Im RADIO : Liebe, Leid und Ku’damm

Tom Peuckert sagt, was Sie nicht verpassen sollten.

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Er war kämpfender Antifaschist und später auch bekennender Stalinist. Dann hat er mit der DDR gebrochen und avancierte zum populärsten Staatsfeind des Landes. Lange stand der Wissenschaftler Robert Havemann in seinem Haus am Ost-Berliner Stadtrand unter Arrest und wurde dort zur Ikone der Opposition. Das Feature „Unter Hausarrest: Robert Havemann“ von Joachim Widmann erzählt das dramatische Leben eines Mannes zwischen allen Stühlen. Von den Nazis zum Tode verurteilt, von der SED mundtot gemacht. Vor dreißig Jahren ist Robert Havemann in Grünau gestorben (Kulturradio vom RBB, 11. April, 19 Uhr 30, UKW 92,4 MHz).

Eine gute Ballade ist Action pur. Es wird geliebt, gelitten, gekämpft und manchmal sogar gemordet. Weil eine Ballade am besten klingt, wenn sie gesungen wird, sah Goethe in ihr die poetische Ureinheit von Drama, Lyrik und Musik verwirklicht. Die Schauspielerin Winnie Böwe hat im Schatzkästlein der Balladendichtung gewühlt und einige Preziosen ans Licht gebracht. In ihrer musikalischen Interpretation klingen Goethes „Zauberlehrling“, Uhlands „Des Sängers Fluch“ oder Heines „Die Launen der Verliebten“ taufrisch (Kulturradio vom RBB, bis 13. April, jeweils 14 Uhr 04).

Der erste Kuss im Leben ist ein Blitzschlag. Ein magisches Versprechen und zugleich schon ein bisschen dessen Erfüllung. Später normalisiert sich die Sache, aber wer eines Tages nicht mehr geküsst wird, hat das Beste im Leben schon hinter sich. Die Radiocollage „Der Kuss“ von Christiane Helles widmet sich einer sozialen Interaktion, deren Bedeutung gar nicht überschätzt werden kann (Kulturradio vom RBB, 14. April, 9 Uhr 05).

Petra und Sven sind zwei Endzwanziger mit Down-Syndrom. Sie leben noch bei ihren Eltern, aber nun haben sie sich ineinander verliebt, wollen gemeinsam wohnen und sogar heiraten, wie das Gesunde eben auch tun. Eine Bewährungs- und Entscheidungssituation für Eltern, Betreuer, Umwelt. Das Feature „Liebe und andere Zwischenfälle“ von Helmut Kopetzky erzählt eine außergewöhnliche Beziehungsgeschichte. Am Down-Syndrom zeigt sich, was Medizin, Förderpädagogik und Integrationspolitik heute leisten könnnen (Deutschlandradio Kultur, 14. April, 18 Uhr 05, UKW 89,6 MHz).

Jahrhundertelang war es nur der königliche Reitweg vom Stadtschloss in die Wälder. Mit der ersten Dampfstraßenbahn zwischen Zoo und Halensee im Jahr 1886 explodierte die Sache. Eine großbürgerliche Wohnstraße entstand, ein Boulevard für gehobene Flaneure, ein Vergnügungs- und Kulturzentrum. Das Feature „Ich hab’ so Sehnsucht nach dem Kurfürstendamm“ von Gabi Schlag lässt die Geschichte einer mythischen Berliner Lokalität mit den Stimmen vieler Prominenter Revue passieren. Dreieinhalb Kilometer lang ist der Kurfürstendamm und 53 Meter breit. Er war mal der Nabel der Welt, später ein Laufsteg für trotzige Insulaner und beweist nun nach längerer Identitätskrise, dass er nicht totuzkriegen ist (SWR 2, 15. April, 15 Uhr 05, Kabel UKW 107,85 MHz).

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