Medien : Im ewigen Kampf

Der vierteilige ZDF-Thriller „Im Zeichen des Drachen“ setzt fort, was mit „Allein gegen die Mafia“ begann

Katrin Hillgruber

Irgendwo in den Weiten Siziliens, Olivenbäume, Staub, flirrendes Licht: Ein Mann rennt um sein Leben, während der Gegner unsichtbar bleibt. Dazu hebt eine Melodie mit tremolierenden Bassakkorden an. Unmittelbar in der Magengrube signalisieren sie Gefahr: so nachhaltig, dass die italienische Erfolgsserie „Allein gegen die Mafia“ durch die kongeniale Musik von Ennio Morricone unvergesslich bleibt, aber auch durch die Regie von Damiano Damiani, dem Großmeister des „Poliziotto“-Films. In sieben Staffeln von 1984 bis 1991 lief die europäische Koproduktion mit Michele Placido als Mailänder Kommissar Corrado Cattani im scheinbar aussichtslosen Kampf mit dem vielarmigen Mafiaclan „Oktopus“ („La Piovra“). Wohlwissend, dass dieses Vorbild unerreicht bleiben muss, haben sich die Erfinder und Produzenten von „Allein gegen die Mafia“, Sergio Silva und Jan Mojto, an eine zeitgemäße Fortsetzung des Themas organisierte Kriminalität gewagt. Der vierteilige Thriller „Im Zeichen des Drachen“, eine Koproduktion der RAI mit dem ZDF, orientiert sich an den Klassikern des Genres, an der direkten Konfrontation Mann gegen Mann, Gut gegen Böse.

Die beiden Kontrahenten, die sich zwischen Venedig, Varna am Schwarzen Meer und Tanger einen Kampf um Leben und Tod liefern werden, begegnen sich am Flughafen der Lagunenstadt. Unwillkürlich fixieren sich Kommissar Stefano Renzi (Pietro Sermonti) und Filippo Dandolo. Der selbst ernannte „Doge“ geht in seinem Traumpalast am Canal Grande undurchsichtigen Geschäften nach. Hans-Werner Meyer ist als Pate Dandolo überraschend, aber glänzend besetzt. Pietro Sermonti dagegen, der durch eine Arztserie bekannt wurde, versucht gar nicht erst, seine Darstellung des Kommissars an Michele Placidos Lebensrolle anzulehnen. Jener agierte als einsamer Streiter für die Gerechtigkeit. Renzi dagegen ist ein Teamworker, der mit seinen Kollegen am Hafen wegen einer mutmaßlichen Drogenlieferung ermittelt.

Stefano Renzi holt seinen jüngeren Bruder Gianluca ab, Dandolo seine Verlobte Anna, gespielt von der bezaubernden Polin Kasia Smutniak. Deren kleine Schwester Ivana wiederum hat während des Fluges Bekanntschaft mit Gianluca geschlossen. Die beiden verabreden sich zu einer nächtlichen Rave-Party im Stadtzentrum, bei der fröhlich synthetische Drogen mit dem Namen „Passion Flower“ geschluckt werden. Reihenweise sinken die Raver bewusstlos zu Boden, darunter Gianluca. Es kommt zu Todesfällen.

Wer hat die teuflischen Passionsblumen übers Meer gebracht? Das Containerschiff gehört zu Dandolos Handelsflotte Adriatic Cargo. Kommissar Renzi und seine Leute recherchieren fieberhaft und können ein chinesisches Telefonat abhören, das in Venedig geführt wurde. Nun ist guter Rat teuer, denn der eine Teilnehmer spricht einen seltenen nasalen Dialekt, wie Renzi von einem Professor der Sinologie erfährt.

Zufällig hat die Studentin Ling Wang (Amy Chow) das Gespräch mitbekommen und bietet sich als Übersetzerin an. „Denen vom schwarzen Berg“ sei nicht zu vertrauen, kann sie heraushören. Während der Kommissar, von Sorgen um seinen Bruder umgetrieben, und die selbstbewusste Ling einen Telefonshop observieren, kommen sie sich näher: „La Moglie Cinese“, die chinesische Ehefrau, heißt der Film (Regie: Antonello Grimaldi) in Italien, wo die zunehmende Einwanderung aus Asien ein heiß diskutiertes Thema ist.

Gerade den Frauen droht besonderes Ungemach, beginnend mit Annas und Dandolos prächtiger Hochzeit. Der Bräutigam wird vom Fleck weg verhaftet, doch kurz darauf freigelassen – eine unsichtbare Macht scheint ihn zu schützen. Auch die zuständige Staatsanwältin und Renzis väterlicher Freund, die ein Geheimnis verbindet, lassen ihn immer wieder ins Leere laufen. Im Sinne der EU-Erweiterung kommt Bulgarien als weiterer Schauplatz des Verbrechens ins Spiel, und der titelgebende Drache hat auf perfide Weise mit Menschenhandel zu tun. In diesen Augenblicken einer übergeordneten, für den Einzelnen nicht fassbaren Gefahr kommt er wieder auf: der Anklang an jene unvergessliche Melodie der Angst aus „Allein gegen die Mafia“.

„Im Zeichen des Drachen“; ZDF, 22 Uhr 15. Weitere Sendetermine: 4. Januar 22 Uhr 30, 6 und 7. Januar, jeweils 22 Uhr

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