Medien : Kino für die Couch

Filmhändler Herbert Kloiber will mit dem Bundesliga-Sender Arena paktieren

Simon Feldmer

Herbert Kloiber mag Tradition und kurze Wege. Seit fast dreißig Jahren residiert Deutschlands größter Filmhändler im selben Büro, im Schatten der Münchner Frauenkirche über einem der diversen H&M-Märkte mitten in der Fußgängerzone. Die Sonne brennt durch die Fenster des Jugendstilaltbaus. Die schwitzende Masse, die sich unten durch die Einkaufsmeile schiebt, denkt gerade wohl an alles andere als an den nächsten Kinobesuch. Das ist nicht gut für Kloiber. Denn der gebürtige Wiener ist nicht nur Filmliebhaber und -händler. Er ist auch Mehrheitseigner der Kinokette Cinemaxx.

Seine Tele München Gruppe hat Kloiber zur fiktionalen Rundumversorgungsstation ausgebaut: Zu 80 Prozent besteht das Geschäft aus dem Filmrechtehandel. Den Rest der 250 Millionen Euro Jahresumsatz macht Tele München mit DVD-Vertrieb, TV- und Klassik-Produktionen und dem Fernsehgeschäft. Als konzernunabhängiger TV-Unternehmer betreibt Kloiber den Spielfilmsender Tele 5 und sitzt mit einer Beteiligung bei RTL 2 im Boot. „Ich bin ein Freund des freien Wettbewerbs“, sagt er über sich. Und die Freude am Wettbewerb treibt den 58-Jährigen, der in den 70er Jahren an der Seite des einstigen Medienriesen Leo Kirch arbeitete, gerade wieder an.

Kloiber nennt seine unternehmerischen Projekte gerne „Ausritt“. Der letzte Ausritt war der Einstieg bei Cinemaxx vor zwei Jahren. Auf der nächsten Tour will der Wahl-Münchner seine Tele München Gruppe „in die digitale Pay-Welt führen“. Am liebsten in einer Allianz mit dem jungen Bezahlsender Arena, einer Tochter des Kölner Kabelnetzbetreibers Unity Media. Arena zeigt ab dem 11. August die Fußball-Bundesliga – und löst Marktführer Premiere ab, der in den vergangenen fünfzehn Jahren aus den Stadien berichtet hat. „Wir wollen einen Premium-Spielfilm-Kanal aufbauen und könnten so ein komplementäres, fiktionales Programm zum Fußball bei Arena bieten“, sagt Kloiber. Der Sender soll unter einem eigenen Namen vermarktet werden und täglich mindestens ein absolutes Film-Highlight im Programm haben. Noch ist nichts fix. „Wir arbeiten daran“, sagt der Tele-München-Chef. Im ersten Quartal 2007 könnte es so weit sein. Für fünf bis sechs Euro Abogebühr sei so ein Kanal, glaubt Kloiber, ohne gigantische Vorlaufinvestitionen finanzierbar. Das einzige Problem daran: Kloibers Pläne stoßen beim Wunschpartner noch auf Zurückhaltung – zumindest offiziell. „Wir werden uns erst mal voll auf Fußball konzentrieren. Konkrete Planungen für einen Spielfilmkanal gibt es keine“, wiegelt eine Arena-Sprecherin ab.

Neuling Arena hatte in den letzten Tagen anderes zu tun, als sich um das Rahmenprogramm zur Liga zu kümmern. In der vergangenen Woche wurde im Turbotempo eine Kooperation mit Premiere eingetütet. So konnte Arena eine Versorgungslücke im Gebiet des größten deutschen Kabelkonzerns, der Kabel Deutschland GmbH, schließen. Dort vermarktet Premiere Arena im Kabel zukünftig auf seiner Plattform. Für den Filmmagnaten Kloiber kein Problem: „Ich sehe nicht, dass die Kooperation zwischen Premiere und Arena die Pläne für unseren gemeinsamen Spielfilmkanal tangieren.“

Außer Fußball ist bei Arena bislang nicht viel: Zur 1. und 2. Bundesliga kommen Spiele der italienischen Serie A. In der restlichen Woche werden, so der Plan, Wiederholungen der Partien vom Wochenende runtergenudelt. Als Beigabe wird das Pay-TV-Angebot Tividi der Arena-Mutter Unity Media angeboten. Im Arena-Tividi-Abo sind neun Programme enthalten, darunter Fiction-, Entertainment- und Dokusender. Angeblich bucht jeder zweite Arena-Kunde das Tividi-Angebot mit. Bedarf scheint es zu geben. Ein starker Spielfilmkanal stünde dem Paket also gut zu Gesicht. Arena muss – gerade nach der Last-Minute-Vereinbarung mit Premiere – sein Profil schärfen. Etwa 1,5 Millionen Premiere-Kunden von insgesamt 3,5 Millionen beziehen keinen Fußball. Im Rahmenprogramm hat Premiere derzeit die Nase weit vorne. Das scheint auch der Arena-Spitze bewusst zu sein.

Vor kurzem war Filmhändler Kloiber jedenfalls mit Arena-Geschäftsführer Parm Sandhu, dem Hauptmatador des neuen Bezahlsenders, beim WM-Halbfinale Portugal gegen Frankreich in München auf der VIP-Tribüne. „Wir haben uns intensiv darüber unterhalten, wie wir unsere Pläne gemeinsam weiter vorantreiben können“, sagt Kloiber. Und auch zu Arena-Manager Bernard de Roos, der den Bundesligadeal mit der Liga im vergangenen Dezember maßgeblich eingefädelt hat, pflegt Kloiber den kurzen Draht. Der Niederländer de Roos arbeitete früher bei Team der einstigen Rechteagentur der UEFA. Kloiber hat Ende der 90er Jahre von de Roos für seinen damaligen Sender tm3 die Champions-League-Rechte gekauft. Später betrieben die beiden zusammen die Luzerner Sportrechte-Agentur AIM. „Wir haben einige lustige Runden gedreht“, sagt Kloiber. Vielleicht nicht die letzten.

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