Internet-Auktionshaus : Profitgier oder Kundenschutz?

Verkäufer bei Ebay müssen bald neben Gebühren und Provision auch Versandkosten übernehmen. Die Plattform profitiert.

Vera Pache
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Beim Verkauf von günstigen Büchern zahlen Ebay-Anbieter möglicherweise drauf, wenn sie demnächst auch die Versandkosten übernehmen...Foto: ddp

Drei, zwei, eins und „Die Buddenbrooks“ von Thomas Mann sind meins. Für einen Euro wird das Buch beim Online-Auktionshaus Ebay angeboten. 1,70 Euro für Versandkosten muss der Käufer hinzurechnen. Noch, denn ab Oktober ändert Ebay seine Verkaufsbedingungen. Bei Büchern, Computerspielen, CDs und DVDs müssen die Verkäufer dann auch die Versandkosten tragen. „Es ist auf jeden Fall ein ungewöhnlicher Schritt, bestimmte Produktgruppen anders zu behandeln“, sagt Falk Lüke vom Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV), eine Wertung könne er jedoch zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abgeben.

„Massiv überhöhte Portokosten sind häufig Grund für Ärger auf Seiten der Käufer“, sagt Wolfgang Huber, Pressesprecher von Ebay. Dieses Problem sei jedoch nicht gleichermaßen auf alle Produkte verteilt, auch bekomme das Porto beispielsweise bei großem Sperrgut ganz andere Dimensionen. Darum habe man sich für die neue Regelung entschieden.

In den Foren des Internet-Auktionshauses geht es derweil hoch her. Auf der einen Seite finden sich Einträge von Käufern, die sich darüber beschweren, dass sie mehr Porto gezahlt haben, als schließlich auf dem Päckchen oder der Büchersendung klebte. „Die neue Regelung ist eine Möglichkeit, diesen Schindluder auszuschließen“, sagt Falk Lüke.

An anderer Stelle wird in den Ebay-Foren große Empörung über die neue Regelung laut. Hier wird ein deutlicher Nachteil für die Verkäufer von Büchern und anderen Medien gesehen, wenn die Verkäufer jetzt – neben der Provision und neben einer Gebühr – auch noch die Portokosten tragen sollen.

Die Einstellgebühr fällt erst ab 1,01 Euro Verkaufspreis an. Für Ebay bedeutet das bei einem Angebotspreis zwischen 1,01 und 1,99 Euro 25 Cent Gewinn, ab zwei Euro steigt die Gebühr auf 45 Cent, ab zehn Euro wird sie noch teurer. Diese Kosten entstehen für den Anbieter in jedem Fall – egal ob der Artikel verkauft wird oder nicht. Wird er dann ersteigert, geht zudem noch eine Provision an das Auktionshaus. Wechselt der Artikel für nur einen Euro den Besitzer, zahlt der Verkäufer drauf, weil er eben auch die Portokosten übernehmen muss.

„Der Zwang, für seine Artikel kostenlosen Versand anzubieten, wird viele Verkäufer von der Ebay-Plattform vergraulen und ist ein Schritt in die falsche Richtung“, schreibt ein Mitglied der Ebay-Community im Forum. Es sei nicht das Ziel der neuen Versandkostenregelung, Anbieter von günstigen Artikeln loszuwerden. „Wir wollen das Geschäft nicht an andere Plattformen abgeben“, erklärt Huber von Ebay, „jeder Verkäufer ist uns gleich recht, aber wir sind in einer Situation, wo wir für positive Einkaufsstimmung sorgen müssen.“ Der Wettbewerb sei härter geworden.

Ein anderes Community-Mitglied wirft dem Unternehmen einen „Feldzug gegen private Verkäufer und Auktionsangebote“ vor. Ziel sei es, die gewerbliche Quote von derzeit 70 Prozent auf 100 Prozent zu bringen und nur noch Festpreisangebote zuzulassen. Auch diesen Vorwurf wehrt Huber ab: „Uns sind die gewerblichen Verkäufer wichtig und wir sehen da viel Potenzial, aber eine Quotierung zwischen privaten und kommerziellen Anbietern gibt es nicht.“ Auktionen und Festpreis-Verkäufe machen derzeit ungefähr jeweils 50 Prozent aus. Die neue Regelung solle lediglich der Qualität sichern.

„Wir werden sehr genau beobachten, wie der Anbieter diese Regeländerungen umsetzen wird und ob es dem Verbraucher nützt“, sagt Lüke vom VZBV. Es sei im Moment noch sehr schwierig abzuschätzen, ob es als Vorteil für die Käufer einzuschätzen sei oder ob hier auf Kosten der Verkäufer Profitsteigerung betrieben werde. Immerhin sei noch nicht ganz klar, ob Ebay jetzt auch die Gebühren anpasse und den Freibetrag für private Verkäufer dementsprechend anhebe. Das werde derzeit intern diskutiert, so Huber, ein Ergebnis gebe es aber noch nicht.

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