Im RADIO : Geiselnahmen besonderer Art

Tom Peuckert verrät, was Sie nicht verpassen sollten

Tom Peuckert

Im Krimi „Das ewige Leben“ verstrickt Autor Wolf Haas seine Hauptfigur in einen ominösen Selbstmordversuch. Detektiv Simon Brenner erwacht in einer Grazer Nervenklinik aus dem Koma, eine Schusswunde im Kopf. Wegen akuter Depressionen, so diagnostizieren die Ärzte, habe der Patient Hand an sich gelegt. Doch Brenner glaubt ihnen nicht. Zwar sind die Tage vor dem Kopfschuss restlos aus seinem Gedächtnis getilgt, aber andere Erinnerungen lassen ihn nicht zur Ruhe kommen. Irgendwie läuft alles darauf hinaus, dass er mit ein paar Herren von der Polizei Probleme hatte. Wie alle Werke des Österreichers Haas, ist dieser Krimi von erschreckender Komik (SWR 2, 20. September, 21 Uhr 03, Kabel UKW 107,85 MHz, Teil 2 am 27. September).

In der DDR war André Herzberg ein Rockstar. Mit der Band „Pankow“ sang er einer jungen, sozialismusmüden Generation aus der Seele. Trotzdem war seine Karriere nach 1989 irgendwie zu Ende. Die gesamtdeutschen Charts klangen anders. Dabei macht Herzberg noch immer gute Songs, wie die Musikbeispiele im Feature „Die wundersame Geschichte eines Ostrockers, erzählt von ihm selbst“ beweisen. Herzberg blickt auf sein Leben zurück: Aufgewachsen in einer jüdisch-kommunistischen Familie, Leben in einer Diktatur, die auch antisemitische Neigungen hatte, musikalische und andere Inspirationsquellen. Mit erfrischender Melancholie plaudert Herzberg das alles durch (Deutschlandfunk, 21. September, 20 Uhr 10, UKW 97,7 MHz).

Was verbirgt sich eigentlich hinter jenen ominösen Einladungen zur Kaffeefahrt, die manchmal unverlangt in unsere Briefkästen gelangen? Angeblich kann der Teilnehmer hier nur gewinnen. Für kleines Geld gibt es einen Ausflug, üppige Verpflegung und großzügige Geschenke. Außerdem darf eine Verkaufsveranstaltung besucht werden, wo sensationelle Schnäppchen warten. Autor Matthias Baxmann hat sich mit verstecktem Mikrofon unter das meist ältere Publikum einer solchen Fahrt gemischt. Im Feature „Lösungswort Bargeld“ hören wir die erztraurige Wahrheit über das Geschäft einiger mafiöser Unternehmer. Ein spannender Bericht über Geiselnahmen der besonderen Art (Kulturradio, 22. September, 9 Uhr 05, UKW 92,4 MHz).

Wer Sonntagmorgen mit einem kräftigen Bildungshunger erwacht, sollte die feine, kleine Sendung „Aula“ hören. Jeden Sonntag halten dort angesehene deutsche Professoren einen Vortrag. Knapp und pointiert führen sie in ihr Fachgebiet ein, erläutern den Sinn ihrer Forschungen. Seit 60 Jahren gibt es diese Form der Radio-Universität schon, zum Jubiläum werden einige Höhepunkte aus den Archiven gekramt. Diesen Sonntag referiert der vor knapp zehn Jahren verstorbene Soziologe Niklas Luhmann über „Das Unbehagen an der Politik“. Mit markantem ostwestfälischen Tonfall seziert Professor Luhmann die Funktionszwänge des Staates in der modernen Welt. Verteidigt die Politik gegen utopische Zumutungen und treibt ihr zugleich den Machbarkeitswahn aus. Aufgeklärter kann man einen Sonntag gar nicht beginnen (SWR 2, 23. September, 8 Uhr 30).

Für manche ist die erste Liebe das schönste Erinnerungsstück im privaten Lebensmuseum. Andere denken mit Grausen an die erotischen Verwirrungen ihrer frühen Jahre. Im Feature „Mit der Achterbahn durch rosa Wolken“ hat Autorin Wibke Starck eine Fülle von Zeitgenossen nach der ersten Liebe gefragt. Amüsante Erzählungen über ein romantisches Ur-Ereignis, das immer auch einen Zeitkern hat. Im Jahr 1920 war man anders erstverliebt als 1968. Heute wartet die erste Liebe vielleicht im Chat-Forum oder will per SMS erobert werden (Deutschlandradio Kultur, 24. September, 0 Uhr 05, UKW 89,6 MHz).

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