Im RADIO : Hirne und Handtaschen

Tom Peuckert verrät, was Sie in dieser Woche im Hörfunk auf keinen Fall verpassen dürfen.

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Vielleicht geht Deutschland mit seiner Energiewende in die Geschichtsbücher ein. Die größte politische Tat im 21. Jahrhundert, so könnte es einmal heißen. Mechthild Müsers Feature „Sonne, Wind und grüne Felder“ liefert eine umfassende Nahaufnahme unseres Abschieds von der Atomkraft. Die Autorin hat die Wende vor Ort besichtigt, sie ist auf Windräder geklettert und in Biogasanlagen vorgedrungen. Sie spricht mit Entscheidern, Machern und Kritikern (Deutschlandradio Kultur, 20. Juli, 18 Uhr 05, UKW 89,6 MHz).

Seit einigen Jahren kann die Hirnforschung mit ihren bildgebenden Maschinen unserem Kopf bei der Arbeit zuschauen. Willensakte werden an bestimmten Erregungsmustern erkannt, religiöses Gefühl entspringt konkreten Hirnarealen, für Mitleid sind andere Zellverbände zuständig. Autorin Claudia Wolff hat sich gefragt, was dieses neue Wissen für sie persönlich bedeutet. Ihr Feature „Was kann ich denn für mein Gehirn?“ stellt die alten Fragen nach individueller Verantwortung im Licht der aktuellsten Glaubenssätze der Neurologie (Kulturradio vom RBB, 21. Juli, 14 Uhr 04, UKW 92,4 MHz).

Die Damenhandtasche gilt als Tabuzone für neugierige Männeraugen. Hier werden zahllose weibliche Geheimnisse verwahrt, mit einem gut sichtbaren Logo auf der Außenseite allerdings auch Statusansprüche offenbart. Dieter Jandts Feature „Öffnen Sie mal bitte Ihre Handtasche!“ erkundet das Lieblingsutensil vieler Frauen. Die Handtasche als eminent lebenspraktisches Requisit und als symbolisch aufgeladener Gegenstand. Eine kleine Kulturgeschichte des „mobilen Kämmerleins“ (Deutschlandfunk, 21. Juli, 20 Uhr 04, UKW 97,7 MHz).

Das Kulturradio widmet sich einen Sommer lang der Liebe unter widrigen Umständen. Hrvoje Ivankovics Feature „Dies ist ein Kriegstagebuch“ erzählt von einem jungen Paar Anfang der Neunziger im kroatischen Dubrovnik. Das Bett ihrer Wohnung ist Lebensmittelpunkt, darüber hängt ein großer Spiegel. Eines Tages muss der Spiegel ab, weil Detonationen die Liebesinsel erschüttern. Der Krieg reißt sie auseinander, das Mädchen geht in die USA, der Junge wird Kriegsfotograf. Er beginnt einen langen Brief an seine Geliebte zu schreiben (Kulturradio vom RBB, 21. Juli, 22 Uhr 30).

Der Kasseler Soziologieprofessor Heinz Bude ist ein Wissenschaftler, der unermüdlich auf den Riss in unserer Gesellschaft aufmerksam macht. Durch Arbeitslosigkeit oder prekäre Beschäftigungsverhältnisse werden Menschen zu Ausgeschlossenen. Sie leben auf einer Schwundstufe des Sozialen, deren traumatische Auswirkungen Bude erforscht. In der Reihe „Das Gespräch“ diskutiert Friederike Sittler mit Heinz Bude über Gerechtigkeitslücken, die Zukunft der Mittelschicht und den Wertewandel in Deutschland (Kulturradio vom RBB, 22. Juli, 23 Uhr 03).

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