Im RADIO : Elfen, Trolle und Melancholiker

Die Hörfunk-Woche im Blick von Tom Peuckert.

Bis zum letzten November gab es keinen rechten Terror in Deutschland. Es gab keinen derartigen Begriff in den öffentlichen Diskursen, es gab den rechten Terror nicht in unserer sozialen Fantasie. Als im ganzen Land Menschen mit türkischen Wurzeln ermordet wurden, glaubten die Ermittler an deren Verstrickung in kriminelle Milieus. Ein schreckliches Unrecht für die Opfer und ihre Angehörigen, wie wir jetzt wissen. Im Feature „Rechter Terror: tödlich unterschätzt“ suchen Dutzende ARD-Reporter gemeinsam nach den Gründen für diesen Irrtum. Investigative Recherchen in der Welt der Täter und bei ahnungslosen Ermittlungsbehörden (SWR 2, 25. April, 22 Uhr 05, Kabel UKW 107,85 MHz).

Beim ersten Mal tut es noch weh, sagt der Volksmund. Die amüsante Serie von Kurzfeatures „Das erste Mal“ von Matthias Baxmann geht dem Sprichwort nach. Vorm Mikrofon berichten Zeitgenossen über ihre Erfahrungen mit dem ersten Mal. Erinnerungen an den ersten Kuss, die erste Wohnung, das erste Kind, den ersten Tod, den man aus der Nähe erlebt. Geschichten vom Anfang und den dramatischen Emotionen, die dazugehören (Kulturradio vom RBB, 30. April und 2. bis 4. Mai, jeweils 14 Uhr 10, UKW 92,4 MHz).

Die kleine Ostseeinsel Öland ist Handlungsort der Krimis des Schweden Johan Theorin. Ein ungemütlicher Platz, glaubt man dem Autor, an dem die Gespenster der Vergangenheit kräftig spuken. Auch in Theorins Radiokrimi „Blutstein“ werden alte Rechnungen mit Gewalt beglichen. Es gibt auf der Insel die Legende von Elfen und Trollen, die gegeneinander kämpfen und mit ihrem Blut die Steine färben. Ausgerechnet in der Nähe des Steinbruchs, in dem Blutsteine gefunden werden, hat Hauptfigur Vendela ein Haus bezogen. Bald ist sie tief in den Krieg der Geister verstrickt (Deutschlandradio Kultur, 30. April, 21 Uhr 33, UKW 89,6 MHz).

Die Nase, meinten die alten Physiognomiker, ist das Fenster zur Seele. Ihre Gestalt gibt Aufschluss über den Charakter des Menschen. Zur Welt kommen wir meist mit einem entzückenden Exemplar, später wächst sich das aus, manchmal bis in groteske Dimensionen. Es gibt Nasen, die sind wie Schicksalsschläge. Im Feature „Was vorne herausschaut“ wagt sich Rolf Cantzen an eine kleine Nasenkunde. Die Nase als Gegenstand wissenschaftlicher Forschung und als Objekt der Schönheitschirurgie. Die Nase in Literatur und Alltag (Deutschlandfunk, 1. Mai, 11 Uhr 05, UKW 97,7 MHz).

Eifrige Psychiater erklären die Melancholie gern zur Krankheit. Aber die Melancholie hat auch immer ihre Fürsprecher gefunden. Als aufgeklärte Wehmut über den unvermeidlichen Lauf der Welt, als wissende Trauer angesichts der vielen Dinge, die wir nicht ändern können. Das Feature „Hüzün“ von Patrick Batarilos erzählt von einer regionalen Variante dieser Weisheit. Hüzün nennen die Türken ihr lustvoll gepflegtes melancholisches Weltverhältnis. Man sitzt bei Raki und Meze, betrachtet den Sonnenuntergang, hört schwermütige Arabesk-Musik. Hüzün treibt Tränen in die Augen, was sich am Bosporus durchaus genießen lässt (Deutschlandfunk, 1. Mai, 20 Uhr 05).

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