Im RADIO : Rückkopplung, wilde Erdbeeren

Männer, die vom schönsten Vergnügen ihrer Jugend nicht lassen können: Was Sie diese Woche im Hörfunk nicht verpassen sollten.

Tom Peuckert

Im Jahr 1948 veröffentlichte der Mathematiker Norbert Wiener sein Buch „Kybernetik“. Eine neue Wissenschaft war geboren, die sich zunächst vor allem mit der Steuerung von Maschinen beschäftigte. Aber dann wurde aus der Kybernetik eine Fundamentaltheorie. Ließen sich nicht auch Menschen und Gesellschaften als selbsttätige Regelkreisläufe mit Rückkopplungseffekten begreifen? Michael Reitz’ Feature „Menschmaschine. Maschine. Mensch.“ erzählt die Geschichte einer Theorie, die unsere Kultur nachhaltig beeinflusst hat (Deutschlandfunk, 11. Juli, 20 Uhr 10, UKW 97,7 MHz).

Vor fast fünfzig Jahren wurde Ingmar Bergmans berühmter Film „Wilde Erdbeeren“ fürs Radio adaptiert. Die Geschichte des misanthropischen Professors Isak Borg als akustisches Traumspiel. Der alte Borg fährt mit seiner Tochter nach Lund, wo er Ehrendoktor an der Universität werden soll. Die Reise verführt ihn zu einer Lebensbilanz. Stets hat er Mitmenschen und eigene Gefühle mit kalter Präzision analysiert, jetzt wirbeln Erinnerungen und Fantasien wild durcheinander (Deutschlandfunk, 12. Juli, 20 Uhr 05).

Schluss mit Fußball

Irgendwann ist Schluss mit Fußball. Der alternde Profi macht seinen Trainerschein, der Laie spielt lieber Badminton. Meist gehen dem Wechsel komplizierte Verletzungen voraus: gerissene Kreuzbänder, zerfetzte Achillessehnen. Rainer Schildbergers Feature „Nachspielzeit“ porträtiert Männer, die trotzdem vom schönsten Vergnügen ihrer Jugend nicht lassen können. Fußballspieler in der sogenannten Altliga, Herren über 50, die noch immer den Kick im Stadion suchen. Der Autor nimmt den Hörer mit in die Seelenwelt einer Altherrenmannschaft (Kulturradio vom RBB, 13. Juli, 14 Uhr 04, UKW 92,4 MHz).

In den Sechzigern findet die Verbreitung des privaten Tonbandgeräts in Deutschland ihren Höhepunkt. Zumindest im Westen besitzen die meisten Haushalte so einen Apparat, mit dem gern das Familienleben dokumentiert wird. Autor Hermann Bohlen hat den Geist der deutschen Sechziger aus Originalmaterial rekonstruiert. „Sag doch auch mal was! oder Das Luxurieren der Bastarde“ heißt seine wunderbar verschrobene Collage aus O-Tönen von Bändern, die er auf Flohmärkten erworben hat (Deutschlandradio Kultur, 13. Juli, 18 Uhr 30, UKW 89,6 MHz).

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