Medien : Im Gespräch mit ...: Vorsicht! Gauck

tgr

Wenn der 60-jährige ehemalige Pastor und Stasi-Beauftragte Joachim Gauck am 10. Januar im Ersten beim Gespräch mit Bundesaußenminister Joschka Fischer seine neue Karriere startet, begibt er sich auf bekanntes Terrain - in eine Art Diaspora nämlich. "Die Sendung mit Joachim Gauck steht für öffentlich-rechtliche Substanz, die wir zurückgewinnen müssen", erklärte WDR-Redakteur Heribert Schwan in Köln. Zum einen erhofft sich die ARD durch Gauck mehr Zuschauer in den neuen Bundesländern. Zum anderen soll er der ARD zu einem Imagegewinn verhelfen. Denn der Senderverbund schaute bisher nur zu, wie der konzentrierte Polit-Talk à la Günter Gaus mit "Maischberger" bei n-tv eine Renaissance erlebte.

Für vorerst 20 halbstündige Live-Sendungen "Joachim Gauck im Gespräch mit ..." wurde der Rostocker verpflichtet; sie sollen - im wöchentlichen Wechsel mit "Friedman trifft" - jeweils mittwochs um 23 Uhr ausgestrahlt werden. Und auch wenn Gauck betont, "kein Wadenbeißer" zu sein und nicht mit dem "Holzhammer" kommen zu wollen, soll der Gastgeber doch qua Konzept seine eigene Meinung zum Besten geben.

Streitgespräche mit Widersachern wie Manfred Stolpe oder Gregor Gysi wird es vorerst nicht geben. Eine Sendung mit Helmut Kohl sei für ihn dagegen denkbar: "Warum sollte ich da nein sagen? Kohl ist ein Opfer der Stasi." Anfragen liegen bei Johannes Rau und Gerhard Schröder vor, doch Gauck möchte nicht nur Politiker einladen. Als Gäste könne er sich auch Nicht-Prominente oder Persönlichkeiten wie Günther Jauch vorstellen. "Wohin bringt dich der Erfolg?", wäre eine interessante Frage an den RTL-Quotenkönig. Gauck selbst darf mit geringerem Erfolg zufrieden sein. Der WDR, voller Stolz auf seinen Gauck-Coup, hat "den Ehrgeiz, dass wir über eine Million Zuschauer erreichen", sagte Heribert Schwan.

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