Medien : Knattern im Wind

Wieder Flaggenpanne bei „Tagesthemen“: US-Fahne hat einen Streifen zu viel

Joachim Huber

Ich bekenne, ich habe es nicht bemerkt. Ich habe die „Tagesthemen“ am Donnerstagabend gesehen – und die erneute Flaggenpanne übersehen. Andere aber, Vexillologen und aufmerksame Kollegen von „Spiegel Online“ haben es bemerkt. Vor einem Beitrag zur neuen US-Botschaft in Berlin zeigte das Fernsehbild neben Moderator Tom Buhrow in der Grafik eine angeschnittene US-Flagge. Sie hatte vier weiße Querstreifen, drei wären richtig gewesen. Die amerikanische Flagge ziert im Original in der linken oberen Ecke ein blauer Kasten mit 50 weißen Sternen, die für die US-Bundesstaaten stehen. Daneben und darunter sind insgesamt 13 Streifen in Rot und Weiß, die an die Gründungsstaaten erinnern.

Für die ARD-„Tagesthemen“ ist der Fauxpas umso unangenehmer, als er quasi eine Fortsetzung des Aussetzers in der Ausgabe vom 21. Juni ist. Da war zur Einleitung eines Berichts über das anstehende EM-Halbfinale Deutschland – Türkei eine falsche Deutschland-Flagge eingeblendet: Rot-Schwarz-Gold statt der richtigen Farbfolge Schwarz-Rot-Gold.

Die Panne mit der US-Flagge rührt, wie der für ARD-aktuell verantwortliche NDR am Freitag erklärte, daher, dass das grafische Passepartout größer war als die dann eingefügte Fahne. Deshalb „blieb eine längliche Fläche darunter weiß. Sie erschien wie ein zusätzlicher Streifen in der US-Flagge.“ Thomas Hinrichs, zweiter Chefredakteur von ARD aktuell, sagte, diese erneute Panne sei nicht akzeptabel. „Neben technischen Problemen hat es hier auch menschliches Versagen gegeben. Deshalb haben wir auch personelle Konsequenzen gezogen.“ Eine Grafikerin soll entlassen, ein Chef vom Dienst von seinen Aufgaben entbunden worden sein.

Nach der Ausstrahlung wurde zunächst radikal reagiert und der gesamte Beitrag für die Online-Plattformen der ARD getilgt. Später kam der Beitrag wieder dazu, allerdings ohne die Anmoderation inklusive Grafik. Dafür hat der NDR folgende Erklärung parat: „Dass wir die Moderation im Internet nicht zeigen können, hat mit diesem Fehler allerdings nichts zu tun.“ Während der Moderation sei auch eine animierte Grafik des neuen Botschaftsgebäudes am Brandenburger Tor zu sehen gewesen, erstellt von einer Berliner Firma. „Wir können sie im Internet nicht zeigen, weil wir lediglich die Fernsehrechte an dieser Grafik erwerben konnten.“ Die Online-Rechte waren laut Hinrichs bereits vergeben. Erst hatte die ARD Pech, dann kam das Glück dazu.

Für die Online-„Tagesthemen“ vom 21. Juni wurde zunächst die Flaggengrafik korrigiert, später wurde der Passus aus Moderation und Grafik komplett entfernt. Dieses Vorgehen wurde bei den Zuschauern und den Internet-Usern kontrovers diskutiert. „Bleibt die Frage, welche Fassung wir nun ins Netz stellen: die Pannenfassung, die korrigierte Fassung oder gar keine.“ Diese Frage hatte Kai Gniffke, das ist der erste ARD-aktuell-Chefredakteur, nach dem Rot-Schwarz-Gold-Fehler gestellt. Und so beantwortet: „Wir haben die Pannenillustration komplett verbannt. Das ist in meinen Augen nicht manipulativ und schon gar keine Zensur. Vielleicht einfach nur pragmatisch, weil ich mit dem Purismus ,Fehler ins Netz‘ nicht wirklich viel anfangen kann“, schrieb er im Tagesschau-Blog. Damit ist die Linie gezogen – pannenfreie „Tagesthemen“ bei der ARD, die Fehler bei Youtube.

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