune geschmirgelt, das keine Ecke oder Kante mehr stört. Aber Lauterbach ist ein Profi durch und durch. Er bringt dieses Sonntag-Nachmittag-Familien-Schwätzchen mit schnoddriger Ehrlichkeit mehr als anständig hinter sich. Dann wird noch ein Filmausschnitt vom aktuellen Kinofilm gezeigt, Werbung muss sein. Der Nächste, der sich durch dieses Stahlgewitter der Belanglosigkeiten, diesen boulevardesken Krimskrams kämpfen muss, ist Wolfgang Bosbach. 

 

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