Iris Berben : "Rosa Roth", die Letzte

Die Schmerzensfrau: Das ZDF packt „Rosa Roth“ noch mal alle Last der Welt auf die Schultern. Dann ist Schluss, nach fast 20 Jahren.

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Rosa Roth (Iris Berben).
Rosa Roth (Iris Berben).Foto: Stephanie Kulbach/ZDF

Die Zuschauer haben keinen Abgang verlangt. Interessiert bis fasziniert hat das Publikum die Ermittlungen von Rosa Roth verfolgt. Seit fast 20 Jahren hat ihre Kommissarin im Drogenmilieu ermittelt, sie war dem Menschenhandel mit jungen Prostituierten auf der Spur und setzte sich mit Gewalt in der autonomen Szene auseinander. Heute ist Finale, mit dem 31. Fall im „Samstagskrimi“.

Rosa Roth, das ist Iris Berben. Jetzt schlüpft sie aus ihrem weißen Mantel. Mit dem extralangen, nämlich 105 Minuten langen Schlussstück „Der Schuss“. Indem noch mal drinsteckt, was „Rosa Roth“ ausgemacht hat: das ganz große Verbrechen, russischer Waffenhandel, Wirtschaftskriminalität, Geiselnahme gar im OP-Saal, das alles verstrickt mit viel privater Schuld, auch der Kommissarin, ein schwer verletztes Kind, für das Rosa Roth Verantwortung trägt. Düster-straff inszeniert von Hannu Salonen, mit einem Star-Ensemble (Jürgen Vogel, Devid Striesow, Hans-Michael Rehberg), geschrieben von Thorsten Wettke.

Man spürt das Bemühen, Deutschlands erfolgreichste TV-Kommissarin nachdrücklich „aus der Zeit fallen zu lassen“, wie Roth in diesem Krimi sagt. Viel Fallhöhe, viel Verzweiflung. Am Ende dieses Krimis hat fast jeder Darsteller einmal geweint oder am Boden gelegen. „Rosa Roth“ war, verglichen auch mit „Bella Block“, vielleicht nicht immer der psychologisch feinste, aber mit Sicherheit der deutsche Fernsehkrimi, der das ganze gesellschaftliche Leid und Missstände dieser Republik auf Iris Berbens schmale Schultern zu laden schien.

Der richtige Zeitpunkt für Iris Berben

Nun das Ende. „Ich habe schon sehr lange überlegt, wann der richtige Zeitpunkt ist. Man möchte ja am Schluss nicht unbedingt hören: Jetzt war’s aber Zeit!“, begründet die 63-jährige Schauspielerin ihren Abschied. Sie sei 20 Jahre mit dieser Figur durchs Leben gestapft, „und jetzt geh ich mal meinen Weg allein weiter“. Für das Finale setzen die Macher nochmals auf eine Mischung aus Spannung, Spür- und Scharfsinn. Rosa Roth begegnet dem russischen Waffenhändler Nikolai Raskow (Hans-Michael Rehberg) wieder, mit dem sie seit der ersten Folge 1994 noch eine Rechnung offen hat: Sie macht ihn für den Tod ihrer großen Liebe verantwortlich.

Diesmal ist Raskow in einen rätselhaften Entführungsfall verwickelt. Ein Unbekannter hat eine Unternehmergattin in seine Gewalt gebracht. Die Kommissarin kommt mit ihrem Kollegen Markus Körber (Thomas Thieme) bei der Fahndung in eine dramatische Situation, in der sie den Fehler ihres Lebens machen wird.

„Das war genau das, was ich wollte“, sagt Berben. „Ich wollte nicht erschossen werden, ich wollte nicht ertrinken, ich wollte nicht irgendwo runtergestoßen werden. Dann kamen wir auf Scheitern. Scheitern ist gut. Das fand ich lebensnah.“ Nach fast zwei Jahrzehnten in Berlins härtestem Dezernat hat Rosa Roth am Schluss einen Karton mit wenigen Habseligkeiten in der Hand, als sie die Dienststelle verlässt.

„Ein Abschied, ein Ende, das schmerzt“, sagt ZDF-Fernsehspielchef Reinhold Elschot. „Wir hätten uns noch viele ,Rosa Roth’ vorstellen können.“ Für den Sender war die nachdenkliche und doch immer zielstrebige Kommissarin eine feste Bank. Ihre „Samstagskrimis“ sorgten für hervorragende Einschaltquoten. Spitzenreiter war mit 7,25 Millionen Zuschauern die Kindermord-Folge „Die Gedanken sind frei“ vom März 2003.

Dabei war sich das Zweite seiner Sache anfangs gar nicht sicher, als es Iris Berben, bekannt aus der Comedy-Reihe „Sketchup“ und der Serie „Das Erbe der Guldenburgs“, für eine der ersten Ermittlerinnen-Rollen im deutschen Fernsehen engagierte. „Es gab ja damals – außer beim ,Tatort’ – noch keine Frau als Kommissarin“, sagte die Schauspielerin der dpa. „Das hat aber dazu geführt, dass wir erst mal ein Jahr auf Eis lagen, weil das ZDF sich dann doch nicht getraut hat.“

Am 5. November 1994 war es trotzdem so weit. Unter dem Titel „In Liebe und Tod“ hatte die neue TV-Kommissarin einen besonders schwierigen Fall zu lösen. Seither liefen ein bis zwei Sendungen im Jahr. Höhepunkt war 2007 der Terrorismus-Dreiteiler „Der Tag wird kommen“, in dem Stars wie Mario Adorf, Jasmin Tabatabai und Ulrich Tukur mitwirkten. Von Anfang an war Berbens Sohn Oliver als Produzent mit von der Partie, Carlo Rola war meist der Regisseur. Auch Berbens Mitstreiter blieben konstant: Carmen-Maja Antoni gehörte zur Rosa-Roth-Familie, Thomas Thieme stieß als rauer, verlässlicher Kollege Körber 2009 hinzu. Ein Team, in dem sich jeder auf jeden verlassen konnte und jeder für die immer erkennbare „Rosa Roth“-Färbung des Krimis einstand: Verbrechen der Kategorie „Schwerkriminalität“; nur böse und nur mit krimineller Energie war kein Mörder unterwegs, wieder und wieder gab es den Link in die Gesellschaft, zu deren Versagen und Versäumnissen. In den schwächeren Folgen musste Rosa Roth mehr als ein Verbrechen aufklären, sie musste die Last der Welt auf sich nehmen. Wie auch heute.

Iris Berben ist deshalb mit ihrem freiwilligen Abschied im Reinen. „Für die Zuschauer ist das die Chance, sich auf Neues einzulassen“, sagt sie. „Und für mich ist es ein Stückchen Freiheit.“

„Rosa Roth“, ZDF, Samstag, 20 Uhr 15

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