Im Radio : Betriebsfest und Kampfkunst

Tom Peuckert verrät, was Sie nicht verpassen sollten.

Tom Peuckert

Die junge Irina ist Friseuse in der russischen Provinz. Sie träumt von der großen Liebe, einer richtigen Familie und dem Leben in der glänzenden Stadt Moskau. Soll sie ihre Träume mit dem kreuzbraven Feuerwehrmann Viktor teilen? Oder wäre doch der dynamische Jewgenij der Richtige, der leider momentan noch wegen Totschlags im Knast sitzt? Im amüsanten Hörspiel „Parikmacherscha – Die Friseuse“ von Sergej Medwedew wirkt die Hauptfigur zuweilen überlebensgroß. Wie ein Göttin der Liebe geht Irina durch die Lebens- und Liebeswirren der russischen Provinz. Jedem Mann, der sie umschwärmt, gibt sie sanften Trost und einen neuen Haarschnitt und bleibt trotzdem irgendwie unberührbar. Bis eines Tages der vorzeitig entlassene Jewegenij auf ihrem Stuhl Platz nimmt (Deutschlandradio Kultur, 14. Oktober, 21 Uhr 33, UKW 89,6 MHz).

In Frankfurt hat das große Betriebsfest der Literaturbranche begonnen. Wer mit der Mode geht, interessiert sich in diesen Tagen für Bücher. Ein erfreuliches Nebenprodukt der Buchmesse ist die alljährliche „ARD-Radionacht der Bücher“. Vier Stunden lang geht es live um die Literatur im Allgemeinen und die Erzeugnisse des Gastlandes China im Besonderen. Dichter und Denker aller Zungen drängen sich in Frankfurt vor den Mikrofonen, um ihre neuen Bücher vorzustellen. An Medienberühmtheiten herrscht kein Mangel, auch Kabarettisten sind mit von der Partie. Sprachkritiker Bastian Sick wird den germanistischen Oberlehrer spielen und ein chinesisches Jazzquartett die Musik des Abends beisteuern (Kulturradio vom RBB, 16. Oktober, ab 20 Uhr 05, UKW 92,4 MHz).

Im Osten Deutschlands gab es vor der Wende viel Arbeit, aber nur wenig Arbeitskräfte. Die proletarischen Hauptfiguren im Hörspiel „Die „Geschichte von den vier Werkzeugmachern“ von Volker Braun lebten damals ohne Konkurrenzdruck und Zukunftsängste. Ganz dick waren sie vom sich Durchwursteln, so der Dichter, und sie hatten zufriedene und flaue Gefühle. Als die Geschichte ungebeten in ihre Fabrikhalle einbricht, mit Treuhandmanagern und kapitalistischer Wirtschaftsrationalität, ist das ein betäubender Schicksalschlag. Auf den gesellschaftlichen Umbruch folgt das Drama des Identitätsverlustes. Akribisch zeichnet Braun die triviale Kompliziertheit dieses Vorgangs nach. Selten ist die Geschichte der sogenannten Wendeverlierer, zu denen große Teile der damals Fünfzigjährigen im Osten gehörten, eindringlicher erzählt worden (Deutschlandfunk, 17. Oktober, 20 Uhr 05, UKW 97,7 MHz).

Wenn es beim Kämpfen nicht nur ums Siegen geht, sondern auch um die ästhetische Qualität, mit der ein Gegner bezwungen wird, dann reden wir von Kampfkunst. In Asien gehört sie zu den schönen Künsten. Das Kino hat die Kampfkunst als eine Art cineastisches Gewaltballett in die Welt exportiert. Auch in Deutschland gibt es heute Karate- und Kung-Fu-Meister, die schwarze Gürtel und ähnlich furchteinflößende Accessoires tragen. In ihrem Feature „Kampfeslust“ hat Nathalie Kreisz die Welt der ästhetisch inspirierten Kämpfer erkundet. Experten erzählen, wie sich der schöne Kampf von innen anfühlt. (Deutschlandfunk, 18. Oktober, 20 Uhr 05).

0 Kommentare

Neuester Kommentar