KATASTROPHEN-TV : Asche auf Frankfurt

Im RTL-Eventfilm bricht ein gewaltiger Vulkan in der Eifel aus

Kurt Sagatz
305302_0_5e2f510d.jpg
Die eine Million Euro für die Computeranimation von „Vulkan“ wurden gut investiert. Auch für Bühnenbild, Maske und Pyrotechnik...

Das Eifelörtchen Lorchheim liegt im Trend. Immer mehr Menschen suchen Urlaub und Erholung in Deutschland, das passt zu den idyllischen Fachwerkhäusern, dem still ruhenden See und der bergigen Kulisse, die den Beginn des RTL-Eventfilms „Vulkan“ am Sonntag und Montag bestimmen. Noch deutet nur der Titel darauf hin, dass hier der Schicksalsberg für eine ganze Region brodelt, dass bald 600 Grad heiße Wasserdampfexplosionen flüchtende Eifelbewohner zerreißen, sich eine kilometerhohe Rauchsäule bildet, mit glühend heißen Gesteinsgeschossen und einem Lavastrom, der sich wie ein Wasserfall über die Landschaft ergießt. Es ist das bekannte Spiel mit der Wahrscheinlichkeit, der dem RTL-Film zugrunde liegt. Über 10 000 Jahre ist es her, als in der Eifel zuletzt ein Vulkan ausbrach. Der Film behauptet nun, es sei es keine Frage mehr des Ob, sondern nur noch des Wann bis zur ultimativen Eruption.

Für Teamworx-Produzent Nico Hofmann ist es nicht das erste Mal, dass ein ganzer Ort in Schutt und Asche gelegt wird. Damit hatte man bereits mit dem Zweiteiler „Dresden“, der die Bombardierung durch die Alliierten während des Zweiten Weltkriegs zum Thema hatte, reichlich Erfahrung gemacht. Übrigens ebenfalls mit Heiner Lauterbach als einem der herausragenden Akteure. Auch bei „Vulkan“ ist die Besetzungsliste üppig ausgefallen. Und genau das offenbart den Fluch dieses Zweiteilers.

Die größte Schwäche des 180-Minuten-Streifens (Regie: Uwe Janson, Buch: Alexander Rümelin) ist das Überangebot an Erzählsträngen. Das Beziehungsgeflecht in diesem Film ist mindestens genauso dicht wie die Vulkanwolke, die kilometerhoch in den Himmel hinaufwächst und sogar von den Frankfurter Banktürmen zu sehen ist. Hier wird nicht eine Geschichte erzählt, sondern für jeden großen und mittelgroßen Schauspielernamen eine eigene. Im Zentrum steht Feuerwehrmann Michael Gernau (Matthias Koeberlin), dessen Stelle in Lorchheim eingespart wurde und der nun die Rettung der Welt als Ein-Mann-Unternehmen begreift. Ebenfalls ein Einzelkämpfer: Gerhard Maug (Heiner Lauterbach), Chef der örtlichen Volksbank, der bei der Befriedigung der Luxusbedürfnisse von Frau und Tochter den Überblick über sein eigenes Leben verloren hat. Eine weitere zentrale Rolle hat Armin Rohde als Stadtbüttel Walter Röhricht voller menschlicher Schwächen.

Damit sind die Rollen von Katharina Wackernagel, Katja Riemann, Yvonne Catterfeld, Ursula Karven, Sonja Gerhardt, Pasquale Aleardi und Jenny Elvers-Elbertzhagen, die im Film ebenfalls viel Raum einnehmen, noch gar nicht erzählt. Bei so viel menschlicher Tragödie muss der Vulkan in den Hintergrund treten, obwohl Erdbeben, Ascheregen und Lavaströme für Szenenbild, Pyrotechnik, Maske und vor allem die Computerspezialisten der Postproduktion ein Freudenfest gewesen sein müssen. Von den neun Millionen Euro wurde eine Million in die Special Effects investiert. Mit sehenswerten Ergebnissen – zumindest in Teil zwei.

„Vulkan“, RTL, Sonntag und Montag, 20 Uhr 15

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben