Medien : Knallhart in Kreuzberg

Serienjuwel: Die zweite Staffel von „KDD - Kriminaldauerdienst“ hat nichts an Qualität eingebüßt

Wenn Fernsehermittler lange genug Verbrecher zur Strecke gebracht haben, werden sie gerne zu „Ehren-Kommissaren“ erklärt wie die ZDF-„Rosenheim-Cops“ in Bayern oder erhalten eine „Ehren-Kriminalmarke“ wie Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär vom WDR-„Tatort“. Mit Manfred Zapatka alias Jan Haroska wird das wohl nichts. Keine 20 Minuten sind im Pilotfilm zu Beginn der zweiten „KDD“-Staffel vergangen: Haroska wühlt im Handschuhfach seines Autos nach einem Flachmann. Haroska ist alkoholkrank, brüsk, bisweilen gewalttätig. Auch seine Kollegen vom Kriminaldauerdienst in Berlin-Kreuzberg sind nicht gerade Superbullen, sondern vom Leben gezeichnete Anti-Helden. Damit taugen sie nicht als Ehrentitelträger der Polizei – doch ansonsten hat „KDD“ bereits nach der ersten Staffel keinen wichtigen Preis ausgelassen.

Kritiker rieben sich über diese temporeiche Serie mit rauer, dichter Großstadt-Atmosphäre die Augen. Die Münchener Produktionsfirma Hofmann&Voges hatte sich an keine Erfolgsmarken wie „CSI“ angebiedert, sondern ein eigenständiges an der deutschen Realität orientiertes Serien-Juwel geschliffen. „Ein kleines, fast ein großes Wunder“, freute sich die Jury des Adolf-Grimme-Preises. Auch der Deutsche Fernsehpreis, eine Bronzemedaille beim New Yorker Filmfestival sowie ein Bayerischer Fernsehpreis für Schauspielerin Saskia Vester regneten auf die „KDD“-Macher herab. Eine Fortsetzung sei „nur folgerichtig und anständig“, verkündet die ZDF-Redaktion. Dabei waren die Einschaltquoten hinter anderen Krimiserien am Freitag zurückgeblieben. „Ich bin sehr glücklich über unsere Serie, und das lasse ich mir durch eine Quote auch nicht vermiesen“, sagt Produzentin Kathrin Breininger. „Mindestens 20 Folgen sollte eine Serie schon Zeit haben, um ihre Fans finden zu können.“

Das wäre dann bei „KDD“ am Ende der zweiten Staffel mit zehn neuen Folgen der Fall. Weiter hält Kathrin Breininger als kreativer Kopf die Fäden in der Hand und wacht darüber, dass trotz großem Autorenteam und verschiedener Regisseure die gemeinsame Linie nicht verlassen wird. So hat Züli Aladag („Wut“) die drei letzten „KDD“-Folgen der zweiten Staffel inszeniert. Wer die erste Staffel verpasst hat, muss übrigens nicht unbedingt die DVD kaufen: Bis zum 5. Mai ist sie in der ZDF-Mediathek abrufbar.

Die erste Staffel endete in einem blutigen Finale mit ungewissem Ausgang. Auf dem Berliner Gendarmenmarkt wurde der Kronzeuge in einem Korruptionsskandal von einem Heckenschützen niedergestreckt, zwei Polizisten wurden angeschossen. Ein Jahr und zwölf Tage mussten „KDD“-Zuschauer warten, um zu erfahren, ob es Überlebende gab. Für Christian Redl, der den Kronzeugen Sallek spielte, ist die „KDD“-Karriere beendet. Haroskas Partner Leo Falckenstein (Barnaby Metschurat), kommt wieder auf die Beine, Kollege Stieglitz (Michael Rotschopf) fällt ins Koma.

Dienstgruppenleiter Enders, der von Götz Schubert so großartig als durch eine familiäre Tragödie verunsicherter Beamter dargestellt wird, gerät unter Druck. Vize-Polizeichef Jacobi (Bernhard Schütz) schlägt ihm vor, seinen Bericht über den fehlgeschlagenen Einsatz zu ändern und Haroska als Sündenbock zu opfern. Wie Enders sich in einem Netz aus Lügen und Korruption verstrickt, davon erzählt die zweite Staffel – unter anderem. Natürlich werden auch andere Handlungsfäden wieder aufgenommen. So haben Jürgen Vogel (als Drogenhändler Han) und André Hennicke eine fulminante „Begegnung“, durch die die Besetzungsliste weiter reduziert wird. Dafür tauchen neue hochkarätige Darsteller auf wie Devid Striesow und Jürgen Tarrach.

Die Qualität lässt nicht erkennbar nach. Der Sender hat jedoch nach eigenen Angaben etwas auf die Bremse getreten. „Wir erzählen einen Tick langsamer“, sagt ZDF-Redakteur Axel Laustroer. Der übergeordnete Fall sei nicht mehr ganz so kompliziert angelegt, das geschehe auch auf Wunsch der Zuschauer. Darüber gab es offenbar Meinungsverschiedenheiten. „Zuschauer, die sich langsameres Erzählen gewünscht haben, kenne ich nicht“, sagt Kathrin Breininger. „Da wir für das ZDF ein verhältnismäßig teures Format sind, nicht aber eine im gleichen Maße überdurchschnittliche Quote erzielen konnten, sind meine Argumente leider nicht die durchschlagendsten gewesen.“ Die Serie fordert dem ZDF-Publikum ungewöhnliche Sehgewohnheiten ab. Gedreht wird mit zwei Kameras, darunter einer „Steadycam“, die viel Bewegungsfreiheit einräumt. Außerdem wird freier inszeniert, nicht buchstabengetreu nach Drehbuch. Ungewöhnlich ist die Dramaturgie, die an US-Serien wie „Emergency Room“ erinnert: einzelne Fälle, schnell erzählt, werden kombiniert mit einer Vielzahl übergreifender Handlungsstränge. So gesehen waren die Einschaltquoten der ersten Staffel beachtlich. Im Schnitt sahen 3,65 Millionen zu. Das ZDF will „KDD“ die Treue halten. Die dritte Staffel ist in Vorbereitung und wird wohl im Herbst 2009 ausgestrahlt.

„KDD - Kriminaldauerdienst“,

ZDF, 21 Uhr 15

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