Im RADIO : Ferrosexuelle, Blitzeinschläge

Fast wie ein Hauptgewinn im Lotto: Was Sie diese Woche im Hörfunk nicht verpassen sollten.

Tom Peuckert

Bis weit in den September hinein wird im Radio Laurence Sternes zauberhafter Roman „Tristram Shandy“ vorgelesen. Ein berühmtes Kuriosum der Literaturgeschichte, geschrieben vor 250 Jahren von einem englischen Landpfarrer. Die kunstvoll verworrene Biografie des Tristram Shandy ist ein episches Schelmenstück, das alle literarischen Normen über den Haufen wirft, und genau damit zur philosophischen Satire auf das Aufklärungszeitalter wird. Noch heute gibt es eine weltumspannende Sekte von Liebhabern dieses Buches, die sich Shandyisten nennen. Leute, die eine hochintelligente Verrücktheit sehr zu schätzen wissen (Kulturradio vom RBB, Montag bis Freitag, 14 Uhr 30, UKW 92,4 MHz).

Zwei Hörspiele von Raymond Chandler werden beim Deutschlandfunk aus den Archiven gekramt. In „Der Mann, der Hunde liebte“ kommt ein Privatdetektiv in eine nette kleine Stadt an der Pazifikküste, um ein verschwundenes Mädchen zu suchen. Dass die Bewohner dieser Stadt viel weniger nett sind, muss der Detektiv am eigenen Leib erfahren. Weil Chandler sich nicht nur auf die Psychologie des Verbrechens verstand, ist sein Hörspiel „Ein Schriftstellerpaar“ ebenso empfehlenswert. Das besagte Paar lebt in einem ländlichen Paradies, hat sich aber den Alltag gründlich zur Hölle gemacht (Deutschlandfunk, 18. August, 0 Uhr 05 und 20 Uhr 05, UKW 97,7 MHz).

Wenn kleine Jungs plötzlich einer großen Dampflok gegenüberstehen, kann daraus eine Liebe fürs ganze Leben werden. Thilo Schmidts Feature „Die Ferrosexuellen“ porträtiert den gemeinen Eisenbahnnarren, der noch immer zahlreich vorkommt, auch wenn heute nurmehr im Traditionsbetrieb mit Dampf gefahren wird. Der Ferrosexuelle jagt schöne Lokomotiven und attraktive Strecken, schwärmt mit erotischer Lust von „Triebwagen“ und „Netzabdeckung“. Eine Spezies, deren Psyche in der Regel von Pflichteifer, Planliebe und Pünktlichkeitsfreude dominiert wird (Deutschlandradio Kultur, 18. August, 18 Uhr 05, UKW 89,6 MHz).

Die Wahrscheinlichkeit, in Mitteleuropa vom Blitz getroffen zu werden, ist ähnlich hoch wie die Chance auf einen Hauptgewinn im Lotto. Das haben seriöse Statistiker errechnet. Alexa Hennings Feature „Vom Blitz getroffen“ interessiert sich für die erste der beiden Unwahrscheinlichkeiten. Pro Jahr erleiden in Deutschland etwa zehn Menschen einen Blitzschlag. Einige sterben sofort, andere überleben. Im Feature berichten Blitzopfer und ihre Ärzte. Die Autorin besucht auch ein Forschungszentrum, wo sich Wissenschaftler allerhand einfallen lassen, damit ihre Messanlagen regelmäßig vom Blitz heimgesucht werden (Deutschlandfunk, 19. August, 20 Uhr 05).

Die Deutschen werden immer älter. Entsprechend groß ist das öffentliche Interesse an Jungbrunnen aller Art. Die Altersforschung weckt Hoffnungen, wie Gabi Schlags und Dörte Wustracks Feature „Anti-Aging“ erzählt. Unsere Lebenserwartung wächst, kommende Generationen dürfen angeblich mit ganz anderen Zeitspannen rechnen. Wenn sich die typischen Krankheiten des Alterns erst einmal in Schach halten und erschlaffende Körper immer wieder neu in Form bringen lassen. Das Feature bilanziert aktuelle Wissenschaftsträume (Kulturradio vom RBB, 20. August, 19 Uhr 04).

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