Medien : Im Radio: Russen und Finnen

Warum schweigen die Finnen so gern? Weil das Getöse der modernen Welt ihnen zuwider ist? Weil sie der Stille ihrer mythischen Wälder nachtrauern? Im Feature "Das Schweigen der Finnen" geht die Autorin Elke Pressler dem finnischen Nationalcharakter auf den Grund. Ein Land der traurigen Seelen, wie es im Untertitel heißt. Was nicht nur von der finnischen Selbstmordstatistik bestätigt wird, sondern auch die Vorliebe des Volkes für Tangomusik beweist. Oder nehmen wir nur die abgründige Melancholie der Brüder Kaurismäki. Der Finne lebt in Moll, im elegischen Stil. Wer auch schon mal traurig gewesen ist und dann statt zu plappern lieber gründlich geschwiegen hätte, wird das Porträt dieser wortkargen Nation mögen (Deutschlandradio, 20. Dezember, 19 Uhr 05, UKW 89,6 MHz).

Einem Volk, dem ebenfalls Kennerschaft in Sachen Traurigkeit nachgesagt wird, das im Betroffenheitsfall aber eher zum Gesang tendieren soll, ist ein Sonderprogramm im Südwestradio gewidmet. Der russischen Kultur in Geschichte und Gegenwart gehören in den kommenden drei Wochen fast alle Sendeplätze. Es gibt ein vielteiliges Schostakowitsch-Porträt und Feature zur russischen Literatur von Puschkin bis Pelewin. Und natürlich eine Menge Hörspiele russischer Autoren. Besonders empfehlenswert ist die einzige Hörspielinszenierung Andrej Tarkowskijs: "Volle Kraft zurück". Mitte der sechziger Jahre hat das Kinogenie Tarkowskij diese Geschichte eines Kindersoldaten im Ersten Weltkrieg für das Moskauer Kulturradio realisiert. Marineleutnant Hope ist erst siebzehn und gehört zur Besatzung eines Torpedoschiffes im Ärmelkanal. Ein jugendlicher Krieger am Rande des Nervenzusammenbruchs. Auch im Radio inszenierte Tarkowskij mit enormem Gespür für atmosphärische Wirkungen. Ein akustisches Klima von Klaustrophobie, Schuldneurose und Todesangst (SWR 2, 17. Dezember, 16 Uhr, Kabel UKW 107,85 MHz).

Wer aber deutsche Traurigkeit bevorzugt, und dies auf höchstem geistigen Niveau, der höre das Feature über die tragische Beziehung zwischen Friedrich Nietzsche und Paul Rée. "Das schwierige Gleichgewicht der Freundschaft" nennt Ralf Berhorst seine Sendung. Wir wissen, dass dieses Gleichgewicht dem notorisch verzweifelten Nietzsche ein paar seiner glücklichsten Stunden bescherte. An Rée hatte er nicht nur einen philosophischen Verbündeten von Format, sondern auch eine Art Lebensgefährten. Bis eine Frau sie zu Gegnern machte. Danach blieb Nietzsche nur noch das Einsiedlertum im Hochgebirge (Radio Kultur, 21. Dezember, 22 Uhr, UKW 92,4 MHz).

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