Im Radio : Ich möchte ein Komet sein

Was geschähe, wenn der Messias heute noch einmal auf die Erde käme? Dieser Frage geht ein Hörspiel im RBB-Kulturradio nach. Ein Feature im Deutschlandradio Kultur widmet sich der großen Opernsängerin Maria Callas.

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Bald wird ein neues Buch von Karl Marx auf den Markt kommen. Die Sensation verdanken wir deutschen Wissenschaftlern, die tatsächlich einige unveröffentlichte Manuskripte aus den Archiven gegraben haben. Während seiner jahrelangen Privatstudien in Londoner Bibliotheken hat Marx auch über ökologische Fragen nachgedacht. Der industriellen Revolution seiner Epoche bescheinigte er gravierende Folgen für das Gesamtsystem Erde. Der Planet als lebendiger Superorganismus sei sensibler als die Zeitgenossen ahnten. Konrad Lindners Radioessay „Karl Marx und die Geologie“ berichtet von überraschend grünen Visionen und von einem neuen Buch, das nicht nur alte Marxisten erfreuen dürfte (Kulturradio vom RBB, 5. April, 22 Uhr 04, UKW 92,4 MHz).

Vor gut hundert Jahren hat der Schriftsteller Gilbert Keith Chesterton die Figur des Privatdetektivs Brown erfunden. Im Erstberuf trug Brown die Soutane eines Priesters, deshalb ging er als Pater Brown in die Kriminalgeschichte ein. Ein Mann, dessen Stimme immer sanft blieb und dessen Fäuste sich niemals ballten. Aber seine Entschlusskraft und sein Scharfsinn waren legendär. Zu Browns Lieblingsgegnern gehörte der französische Meisterdieb Flambeau. Im Krimi „Die seltsamen Schritte“ erzählt Chesterton, mit welch unendlicher Raffinesse Flambeau ein Tafelsilber aus einem Luxushotel entwendet und wie er in Brown dennoch seinen Meister findet (Deutschlandfunk, 7. April, 0 Uhr 05, UKW 97,7 MHz).

Das Hörspiel „Möchte ich ein Komet sein“ erzählt von einem beunruhigenden Zeitgenossen. Manchmal scheint er nur geistig und seelisch hochbegabt, dann wieder sprengt seine Existenz alle Vernunftbegriffe. Ein Arzt beobachtet im EEG paranormale Hirnwellen, ein Lehrer hört von ihm erschütternde Urteile über die Welt, einige junge Leute erleben in seiner Nähe spirituelle Ekstasen. Autor Ronald Steckel wagt sich mit seinem atmosphärisch beeindruckenden Hörspiel an ein Zentralmotiv religiöser Fabeln: Was geschähe, wenn der Messias – oder sagen wir: ein messiasähnlicher – heute noch einmal auf die Erde käme? (Kulturradio vom RBB, 8. April, 14 Uhr 04)

Dramatisch und kurz war das Leben der Maria Callas. Die Sängerin starb mit Mitte Fünfzig einsam in Paris, ihr letzter Auftritt auf einer Opernbühne lag lange zurück. Eine Figur, die sich im Jahrhundert geirrt hatte. Lodernd, romantisch, überdimensional. So zumindest beschreibt Claudia Wolff im Feature „Die Callas“ die große Sängerin. Die Autorin berichtet von einer musikalischen Frühinfektion, bereits als 17-Jährige sei sie dieser Wunderstimme restlos verfallen. Nun versucht sie, Leben und Werk der Diva angemessen zu würdigen (Deutschlandradio Kultur, 7. April, 18 Uhr 05, UKW 89,6 MHz).

Der Dirigent Giuseppe Sinopoli, der 2001 während einer Aida-Aufführung am Pult der Deutschen Oper verstarb, war gebürtiger Venezianer. Am berühmten Teatro La Fenice seiner Heimatstadt hat er auch Wagners „Parsifal“ dirigiert. Es gibt einen Text von seiner Hand, der über diese Arbeit berichtet. Sinopoli verlässt nach einer Probe das Theater, beginnt einen gedankenschweren Spaziergang durch laue Frühlingsluft und verirrt sich immer tiefer im Gewirr der venezianischen Gassen und Kanäle. Er sinniert über die Labyrinthe der Wagner’schen Musikphilosophie, die der labyrinthischen Architektur seiner Stadt sehr ähnlich scheinen. „Parsifal in Venedig“ heißt Heike Tauchs schöne Hörspielfassung des Textes von Sinopoli (Kulturradio vom RBB, 9. April, 14 Uhr 04).

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