Interview : "Was bedeutet denn Abspielsender?"

Sat1-Chef Matthias Alberti über Sparprogramme, Thomas Kausch und neuen Bundesliga-Fußball.

Markus Ehrenberg
Alberti
Matthias Alberti. Geschäftsführer von Sat1. -Foto: ddp

Herr Alberti, wie ist die Stimmung bei Sat1?

Es ist eine schwierige Situation für die Mitarbeiter. Das muss sich erst mal ein bisschen beruhigen. Der Großteil der Belegschaft wird bald wieder nach vorne schauen.

Das fällt mir schwer zu glauben. Wann haben Sie Thomas Kausch, den Anchorman der „Sat1 News“, das letzte Mal gesehen?

Ich muss grad’ überlegen, was für ein Datum das war. Ah ja, am Mittwoch vergangener Woche.

Sehen Sie Kausch noch mal?

Im Moment ist er im Urlaub. Es gibt Gespräche über seine Zukunft, die ich jetzt nicht kommentieren kann.

Wie sollen die 18-Uhr-30-Nachrichten ohne Kausch konkret aussehen?

So wie sie aussehen, wenn er im Urlaub ist. Es sind keine Änderungen geplant.

Um den Status als Vollprogramm zu erhalten, muss das Sat1-Programm genug Informationsanteil haben. Wie viel ist „genug“, nach der Streichung von „Sat1 am Mittag“, „Sat1 am Abend“ und, ab Ende August, „Sat1 News – Die Nacht“?

Wir haben nachgerechnet. Bei der letzten Lizenzverlängerung, das war 2000, hatten wir einen Informationsanteil von 19 Prozent. Nach den jetzigen Maßnahmen liegen wir immer noch bei 23 Prozent. Es gibt also keinen Grund zur Aufregung.

Aber vielleicht für die rheinland-pfälzische LMK, die Landesanstalt für Medien und Kommunikation, die die Lizenz für Sat1 vergibt.

Die LMK kennt die Zahlen seit gestern. Ich bin sicher, dass sie sich diese anschauen und mit uns übereinstimmen.

Stellenabbau, Heuschreckendiskussion, Sparprogramme – als Sie zu Jahresbeginn den neuen Job als Sat1-Geschäftsführer übernommen haben, hatten Sie sich das so vorgestellt?

Zu Arbeitsbeginn habe ich mir sehr genau die Bilanz jedes Programmes angesehen. Ein längerer Prozess. Nachdem ich erkannte, wo wir dauerhaft Geld verlieren – vormittags zwischen elf und 12 –, stellte sich die Frage nach der Zukunft von „Sat1 am Mittag“. Auch der 17-Uhr-30-Slot ist optimierbar. Wenn Sie Senderchef wären, hätten Sie das Geld auch woanders eingesetzt. Ob Sie’s glauben oder nicht: Die Maßnahmen haben mit KKR und Permira nichts zu tun.

Kritiker sagen, ohne Informationsprogramme mutiere Sat1 zum Abspielsender.

Wir haben mehr Informationsprogramme als vor ein paar Jahren. Was bedeutet Abspielsender: Kassetten reinstecken und senden? Wir sind ein riesiger Auftraggeber für die deutsche Produktionslandschaft, der größte unter den Privatsendern, haben unsere Programmbudgets nicht reduziert, setzen sie nur effizienter ein. Ungefähr 70 Prozent des Programms stellen wir selber her, auch mithilfe von Auftragsproduzenten.

Gerichtsshows, Daily Talk, Doku-Soaps …

… und 20 neue TV-Movies mit hochwertiger Besetzung, und, und, und … die wir 2007 und 2008 senden. Da wird kein Geld gespart. Wir wollen unseren Marktanteil bis zum nächsten Frühjahr von 10,7 auf 11 Prozent plus x steigern.

Sie könnten auch mit Bundesliga-Fußball eine hochwertige Marke setzen. Da wird bald neu verhandelt.

Die Preise für die Liga-Rechte sind zu überhitzt. In dem Wettbewerb zwischen ARD und Premiere sehe ich für uns keinen Ansatzpunkt zum Mitstreiten. Wir haben den UEFA-Cup und die Champions League via „Champions TV“, produziert von Premiere.

Das Gespräch führte Markus Ehrenberg

Matthias Alberti ist seit 1.1.07 Geschäftsführer von Sat1. Beim Privatsender wurden in dieser Woche zwei Magazine eingestellt. Der Medienkonzern ProSiebenSat1 will 180 Stellen abbauen.

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