Info-Sender : Wer geht? Wer bleibt?

Die Mitarbeiter von N24 in Berlin hoffen weiter. Spätestens im Juni will die Münchner Konzernspitze über die Zukunft des zum Verkauf stehenden Nachrichtenkanals entschieden haben.

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Eigentlich war der Dienstag ein recht guter Nachrichtentag für die ProSiebenSat1 Media AG. Die Sendergruppe mit Sat1, ProSieben, kabel eins und N24 erzielte im März 2010 einen Marktanteil von 30,4 Prozent und verzeichnete ein Plus von 1,7 Prozentpunkten im Vergleich zum Februar 2010. Die German Free TV Group liegt damit auch im März vor der Mediengruppe RTL Deutschland (RTL, Vox, Super RTL, n-tv), die einen Marktanteil von 29,9 Prozent erreichte. Die Mitarbeiter des Nachrichtenkanals N24 dürfte diese Neuigkeiten nicht ganz so euphorisiert haben, wurde ihnen doch am Montag vom Betriebsrat in der Berliner Zentrale der mit der Konzernspitze ausgehandelte Rahmensozialplan präsentiert.

Ende November hatte ProSiebenSat1-Chef Thomas Ebeling angekündigt, N24 am liebsten verkaufen zu wollen. Nachrichten seien für die Privatsendergruppe zu teuer und, gemessen an der Quote, zu unwichtig. Ein Verkauf wie eine Umstrukturierung würde eine Verringerung der Stellen mit sich bringen. Das führte zu einer heftigen Debatte über die Verantwortung privater Fernsehsender und den Stellenwert von Nachrichten im Programm.

In den letzten Tagen war aus München zu hören, dass N24 nun vielleicht doch nicht verkauft, sondern mangels Kaufangeboten weiter im Konzern gehalten werden könnte. Thomas Ebeling ginge sogar wieder auf den Sender zu, hieß es. Auch die schnelle Ausgestaltung des Rahmensozialplans, für den es ja noch keinen konkreten Anlass (sprich: einen Verkauf) gibt, war dafür als Indiz genommen wurden. Noch scheint aber vieles möglich. „Wir prüfen weiter alle Optionen sorgfältig“, sagte Konzernsprecher Julian Geist dem Tagesspiegel.

Und was sagen die Mitarbeiter? Immerhin, die Ausgestaltung dieses Rahmensozialplans sei gut, so Erdmann Hummel vom N24-Betriebsrat. „Wir legen jetzt aber richtig los. Wir werden nicht zusehen, dass N24 als Nachrichtensender zerschlagen wird.“

Ein paar Mitarbeiter bei N24 können sich über Ostern vielleicht sorglosere, ruhige Tage machen, jedoch nicht ganz so bedingungslos, wie es die Überschrift einer Zeitung am Dienstag vermuten ließ: „N24 macht Osterferien“. Seit vier Jahren schaltet der Nachrichtenkanal vor größeren Feiertagen in der Regel auf die sogenannte „Wochenendprogrammierung“. Das bedeutet: keine moderierte Live-Strecke zwischen sieben und 13 Uhr, dafür die Ausstrahlung von Reportagen, Magazinen und Dokus.

Stündliche Nachrichten werden weiter gesendet, sagte N24-Sprecherin Kristina Faßler. „Außerdem sind wir breaking-news-fähig und können auf wichtige Ereignisse programmlich reagieren.“ Die Erfahrung zeige, dass die beiden Wochen um Ostern herum politisch eher nachrichtenarme Zeiten seien. Der Zuschauer nehme dieses andere Programm an, wie auch die Quote vom Montag zeige (in dem Zeitschnitt zwischen 7 Uhr und 13 Uhr 30 hatte N24 1,7 Prozent Marktanteil, Konkurrent n-tv 1,0 Prozent).

Sparüberlegungen sollen laut Sendersprecherin bei dieser Oster-Programmierung keine Rolle gespielt haben. Ab dem 12. April geht es auf N24 weiter wie bisher. Und das ist ja vielleicht auch noch mal eine gute Nachricht für die Mitarbeiter. Mit einer Entscheidung über die endgültige Zukunft von N24 seitens der Münchner Konzernspitze wird nicht vor Juni gerechnet. Markus Ehrenberg

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