Jörg Pilawas Albtraum-App : "Quizduell" bleibt offline

Beim „Quizduell“ wurde auch am Mittwoch klassisch geraten, ohne App. Zur Pannenserie kommt noch ein Datenleck hinzu. Immerhin, Jörg Pilawa bot eine Wette an.

von und
Das "Quizduell" mit Moderator Jörg Pilawa läuft nach einem Pannenstart weiterhin nur offline.
Das "Quizduell" mit Moderator Jörg Pilawa läuft nach einem Pannenstart weiterhin nur offline.Foto: dpa

Die ARD zeigt Selbstironie. „Hallo, hier spricht Edgar Wallace. Neues vom Hacker. Am helllichten Tag verschwinden Apps. Experten jagen ein Phantom.“ Mit diesem neuen Intro stimmte das Erste seine Zuschauer am Mittwoch, 18 Uhr, auf die dritte Ausgabe des „Quizduell“ mit Moderator Jörg Pilawa ein. Also alles wie gehabt. Deutschlands erste TV-Show mit App-Einbindung wird weiter ohne App gespielt, weil Hacker die Server der TV-App-Version lahmgelegt haben. Die neue Vorabendshow mit Moderator Jörg Pilawa, in der das Erste das Internet mit dem Fernsehen verheiraten wollte, gerät immer mehr zum Desaster. Auch am Dienstag versagte die Technik den Dienst. Statt gegen das „Team Deutschland“, also die rund 190 000 registrierten Quizduell-Nutzer der Sendung mit ihren Smartphones und Tablets, konnte das Quizteam wieder nur gegen das Saalpublikum antreten, das der Sender ebenso wie am Montag vorsorglich mit den nötigen Eingabegeräten ausgestattet hatte. Zu dieser Peinlichkeit kommt nun noch ein Datenleck. Wie ARD-Sprecher Burchard Röver dem Tagesspiegel bestätigte, waren „Daten von registrierten Usern für das ,Quizduell‘ während der Belastungstests zeitweise bedauerlicherweise nicht ausreichend geschützt“.

Auf das Datenleck war der Sender ursprünglich von den Experten des Heise-Verlages aufmerksam gemacht worden, die wiederum von einem Informatiker über die neue Panne informiert worden waren. „Mit einem verhältnismäßig einfachen Trick war es möglich, unter anderem auf die Klarnamen, Wohnorte, Geburtsdaten und die E-Mail-Adressen von rund 50 000 registrierten Teilnehmern der ARD-Show zuzugreifen, erläuterte „c’t“-Redakteur Ronald Eikenberg. Zudem hätte ein Datendieb die Angaben des registrierten Nutzers ändern oder unter dessen Namen bei der ARD-Sendung mitspielen können – wozu es freilich nicht kam, weil die Verbindung zwischen Online-App und TV-Sendung bis dato nicht zustande gekommen ist.

Nach Angaben der ARD wurde die Sicherheitslücke im Anschluss an den Stresstest „umgehend geschlossen“. Ob und in welchem Umfang auf die Daten zugegriffen wurde, werde derzeit geprüft, teilte Sendersprecher Röver weiter mit. Die Experten von Heise Security sind jedoch skeptisch, dass die ARD beziehungsweise der von der Produktionsgesellschaft ITV beauftragte technische Partner das Problem wirklich in den Griff bekommen hat. Nach den Erkenntnissen von Heise Security bestand die Lücke über mehrere Tage und nicht nur während des Stresstests. „Das Datenleck funktioniert möglicherweise noch immer“, sagte Eikenberg dem Tagesspiegel mit der Einschränkung, dass dies derzeit nicht überprüft werden könne, weil die ARD-Erweiterung der Quizduell-App offline sei.

Betroffen von dem Datenleck sind Heise zufolge gerade jene Quizduell-Nutzer, die sich auf der ARD-Erweiterung der App für das Gewinnspiel registriert haben. Auf der Startseite der „Quizduell“-App befindet sich ein Button, der zum „Quizduell im Ersten“ führt. Dort haben die Interessenten dann die Auswahl unter drei Optionen. Sie können sich als Studioteam bewerben, sich Studiotickets sichern oder eben für das Gewinnspiel registrieren. Diese Startseite war am Mittwochmorgen tatsächlich erreichbar, die Weiterleitung beispielsweise zur Gewinn-Spielregistrierung scheiterte jedoch.

Noch hält die ARD an der Sendung fest. „Das ,Quizduell‘ steht für die nächsten zweieinhalb Wochen in der Programmplanung“, sagte Sendersprecher Röver. Es werde weiterhin an der Lösung der technischen Probleme gearbeitet, so der Sender. Nach 1,62 Millionen Zuschauern am Premierentag hatten am Dienstag 1,52 Millionen Zuschauer die Quizsendung eingeschaltet. Offenbar wird Jörg Pilawa vorerst weiterhin nur den klassischen Frage&Antwort-Wettstreit zwischen Kandidaten und Saalpublikum moderieren können. „Erst wenn wir hundertprozentige Sicherheit über die Ursachen der technischen Probleme der Sendung haben und die Funktion sicherstellen können, gehen wir mit der App wieder an den Start“, kündigte der ARD-Sprecher an.

Am Mittwoch bot der gut aufgelegte Moderator in der Show immerhin eine Wette an. Sollte es bis Montag nichts mit einer App-tauglichen Version des „Quizduells“ werden, will Pilawa eine Gastrolle bei „Verbotene Liebe“ übernehmen.

Autoren

3 Kommentare

Neuester Kommentar