Israel-Krimi : Ein guter Mensch

„Mörderischer Besuch“: Heiner Lauterbach fahndet wieder als Kommissar Michael Ochajon in Jerusalem

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Nachdenker, nicht Raubein. Heiner Lauterbach als Kommissar Ochajon. Foto: ZDF
Nachdenker, nicht Raubein. Heiner Lauterbach als Kommissar Ochajon. Foto: ZDFFoto: Vered Adir

Schon wieder ein ahnungsloser Mann mit Baby. Kaum hat der Jerusalemer Kommissar Michael Ochajon seinen Pessach-Urlaub angetreten, findet er vor seiner Wohnungstür einen Säugling. Ochajon erwartet eigentlich seinen eigenen – erwachsenen – Sohn, der aber beim Militär wegen der erhöhten Alarmbereitschaft während der Feiertage nicht freibekommt. Also klingelt er mit dem schreienden Kind auf dem Arm bei der attraktiven Nachbarin Nita van Gelden (Liane Forestieri), die ihn gleich über Nacht dabehält und zu ihrem Liebhaber macht.

Was der geschmeichelte Kommissar noch nicht weiß: Kurz zuvor wurde Nitas Vater, der 82-jährige Geigenvirtuose Felix van Gelden (Joost Siehoff), in seiner Villa erschlagen aufgefunden. Er hatte seine drei Kinder, von denen er allesamt nichts hielt, zu einem gemeinsamen Konzert versammelt: zur Aufführung eines verschollen geglaubten Requiems von Antonio Vivaldi. Die Partitur soll ihm bereits im KZ das Leben gerettet haben. Doch nun sind die unschätzbar wertvollen Noten verschwunden, ebenso wie das Bildnis der Vorfahrin Lisbeth van Gelden, das vor Jahrhunderten ein niederländischer Meister gefertigt hatte.

„Genau der richtige Fall für einen Kulturfreak wie dich“, meint Ochajons Kollege Daniel Balilati. Menashe Noy spielt ihn als skeptischen Zionisten, der allen Arabern mit israelischem Pass grundsätzlich misstraut. Für ihn macht sich Nita schon dadurch verdächtig, dass ihr Sohn von dem arabischstämmigen Fremdenführer Hassan stammt. Das empörte auch ihren ermordeten Vater, ebenso wie die Tatsache, dass sein Sohn Gabriel (Wilfried Hochholdinger) sich zu seiner Homosexualität bekannte. Gabriels Lebensgefährten ließ der cholerische Patriarch bei der Pessach-Feier vor der Tür stehen. Aber auch der überschuldete zweite Sohn Theo (Benjamin Stadler) hegte einen heftigen Groll gegen den Vater.

„Gibt es einen besseren Ort für den Frieden?“, fragt Fremdenführer Hassan nach bester Nathan-der-Weise-Manier beim Rundgang durch Jerusalem. Dieser aufklärerische Impetus durchzieht den Film. Im Sinne Batya Gurs soll mit dem populären Krimi-Genre als Vehikel israelische Normalität jenseits des Nahost-Konflikts dargestellt werden. Koautor und Produzent Herbert Kirchmann ist ein langjähriger Kenner des Landes. Er berichtet von den eingeschränkten Drehmöglichkeiten in Jerusalem, die das deutsch-israelische Team zwangen, für viele Szenen nach Jaffa auszuweichen: Zwei völlig unterschiedliche Welten, die nur rund vierzig Kilometer trennen.

Die größte Überraschung dieser Verfilmung des Romans „Das Lied der Könige“, die durch den Titel „Mörderischer Besuch“ leider banalisiert wird, ist eindeutig Heiner Lauterbach. Der auf Raubeine und Großverleger abonnierte Schauspieler gibt sich in den Gassen von Jerusalem und Haifa sanft, nachdenklich, beinahe altersweise. „Ich kann mich mit diesem eher besonnenen, ruhigen Typ des Ermittlers gut identifizieren“, sagt er und lobt die epische Erzählweise von Regisseur Jorgo Papavassiliou („Eva Blond“). Heiner Lauterbach spielte bereits in der ersten Batya-Gur-Adaption „Die Seele eines Mörders“ den Kommissar Michael Ochajon. Er verkörperte für die 2005 verstorbene Bestseller-Autorin das Ideal des israelischen Mannes.

Der ausgesetzte Säugling findet schließlich zu seiner Mutter zurück, und Hannelore Hoger hält als frühere Musiklehrerin den Lösungsansatz des Falles wie einen Schlüssel in Händen. Den entscheidenden Hinweis gibt sie in der Wohnung einer emigrierten Berliner Jüdin, die das deutsche Filmteam sehr freundlich empfing. Katrin Hillgruber

„Mörderischer Besuch“, 20 Uhr 15, ZDF

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