Medien : Im Zweifel gegen Friedman

Seine neue Talkshow will er präsentieren und muss doch die alten Fragen beantworten

Barbara Nolte

Es dauert zehn Minuten, bis das Gespräch aufs Thema Zwangsprostitution kommt.

„Warum“, fragt eine junge Journalistin, „haben Sie den offenen Brief von Terre des Femmes nicht beantwortet?“

„Ich beantworte nie offene Briefe, die Menschen sollen sich persönlich an mich richten“, sagt Friedman und grinst zufrieden, denn die Antwort ist nicht schlecht.

„Warum“, hakt die Journalistin nach, „haben Sie den persönlichen Brief von Terre des Femmes nicht beantwortet?“

Friedman windet sich: „Ich habe zu dem Thema alles gesagt, was ich zu sagen habe.“

Eine Pressesprecherin sagt, unbeholfen: „Das führt vom Thema weg“, was die Journalisten erst recht anspornt, in ihren Blöcken nach Fragen zur Kokain-Zwangsprostituierten-Affäre zu suchen, die die Karriere von Michel Friedman im vergangenen Sommer so jäh unterbrach.

Das Thema – wie es die Pressesprecherin gern hätte: Friedman hat eine neue Sendung. Um sie vorzustellen, hat „13th Street“ in ein Studio an den Pariser Platz geladen. „13th Street“ verhilft dem gestrauchelten Moderator also zum Comeback und sich selbst zu einem hervorragenden PR-Coup. Wer wusste vorher schon, dass „13th Street“ ein Fernsehsender ist? (Über Premiere zu empfangen.) Und auch die preisgekrönte Serie „Law and Order“ wäre bestimmt untergegangen wie so viele gute US-Serien in Deutschland untergehen – wenn der Sender nicht klugerweise eine neue Talkshow für Friedman damit verknüpft hätte. Jetzt drängen sich die Journalisten bei der Presse-Präsentation. Denn Friedmans wenige Auftritte nach dem Skandal lohnten sich immer: Im Sommer entschuldigte er sich pathetisch bei seiner Lebensgefährtin. Und dann im November der kleine Eklat im „Grünen Salon“, als die Moderatoren im Friedman’schen Stil fragten: „Haben Sie wieder in Ihrer Suite im ,Interconti’ übernachtet?“ Friedman war stinksauer. Ins „Interconti“ hatte er die Prostituierten bestellt.

Gestern begannen die Journalisten harmlos: „Herr Friedman, wie gefällt Ihnen selbst die Sendung?“ Nach zehn Minuten aber kommen sie zur Sache: Hat er denn gar kein schlechtes Gewissen wegen der Zwangs- Prostituierten? Wie hat ihn die Affäre verändert? Die üblichen Fragen. Offenbar will die Öffentlichkeit, dass Friedman bereut und aus seinen Fehlern gelernt hat – wenigstens. Und Friedman spielt das Spiel mit. Er steht in der Kulisse seiner neuen Sendung, trägt einen Nadelstreifenanzug, dessen Hosenbeine kaum über die Knöchel reichen. Fast so, als sei er an der Affäre wirklich gewachsen, wie er wie ein Mantra wiederholt, aus der Anzughose herausgewachsen. „Ich bin froh, dass der Zug gegen die Wand fuhr“, sagt er, „aber ja!“

Ach ja, die Sendung: Eine Talkshow zum Thema Recht. Titel: „Im Zweifel für…Friedmans Talk“. Am 15. März um 21 Uhr 45 geht es los. Erste Gäste: Peter Scholl-Latour und der ehemalige US-Botschafter John Kornblum. Vorsichtig, sagt Friedman noch, gehe es mit seinem Image wieder aufwärts. In dem Sinne kann man den Verlauf des Pressegesprächs auch als Erfolg sehen: Immerhin vergehen zehn Minuten, bis die Frage nach der Zwangsprostitution kommt. Das hat er schon geschafft.

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