Medien : Im Radio: Das Nichts und Berlin

Kennen Sie Schopenhauer? Den intelligentesten aller philosophischen Melancholiker? Den knarzigen Einzelgänger und Leuteschreck, der in Kaffeehäusern mit Fremden Streit suchte und jeden Mittag eine Stunde lang auf seiner Flöte blies, wobei ihn die Schönheit der Musik regelmäßig zu Tränen rührte? Falls Sie mehr über diesen schrägen Meisterdenker erfahren wollen, sei der schöne Schopenhauer-Essay von Thomas Horst empfohlen: "Von uns bleibt allerdings nur das Nichts".

Im titelgebenden Zitat steckt bereits der ganze ironische Grimm, mit dem Schopenhauer das Publikum zu erschrecken pflegte. Kant hatte mit seinem "Ding an sich" den Schleier der Maya über die abendländische Philosophie geworfen, einen Vorhang vorm Wesen der Welt, der sich für menschliche Gehirne niemals öffnen würde. Aber der temperamentvoll unerschrockene Schopenhauer riss diesen Vorhang einfach nieder. Dahinter entdeckte er nur kosmisches Chaos: keinen Gott, keine weltschaffende Vernunft, keine Harmonie des Natürlichen. Den Bewohnern der entzauberten Welt empfahl Schopenhauer Buddhismus und Askese. Sich selbst holte er mit der Querflöte aus den Tälern der Traurigkeit. Was später übrigens Richard Wagner glanzvoll imitierte: Wagner schrieb seinen "Ring des Nibelungen" streng am Schopenhauerschen Weltbild entlang, aber auch hier wird die düstere Botschaft von tröstlicher Musik übertönt (SWR 2, 22. Januar, 21 Uhr, Kabel UKW 107,85 MHz).

Eine ganze Nacht lang widmet sich der Deutschlandfunk dem Werk Arno Schmidts. "Geräusche aus dem Zettelkasten" nennen die Veranstalter ihr Medley aus Analyse, Diskussion und Lesung. Eine Anspielung auf Schmidts literarische Werkstatt, in der sich Zettelkästen voll notierter Einfälle und mitgehörter Kuriositäten der Vox populi stapelten. Dass Arno Schmidt und Arthur Schopenhauer in puncto grimmiger Ironie Geistesverwandte waren, ist übrigens nie ein Geheimnis gewesen (Deutschlandfunk, heute um 23 Uhr 05, UKW 97,7 MHz).

"Radio Kultur" hält mit beim Aufmarsch der Intelligenzen: mit einem spannenden Berlin-Essay des Schriftstellers Bodo Morshäuser. Morshäuser beschreibt die Stadt als Spannungsgefüge sozial heterogener Zonen. Im Zentrum die neue Herrlichkeit der Macht und des Geldes. Dann ein innerer Ring alltäglicher Armut, genannt Kreuzberg, Neukölln, Wedding. Im äußeren Ring, in den ruhigen Wohnlagen, die solide Welt der Angestellten. Kein Bürgerkrieg zwischen den Zonen, aber doch so etwas wie ein schwelender Kulturkampf (Radio Kultur, 25. Januar, 21 Uhr, UKW 92,4 MHz).

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben