Interview : Oliver Pocher: "Das Schlimmste ist Langeweile"

Erst 31 und schon ganz oben: Oliver Pocher trennt sich von Harald Schmidt, will mit Dieter Bohlen kochen und schämt sich nur für andere. Ein Interview.

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Grobmotoriker: Oliver Pocher ist nicht bekannt als Feingeist unter Deutschlands Comedians. -Foto: Artist Management

Herr Pocher, Sie werden am Samstag mit Barbara Schöneberger die „Echo“-Verleihung in der O2-World moderieren. Sie kennen einander gut, einst durften Sie ihr an die Brüste fassen.



Das ist richtig. Das war damals bei Ihrer Sendung „Blondes Gift“. Eine Gelegenheit, die ich mir nicht entgehen lassen konnte. Beim „Echo“ werde ich mich aber zusammenreißen.

Wird es eine Rollenaufteilung geben – einer der nette, der andere der böse?

Ich wüsste nicht, wer welchen Part übernehmen sollte. Wir sind beide extrem nette Menschen.

Letztes Jahr standen Sie beim „Echo“ als Britney-Spears-Double auf der Bühne und haben in Strumpfhose und Bikini getanzt.

Der „Echo“ ist ja im weitesten Sinne eine Tanzveranstaltung. Wenn es sich anbietet, werde ich auch tanzen.

Am 7. März werden Sie in der O2-World Ihr Programm „Gefährliches Halbwissen“ für DVD und RTL aufzeichnen. Der Komiker Mario Barth füllte 2008 das Olympiastadion. Versuchen Sie ihm nachzueifern?

Inhaltlich habe ich mit dem, was ich mache, bereits mehrere Stadien gefüllt. Momentan ist das ein Trend, dass Comedians gerne in größeren Hallen gesehen werden. Das wurde sicherlich von Mario Barth losgetreten. Für mich wird das mein bislang größter Auftritt, deshalb habe ich mir einige Gäste eingeladen. Bushido wird dabei sein, und auch Günther Jauch, Johannes B. Kerner, Arthur Abraham, Cindy aus Marzahn und Uri Geller.

Harald Schmidt?

Ich habe ihn eingeladen. Es kann aber sein, dass er an dem Tag Theater spielt. Vielleicht lässt es sich ja einrichten, dass er mit dem Traumschiff von Köln aus über den Rhein bis vor zur Halle fahren kann – das wäre bestimmt ein Anreiz.

Ist die Sendung „Schmidt & Pocher“ gescheitert?

Nein.

Nein? Behaupten doch aber so viele.

Viele, die wie Sie bei anspruchsvolleren Zeitungen arbeiten, haben ein Problem damit, dass jemand wie ich, die Ausgeburt des Privatfernsehens, mit dem intellektuellen Harald Schmidt eine Sendung macht – das würde nicht harmonieren. Das ist aber die Meinung einiger weniger Kritiker. Mir hat die Sendung Spaß gemacht und Harald auch. Wir verstehen uns, sonst würden wir das auch gar nicht machen. Und jetzt geht es halt weiter.

Man hat Sie ungerecht behandelt.

Ach, ich beschwere mich da gar nicht. Es ist doch schön, dass die Leute überhaupt eine Meinung zu mir haben. Dafür, dass unsere Sendung so schlecht sein soll, keiner sie guckt und alle froh sind, dass sie im April zu Ende geht, war „Schmidt & Pocher“ nach dem „Dschungelcamp“ eine der meistdiskutierten Sendungen. Jede Geste, jeder Gag ist nach der Ausstrahlung besprochen worden und hat für Aufsehen gesorgt. Das kann kaum eine andere Unterhaltungssendung von sich behaupten.

Na ja, vielleicht noch „Wetten, dass...?“. Zuletzt sorgte die Show für Schlagzeilen, als zwei Tierpfleger an Tierkot schnupperten.

Bei dieser Wette ging es doch endlich mal wieder um die Wurst. Ich war nur erschrocken darüber, dass die zwei Kandidaten an dem Tierkot schnüffeln mussten und dann nicht mal Essenssterne für das Camp mit nach Hause nehmen durften. Die wurden sehr unfair behandelt.

Um auf „Schmidt & Pocher“ zurückzukommen: Sie trennen sich, weil der Erfolg so groß ist?

Wir trennen uns nicht, wir machen einfach wieder alleine weiter.

WDR-Intendantin Monika Piel sagte, man sei in Verhandlung.

Wir sind schwer am Verhandeln. An guten Angeboten fehlt es zurzeit nicht. Ich muss da natürlich Maß halten, da es ja auch um Gebührengelder geht .

Es scheitert also an zu viel Geld?

Darum geht es gar nicht, es geht um Inhaltliches und um die Leute, mit denen ich zusammenarbeite. Das Schwierige ist, bei der ARD Programmplätze zu finden, mit denen beide Seiten gut leben können. Aber drumherum entsteht durch die Verhandlungen auch bei mir eine Struktur, die erst mal aufgebaut werden will. Ich habe gar keinen Druck. Ich weiß, dass ich definitiv im Herbst eine eigene Sendung haben werde. Deshalb nehme ich mir jetzt die Zeit, das für mich beste Angebot auszusuchen. Ob öffentlich-rechtlich oder privat – mal sehen.

Die ARD rollt Ihnen einen zehn Zentimeter hohen roten Teppich aus.

Und dann kommt RTL und legt dir einen roten Teppich aus, der elf Zentimeter hoch ist. Und dann kommt die Pro-Sieben-Sat-1-Media-AG mit einem noch besseren Angebot.

Herr Pocher, haben Sie das eigentlich verdient?

Ich weiß, dass ich jemand bin, der sich in den letzten zehn Jahren etabliert hat, und dem Leute zuschauen. In dieser Branche werden über einen längeren Zeitraum nur ganz wenige überleben.

Warum ist die ARD so viel besser als andere Sender?

Das habe ich so nicht gesagt. Aber natürlich ist die ARD ein ernst zu nehmender Partner, ich habe noch nie Ärger oder Druck bekommen. Ich habe ganz normale Verträge, meine Sendungen abgeliefert und beide Seiten waren damit zufrieden.

Aber jüngst beklagte sich ein Rundfunkrat vom SWR über ihre Stauffenberg-Parodie. Nimmt Sie so was mit? Haben Sie manchmal das Bedürfnis, sich zu erklären?

Ich muss niemandem etwas erklären, das ist ja das Schöne.

Haben Sie den Eindruck, dass Ihr Publikum einen anderen Anspruch an Sie hat als noch vor fünf Jahren?

Nein. Aber natürlich gibt es eine Entwicklung, auch thematisch. Ich werde älter, rede über andere Dinge, habe neue Interessen, und will was Neues auf der Bühne ausprobieren. Das Schlimmste ist Langeweile. Das Publikum bleibt immer das gleiche. Ungefähr eine Million Menschen, die dahin schalten, wo ich zu sehen bin.

Eine Million? So viele?

Das sind die Zahlen, die wir bei „Rent a Pocher“ hatten und jetzt bei „Schmidt & Pocher“. Oder aber bei Sendungen, in denen ich einen Gastauftritt habe. Aber das ist nicht das Entscheidende. Wenn man 30 Jahre auf der Bühne steht und dann immer noch relevante Zuschauerzahlen erreicht, dann kann man davor den Hut ziehen.

Sie stecken offensichtlich voller Pläne. Gibt es auch Dinge, die Sie ausschließen?

Ich würde nichts ausschließen. Ich habe mir zum Beispiel Anfang nächsten Jahres vier Wochen Australien geblockt für einen großen Sender, der dort eine Show aufzeichnet.

Sie wollen ins „Dschungelcamp“?

Das zu moderieren, wäre ein Traum, ist aber wohl unwahrscheinlich. Mir ginge es dabei vielmehr um die Erfahrung in der Gruppe, um die Herausforderung bei den Prüfungen, um die Essenssterne für mein Team.

Gibt es eigentlich etwas, von dem Sie sagen: Das kann ich nicht?

Natürlich, einiges, aber darin liegt ja auch oft der Humor. Ich kann beispielsweise nicht kochen, aber warum sollte ich nicht mal eine Kochshow machen – zum Beispiel mit Dieter Bohlen.

Aber bei so einer Show zu zweit bleibt doch für einen weniger Luft zum Atmen.

Menschen, die wirkliche Größe haben, können ohne Probleme miteinander agieren. Wenn man eine innere Ruhe hat und weiß, was man kann, hat man gar kein Problem mit anderen. Das war bei Harald und mir genauso.

Ja, aber würde Ihnen denn eine Sendung mit Bohlen Spaß machen?

Wir haben uns vor kurzem kennengelernt und uns ein bisschen länger unterhalten. Was er macht, finde ich höchst interessant und unterhaltsam. Ich könnte mir schon vorstellen, mit ihm in der Jury einer Castingshow zu sitzen.

Sie haben Lust an der Schadenfreude?

Was wollen sie von jemandem erwarten, der in einem Britney-Spears-Kostüm aufgetreten ist? Ich habe kein Problem damit, mich selbst zum Löffel zu machen. Ich erwarte dann aber auch von anderen, dass sie das genauso gut verkraften. Leider werde ich immer wieder enttäuscht, weil so viele immer alles so persönlich nehmen.

Kennen Sie eigentlich das Gefühl des Fremdschämens?

Klar, da gibt es einige Momente. Weitergucken muss man trotzdem.

- Das Interview führten Nana Heymann und Joachim Huber.

„Schmidt & Pocher“, Donnerstag, 23 Uhr, ARD; „Echo 2009“, Samstag, 20 Uhr 15, ARD; Oliver Pocher im Video: www.tagesspiegel.de/berlin

BIOGAFIE
Oliver Pocher, geboren am 18. Februar 1978 in Hannover, macht seinen Realschulabschluss, wird Versicherungsvertreter. Nebenbei arbeitet er beim Radio, tritt bei Familienfesten auf. 1999 wird er für den Fernsehsender Viva entdeckt. Es folgt Pro 7, wo er bis 2006 die Sendung „Rent a Pocher“ präsentiert. Soloprogramme, Fan-Lieder zur Fußball-WM, Beleidigungsklagen, Filmrollen („Vollidiot“) – Pocher landet im Oktober 2007 bei der ARD, wird mit „Schmidt & Pocher“ Partner von Harald Schmidt. Im April trennen sich die Wege, Pocher hat mehrere Angebote. Mit Günther Jauch hat er eine Testsendung aufgezeichnet, „Fünf gegen Jauch“. Wann und wo diese gezeigt wird, steht noch nicht fest. >> Oliver Pocher live erleben – Tickets hier sichern!

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