Jugendmagazin : „Spiesser“ geht in den Westen

Mit einer Auflage von einer Million startet das Jugend-Magazin aus dem Osten jetzt auch in den alten Bundesländern.

Pablo Silalahi

Stephanie Schroth und Peter Stawowy wollen, dass auch der Westen spießig wird. Die beiden sind die Geschäftsführer des Jugendmagazins „Spiesser“, Stawowy zusätzlich noch Chefredakteur. Der Name des Magazins täuscht. Der „Spiesser“ will so etwas wie „Neon“ für jüngere Leser sein, so Stephanie Schroth, obwohl man „eigentlich kein richtiges Vorbild“ habe. Nah dran am jungen Leser ist das Magazin auf jeden Fall, betonen die Chefs. Titelgeschichte der aktuellen Ausgabe: Eine Umfrage unter Schülern aus ganz Deutschland zum frühen Schulbeginn um halb acht. Tenor: Würde die Schule später losgehen, wären alle viel motivierter. Die „Spiesser“-Chefs hoffen, mit diesem Artikel auch in anderen Zeitungen zitiert zu werden.

Der „Spiesser“ wurde 1993, damals noch unter dem Namen „Dick und Doof“ von einer Gruppe Dresdener Schüler gegründet. Mit wachsender Beliebtheit vergrößerte sich das Einzugsgebiet. Zuletzt wurden rund 300 000 Exemplare im Osten verteilt. Nun der Schritt in die alten Bundesländer. Der „Spiesser“ wird von heute an in einer Auflage von einer Million Exemplaren an rund 15 000 Schulen und Jugend-Freizeiteinrichtungen kostenlos ausliegen. Das Magazin soll fünf Mal im Jahr erscheinen. Neben der redaktionellen Arbeit wird auch der Vertrieb des „Spiesser“ in Eigenregie erledigt. Dafür stehen 62 Kurierfahrer zur Verfügung.

Der Anspruch des neuen „Spiesser“ wird auch bei den Werbeanzeigen deutlich. Die Geschäftsführung hat eine bundesweite IVW-Prüfung beantragt, ohne die Werbekunden nicht mitmachen würden. Eine Anzeigenseite in der Gesamtauflage kostet rund 42 000 Euro, der „Spiesser“ ist schon lange keine echte Schülerzeitung mehr. Bisher stammen die Werbekunden aus den Bereichen Finanzen, Telekommunikation und Automobil, künftig will Geschäftsführerin Schroth vermehrt in Bereichen wie Kosmetik, Mode und Lifestyle akquirieren. Zur Zielgruppe gehören Jugendliche zwischen 14 und 22. Und das soll auch als bundesweite Zeitung so bleiben. Stephanie Schroth schließt einen kostenpflichtigen Vertrieb des „Spiesser“ über Kioske ebenso aus wie den Schritt an Universitäten. Der Markt der Gratistitel für Studenten sei zu dicht besetzt. Pablo Silalahi

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