Interview Minh-Khai Phan-Thi : "Charity muss authentisch sein"

Die Schauspielerin Minh-Khai Phan-Thi spricht im Interview über ihr Engagement in Afrika, das Wohltätigkeitsimage von Promis und die Wirksamkeit von Reisen in arme Länder.

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Minh-Khai Phan-Thi -Foto: ddp

Frau Phan-Thi, Sie sind als Kommissarin Mimi Hu am Montagabend wieder im ZDF-Krimi "Nachtschicht" zu sehen. Neben Ihrer Schauspieltätigkeit engagieren Sie sich auch für Afrika. Muss man als Prominenter wohltätig sein, um sein Image aufzubessern?


Am Anfang meiner Karriere war ich auch total skeptisch, was das betrifft. Ich habe Probleme damit gehabt, weil ich gedacht habe, dass manche Kollegen sich einfach nur mit einem Baby auf dem Arm fotografieren lassen und dann war es das.

Und was hat Ihre Meinung geändert?

Meine Eltern kommen selbst aus einem Entwicklungsland. Mit vier Jahren war ich das erste Mal in Vietnam und wurde dort direkt mit Armut konfrontiert. Dann habe ich gesehen, wie positiv sich das Land im Laufe der Jahre entwickelt hat. Das wäre ohne fremde Hilfe gar nicht möglich gewesen. Ich habe auch irgendwann verstanden, dass man als Prominenter gebraucht wird, um das Thema Armut auf der Welt in die westlichen Medien zu bringen.

Wovon allerdings nicht nur diese Länder etwas haben, sondern auch die Promis, die damit in der Öffentlichkeit stehen. Ein lukratives Tauschgeschäft, oder?

Ich finde das ist nichts Schlimmes, ich finde es nur schlimm, wenn man nicht authentisch ist. Wenn man also nur seinen Namen dort abgibt, ohne sich mit dem Thema zu beschäftigen. Bei diesen Reisen habe ich ja immer auch selbst sehr viel gelernt und es hat meinen Horizont definitiv erweitert. Es sind ja keine Urlaubsreisen, sondern es ist sowohl körperlich als auch mental anstrengend.

Wie oft waren Sie bisher in Afrika?

Dreimal. Meine erste Reise ging nach Namibia, dort habe ich damals gemodelt. 2008 war ich in Mali mit der Welthungerhilfe. Und im vergangenen Oktober habe ich mit der entwicklungspolitischen Organisation "One" eine Reise nach Tansania unternommen.

Was genau bringt eine solche Reise?

Die eine Seite ist die, dass ich zu Hause in meinem privaten Umfeld aufkläre und konkrete Projekte anschieben kann. Ich habe zum Beispiel den Anstoß gegeben, den Bau einer Schule in Mali mitzufinanzieren. Bei dieser Spendenaktion sind 5000 Euro zusammengekommen. Ich konnte Freunde davon überzeugen, in Mikrokredite zu investieren. Meinen Freund, der Arzt ist, habe ich überredet, alte, noch funktionierende medizinische Geräte zu spenden. Das andere ist, dass ich sehr viel mit Politikern und Leuten aus der Wirtschaft zu tun habe. Ich war unter anderem nationale EU-Botschafterin für Interkulturelle Kommunikation.

Hören Politiker auf Sie?

Ich kann natürlich nichts Politisches wiedergeben aber was Emotionales und meistens ist das etwas, wo man etwas erreichen kann. Denn das politische Geplänkel ist das Eine, aber die persönliche Erfahrung ist das andere und beide Seiten müssen zusammenarbeiten. Das ist der Beitrag, den ich leisten kann.

Prominenten wie Bono und Bob Geldof wird vorgeworfen, dass sie sich zur selbsternannten Stimme Afrikas gemacht haben…

Wir leben in einer Welt, wo grundsätzlich alles kritisiert wird, egal was man macht. Dafür leben wir in einer Demokratie und haben Meinungsfreiheit. Ich finde es berechtigt, wenn Leute fundierte Kritik äußern. Das sollte aber jeden einzelnen von uns nicht davon abhalten, das bestmöglichste zu wollen und zu tun. In unserer westlichen Welt neigt man immer dazu, denen die helfen, vorzuwerfen, sie würden aus Eigennützigkeit handeln. Aber wenn die Politiker auf Leute wie Bono und Bob Geldof reagieren und es beispielsweise einen Schuldenerlass für die ärmsten Länder gibt, dann haben sie schon wahnsinnig viel erreicht. Viel mehr als irgendein Politiker in seiner Partei.
Nachtschicht, 20.15 ZDF

Das Interview führte Ulrike Thiele

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