Medien : „Ich würde gern den jungen Schily spielen“

Christoph M. Ohrt ist Felix Edel in der Erfolgsserie „Edel & Starck“, deren letzte Staffel am Montag beginnt

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Herr Ohrt, Ihre Serie „Edel & Starck“ ist eine der erfolgreichsten im deutschen Fernsehen. Warum hört sie nach der nächsten Staffel auf?

Alle haben sich in der Vergangenheit wahnsinnig angestrengt, die Autoren, die Schauspieler, alle. Aber wir waren uns nicht sicher, ob wir auch für eine fünfte Staffel genug Energie und Ideen haben würden. Schließlich wollen wir unser Niveau halten. Am Ende war allen klar, dass es ein Ende geben müsste – und zwar ein bombastisches und sehr unterhaltsames.

Hatten Sie nicht einfach die Nase voll?

Ganz im Gegenteil. Aber wir fanden, dass es mit dem ewigen Umeinanderkreisen von Sandra und Felix doch mal ein Ende haben müsste. Die Leute sind doch schon ganz nervös, weil die beiden nicht zu Potte kommen. Aber „Edel & Starck“ als Ehepaar, das konnten wir uns einfach nicht vorstellen.

Weil dann die Spannung weg wäre?

Das wäre dann nicht mehr „Edel & Starck“, sondern vielleicht eine Familienserie. Aber das wollten wir nicht. Wenn es zu so etwas wie der „Addams Family“ ausarten würde, dann könnte man noch mal darüber nachdenken.

Aber Sie stehen doch schon mit Sat 1 in Verhandlungen über eine neue Serie.

Es gibt Überlegungen, wieder eine Serie mit mir zu machen. Ich hätte größte Lust, mit dem alten Team etwas Neues zu machen. Aber es müsste etwas sein, das ich allein tragen könnte.

Sie sind erfolgreich. Spüren Sie schon den Fluch des Erfolgs im Nacken?

Vor zehn Jahren, als wir „Echte Kerle“ gedreht haben, haben viele zu mir gesagt, jetzt hast du’s geschafft, du bist ein Star. Pustekuchen. Heute sehe ich das alles viel entspannter.

Was macht Sie eigentlich so gelassen? Sind Sie Zyniker, sind Sie Buddhist?

Was soll ich mir den Kopf über Dinge zerbrechen, die ich nicht beeinflussen kann? Ich bin nicht der Typ, der losgeht und sagt, was er machen will. Ich warte, bis ich angerufen werde.

Sie sind und waren immer abhängig beschäftigt?

So ist es. Mit Lohnsteuerkarte und allem Drum und Dran.

Das Leben eines Stars haben wir uns doch ein bisschen anders vorgestellt.

Ich bin ein ganz normaler Angestellter und zurzeit dabei, meine Steuer vom letzten und vom vorletzten Jahr zu machen. Und abends, wenn die Kinder im Bett sind, sitze ich in meinem Häuschen am Stadtrand mit meiner Frau zusammen, und wir trinken ein Gläschen Wein.

Keine 500 000 Euro pro Folge?

Was Sie für Vorstellungen haben! Ich verdiene gut, andere Schauspieler in meiner Altersklasse vielleicht mehr. Es geht mir nicht schlecht.

Aber Sie haben doch immerhin Karriere gemacht?

Noch nicht ganz.

Was fehlt? Der große deutsche Kinofilm?

Ich hätte gern mal eine Rolle, in die ich mich wieder richtig hineinarbeiten müsste. Ich würde gern wieder dahin kommen, wo ich mal vor langer Zeit war. Eine Figur zu spielen, für die ich gewissermaßen ganz von vorne anfangen müsste.

Sie wollen nicht Karriere machen, Sie wollen ins Charakterfach.

Eine historische Rolle zum Beispiel wäre fantastisch. Es muss ja nicht gleich Willy Brandt sein. Eine der faszinierendsten Figuren für mich ist Robert Capa, der berühmte Kriegsfotograf und Mitbegründer von Magnum. Ich frage mich, warum dessen Leben bis heute nicht verfilmt worden ist. Außerdem interessiert mich die Psychologie so eines Mannes. Ich würde gern wissen, was diesen Menschen dazu getrieben hat, sich immer wieder in Lebensgefahr zu begeben.

Das mit der Capa-Rolle könnte noch dauern. Wo holen Sie sich solange Ihre künstlerische Erfüllung?

Zu Hause. Da kann man malen, Skulpturen machen oder sonst etwas Schönes entwerfen. Aber ich will kein ausstellender Schauspieler werden. Das wäre mir vielleicht doch zu peinlich. Ich mache das nur für mich.

Nicht für Geld?

Der schnöde Mammon. Sie wollen doch mit mir nicht wirklich über Geld reden.

Also gut, Herr Ohrt, was interessiert Sie wirklich?

Mein neues Leben in einem Vorort von Berlin. Und erst jetzt, nach Abschluss der Dreharbeiten, komme ich dazu, mich einzuleben. Das ist spannend. Endlich Ruhe, und keiner nervt mich. Und ich habe zum ersten Mal einen Raum für mich. Ich sitze da und gucke in die Bäume. Sie glauben gar nicht, wie schön das sein kann.

Sie wollen herausfinden, wer Sie wirklich sind.

Hat das jemals einer geschafft? Nein.

Mit „Sex in the City“ ist Schluss, Ihre starke Frau Starck hört mit Ihnen auch bald auf – geht die Zeit der frauenbewegten Frauen im Fernsehen zu Ende?

Ich höre Ihnen wirklich gern zu, aber ich habe gerade keine Ahnung, wovon Sie reden. Ich muss Ihnen gestehen, dass die Frauenbewegung irgendwie an mir vorbeigegangen ist, tut mir wirklich leid.

Frauen sind im „Tatort“ sehr aktiv. Wäre das was für Sie, „Tatort“-Kommissar?

Mich interessiert das ewige „Warum ist er tot?“ und „Wo waren Sie um 16 Uhr?“ nicht besonders. Ich laufe auch nicht mehr gern hinter Autos her. Da werden bestimmt tolle Filme gedreht. Aber ich weiß nicht, ob ich das als Schauspieler könnte oder wollte. Außerdem fehlt mir ein gewisses Augenzwinkern. In den „Tatorten“ geht es immer so furchtbar ernst zu.

Wenn nicht „Tatort“, was dann?

Vielleicht den jungen Otto Schily, auch wenn ich für den schon wieder etwas zu alt bin. Oder eine männliche Politesse, die auf dem Ku’damm patrouilliert.

Nehmen Sie eigentlich Drogen, Herr Ohrt?

Ich hab’s mal probiert, aber das ist schon ein paar Jahrzehnte her. Das hat mich damals immer furchtbar müde gemacht. Ich bin eher für Lebensfreude. Da passen Drogen einfach nicht rein.

Muss Arbeit immer Spaß machen?

Unbedingt. Wenn bei uns am Set einer schlechte Laune hat, dann gibt’s Haue. Zu meinen Aufgaben gehört es auch, gute Laune zu verbreiten. Und je mehr man das macht, umso fröhlicher wird man.

Das nennen wir: Tyrannei der guten Laune.

Ich habe mir neulich eine DVD mit Aufnahmen von Dreharbeiten zu „Der rosarote Panther“ angesehen. Die haben da eine einzige große Party gefeiert. Und das Tolle ist: Es hat funktioniert.

Das Interview führten Thomas Eckert und Joachim Huber.

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