Internet : „Verstehen Sie Spaß?“ rund um die Uhr

Die ARD startet ihre umstrittene Onlinemediathek im Netz.

Markus Ehrenberg

Viel später als erwartet und, wenn man so will, fast klammheimlich hat die ARD über die Feiertage ihre Onlinemediathek gestartet, zunächst mit einer „Testversion“. Internetnutzer können nach dem Vorbild der seit einigen Jahren bestehenden ZDF-Mediathek kostenfrei Video- und Radiobeiträge des öffentlich-rechtlichen Senderverbundes abrufen. Noch ist das Angebot recht überschaubar. Das Zweite hat beispielsweise in Aussicht gestellt, bis zu 50 Prozent des Programms ins Internet zu stellen, vor allem Informationssendungen, dazu Magazine, Serien, Talks.

Die Einführung beider Plattformen ist stark umstritten. Die ARD, die sich nach Angaben eines Sprechers erst am Dienstag zum neuen Angebot äußern will, argumentierte, ihre Mediathek bündle lediglich Angebote („Plusminus“, „Verstehen Sie Spaß?“), die bereits auf einzelnen Seiten der Landesrundfunkanstalten veröffentlicht werden. Die Privatsender sehen in dieser Zusammenführung bestehender Inhalte ein zu konzentriertes Angebot. Sie befürchten, dass die private Konkurrenz dagegen nicht ankommt. Das ZDF verweist darauf, dass mehr als die Hälfte der Nutzer, die sich TV-Beiträge im Internet ansehen, jünger als 30 Jahre und damit nicht einmal halb so alt wie der Durchschnittszuschauer der öffentlich-rechtlichen Programme sind. Man dürfe im Internet nicht eingeschränkt werden, um ein junges Publikum erreichen zu können. Derzeit arbeitet die Rundfunkkommission der Länder den 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag aus. Mit der Novelle dieses Gesetzes, das den gebührenfinanzierten Sendern vorschreibt, was sie unter welchen Bedingungen sowohl im Fernsehen und Radio als auch im Netz anbieten dürfen, kommen auf ARD/ZDF möglicherweise neue Beschränkungen für ihre Onlineaktivitäten zu: mit einem sogenannten Drei-Stufen-Test. Damit sollen neue Angebote der öffentlich-rechtlichen Sender, also auch eine Mediathek, darauf geprüft werden, ob sie eine zu starke Konkurrenz für Privatangebote darstellen.

Konkurrenzfähig? Vielleicht. Attraktiv? Weniger. Das Ganze ähnelt einer Schnipselparade. Die ARD-Mediathek ist ziemlich unübersichtlich, die Suchfunktion umständlich. Talks à la „Beckmann“ bleiben schon mal mittendrin stecken. Bundesliga-„Sportschau“, „Tatort“, Event-Filme oder komplette Ausgaben von „Schmidt & Pocher“ sucht man vergebens. Stichwort Weiterverwertung. In Sachen Onlinerechte hat die ARD noch viel Arbeit vor sich. Immerhin: Auf der Startseite wird auf mögliche Fehler hingewiesen und um Hinweise zur Verbesserung des Angebots gebeten. Ist hiermit geschehen.

Im Internet:

www.ard-mediathek.de

www.daserste.de/mediathek

www.zdf.de/ZDFmediathek

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