Medien : Im Sumpf der Nigeria-Connection

Tom Peuckert

verrät, was Sie nicht verpassen sollten Das Schönste, was der Mensch erleben kann, ist das Gefühl des Geheimnisvollen. Der Satz stammt von Einstein. Man könnte ihn als kleinen Trost für die Erstkonsumenten der Relativitätstheorie betrachten. Beim Deutschlandradio gibt es nun eine Serie von Features, die sich Einsteins Entdeckungen und ihrem Weiterleben in der heutigen Wissenschaft widmen. „Von Räumen und verborgenen Dimensionen“ heißt Robert Brammers Versuch, das nach-einsteinsche Raumverständnis der theoretischen Physik fürs Radiopublikum ein wenig verständlicher zu machen. An dreidimensionale Räume glaubt heute nur noch unser Alltagsverstand. Die Experten kalkulieren mit vier Dimensionen, an die noch ein kleiner sechsdimensionaler Raum angeheftet ist. Eine physikalische Geheimwelt. Viel zu schön, um sie wirklich erleben zu können (Deutschlandradio, 30. März, 19 Uhr 30, UKW 89,6 MHz).

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Das Rechnen mit Wahrscheinlichkeiten ist das tägliche Brot der Physiker. Auch der Privatmensch wägt ständig Risiken und Chancen nach einem Wahrscheinlichkeitskalkül. Er schwingt sich in die Lüfte, weil die Wahrscheinlichkeit, wieder heil hinunterzukommen, ausreichend groß ist. Er meidet allzu gefährliche Orte, weil er sich dort wahrscheinlich Ärger einhandeln wird. In ihrem Feature „Irgendwann passiert es immer“ untersuchen Markus Metz und Georg Seeßlen unseren Umgang mit Wahrscheinlichkeiten. Sie erzählen von demütigen Erdbebenforschern und naiven Lottospielern. Von der menschlichen Neigung, mit Risiken und Chancen eher irrational umzugehen. Wir fürchten uns weit über Gebühr, um an anderer Stelle die Gefahr todesmutig zu verachten (Deutschlandradio, 31. März, 19 Uhr 30).

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Die Sendung „Marktplatz“ variiert das Thema ganz ins Lebenspraktische: Experten informieren über die gesetzlichen Grundlagen der Haftpflichtversicherung in Deutschland. Weil es im Leben unwägbare Risiken gibt, hat jeder zweite Deutsche eine Haftpflichtversicherung. Auf dem „Marktplatz“ erfahren wir alles über das kürzlich verschärfte Schadensrecht, über Unterschiede zwischen Zeitwert und Neuwert und über Möglichkeiten, für einen Schaden entschädigt zu werden, auch wenn der Verursacher gar keine Versicherung besitzt (Deutschlandfunk, 31. März, 10 Uhr 10, UKW 97,7 MHz).

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Im September 1941 reist der deutsche Gelehrte Werner Heisenberg nach Kopenhagen. Offiziell will er einen Vortrag über Physik halten, insgeheim trifft er seinen Mentor, den dänischen Atomphysiker Nils Bohr. Dänemark ist von deutschen Truppen besetzt, auf beiden Seiten der Weltkriegsfront sucht man nach der Atombombe. Was Heisenberg und Bohr in ihrem Geheimgespräch beredet haben, bleibt unbekannt. Die Nachwelt erfährt nur, dass sie schon nach wenigen Minuten wieder auseinander gehen. Seither blühen die Spekulationen. Der Dramatiker Michael Frayn hat sich auf unterhaltsame Weise daran beteiligt. Im Hörspiel „Kopenhagen“ treffen sich Heisenberg und Bohr im Jenseits noch einmal. Wir erfahren endlich, was damals angesichts der weltgeschichtlichen Katastrophe beredet wurde (SWR 2, 3. April, 16 Uhr 05, Kabel UKW 107,85 MHz).

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Hat man Ihnen auch schon per E-M ail eine schnelle Million angeboten? Elmo, die Hauptfigur in David Z. Mairowitz’ Hörspiel „Im Krokodilsumpf“, erhält eines Tages so eine Offerte. Sechs Millionen Dollar, wenn er für kurze Zeit das ungeheure Vermögen einer nigerianischen Witwe auf seinem Bankkonto parkt. Elmos Freunde wissen, das dahinter nur die berüchtigte Nigeria-Connection stecken kann. Auch Elmo scheint sich zunächst darüber im Klaren. Aber dann nimmt die Geschichte eine überraschende Wendung. Mairowitz’ eben preisgekröntes Hörspiel erzählt eine neue Variante auf ein altes Thema: Wie der Hamburger Kleinunternehmer Elmo dem Lockruf der Wildnis erliegt. Der Traum von einer üppigen afrikanischen Schönheit, der ihm in surrealen Telefonaten vorgegaukelt wird, zehrt seine europäischen Verstandeskräfte komplett auf. Fast scheint es, als habe Elmo nur auf die Chance gewartet, seine solide deutsche Haut abzustreifen und für immer im heißen Krokodilsumpf zu verschwinden (Deutschlandfunk, 5. April, 20 Uhr 10).

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