Im RADIO : Kopfgeldjäger, Teamarbeiter

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Vor hundert Jahren starb Mark Twain. Aus diesem Anlass kommen seine berühmtesten Figuren noch einmal ins Radio. Im vierteiligen Hörspiel „Huckleberry Finns Abenteuer“ ist die Hälfte der Geschichte erzählt, Huck und der Sklave Jim treiben auf einem Floß über den Mississippi, verfolgt von schießwütigen Kopfgeldjägern. In ihrer Not schließen sich die beiden einer Betrügerbande an, deren Tricks durchaus bühnenreif sind. In einem Trauerhaus geben sie sich als Verwandte des Toten aus, die jungen Erbinnen scheinen gutgläubig und spendabel. Aber der Autor gönnt seinen Helden noch kein Happy End (Deutschlandradio Kultur, 24. März, 21 Uhr 33, UKW 89,6 MHz; Fortsetzung am 31. März, 21 Uhr 33).

Wer die Geschichte des Computers erzählen will, redet meist von Amerika. Von Militärforschung und kalifornischem Erfindergeist. Die Alternativgeschichte beginnt in einem Kreuzberger Wohnzimmer. Mitten im Krieg bastelt der Ingenieur Konrad Zuse aus handgesägten Blechrelais die erste digitale Rechenmaschine der Welt. In ihr steckt der Keim aller heutigen Computer, aber die Geschichte betrügt Zuse weitgehend um seinen Ruhm. Es ist ein Akt später Gerechtigkeit, wenn Autor F. C. Delius dem genialen Bastler nun sein Hörspiel „Der Mann, der nicht rechnen wollte“ widmet. Zuse selbst, verkörpert durch den Schauspieler Jürgen Holtz, berichtet über sein großes Abenteuer – ein sachlicher Lebensbericht, aber auch eine atemberaubend spannende Story. Und ein Grundkurs in digitaler Technologie, dem auch Laien folgen können (Kulturradio vom RBB, 28. März, 14 Uhr 04, UKW 92,4 MHz).

Weil die Menschheit ein paar Dinge braucht, über die sie nicht streiten muss, hat sie den Begriff Glück erfunden. Glück ist für alle gut. Dabei ist es kapriziös, heiß begehrt, selten gefunden. Für sein Feature „Die Suche nach der Glücksformel“ hat sich Autor Jochen Rack unter Glücksforschern umgehört. Was Neurologen wissen, wie Philosophen das Thema bedenken, ob die zahlreichen Ratgeber ihr Geld wert sind. Glück ist eine subjektive Phantasmagorie, von der Psychologen und Künstler traditionell in Metaphern reden. Doch mittlerweile liefert die Naturwissenschaft auch harte Fakten: das Glück als neurochemische Zustandsgröße, als Wechselspiel zwischen Hormonen und Membranen (SWR 2, 28. März, 14 Uhr 05, Kabel UKW 107,85 MHz).

Der moderne Vater ist ein liberaler Teamarbeiter. Er füttert, windelt, schiebt den Wagen. Er darf kein Patriarch sein, muss aber trotzdem Führungsqualitäten beweisen. Jochen Racks Feature „O mein Papa!“ hat die Lebenswirklichkeit heutiger Väter in Deutschland erkundet. Alltag, Idole, Krisensymptome, Freiheitsdrang und Bindungspflicht, Genuss und Entsagung. Glückliche und unglückliche Väter kommen zu Wort, alte und junge, leidenschaftliche und disziplinierte. Wie sehen sie sich selbst, wie grenzen sie sich von ihren eigenen Vätern ab? Und können sie eigentlich noch etwas, was die Mütter ihrer Kinder nicht alleine können? (Deutschlandfunk, 28. März, 20 Uhr 05, UKW 97,7 MHz)

Die Gesellschaften des einstigen Ostblocks waren eher monokulturell organisiert. Die Lebenswelten der Menschen endeten spätestens an der Landesgrenze. Von spektakulären Ausnahmen berichtet Nicole Marmets Feature „Der lange Weg der Sowjetmädchen von Moskau nach Bamako“. Erzählt wird von vier russischen Frauen, die einst afrikanische Männer heirateten und ihnen in die Heimat folgten. Nach Kindheit und Jugend im kommunistisch disziplinierten Osten begann für sie ein zweites Leben im anarchischen Süden – ein radikaler Bruch mit sozialen Erfahrungen, ein Tanz über kulturellen Abgründen, eine Bewährungsprobe der besonderen Art (Deutschlandradio Kultur, 29. März, 0 Uhr 05, UKW 89,6 MHz).

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