Kriegsspiele : Nächster Gegner Kim Jong Un

Im Videospiel „Homefront“ wird der Koreakrieg real – auf amerikanischem Boden. Ob die realen Auseinandersetzungen zwischen Pjöngjang und Seoul beim Absatz schädlich sind oder eher helfen, wird sich im März 2011 zeigen.

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Für Amerikaner nur schwer zu ertragen: Ein gefangener US-Soldat mit koreanischem Stern als Augenbinde. Das Videospiel „Homefront“ erscheint im März 2011. Foto: THQ
Für Amerikaner nur schwer zu ertragen: Ein gefangener US-Soldat mit koreanischem Stern als Augenbinde. Das Videospiel „Homefront“...

Der Koreakrieg beginnt im März 2011, denn dann erscheint mit „Homefront“ eines der nächsten gewaltigen und gewalthaltigen Kriegsspiele, die derzeit alle Verkaufsrekorde brechen. Der Plot zu „Homefront“ stammt von der Hollywoodgröße John Milius. Er hat die Drehbücher zu Filmen wie „Apocalypse Now“ und „Dirty Harry“ geschrieben und Regie bei „Conan der Barbar“ und „Die Rote Flut“ geführt. „Homefront“ spielt – die Grenzen zwischen Film und Videogame verwischen immer weiter – im Jahr 2027. Die militärische Auseinandersetzung zwischen Nord- und Südkorea ist dann bereits Geschichte, nachdem Kim Jong Un, der Sohn des inzwischen gestorbenen nordkoreanischen Diktators Kim Jong Il, die beiden Länder 2013 unter seiner Führung vereint und danach sukzessive den koreanischen Hegemonialanspruch in Asien durchgesetzt hat. Der Krieg in „Homefront“ findet zwischen Groß-Korea und den Vereinigten Staaten statt. Ausgetragen wird er auf dem Boden der USA, die sich von einer globalen Ölkrise des Jahres 2015 nicht mehr erholt haben. Obwohl der Ego-Shooter erst im März erscheint, gibt es bereits jetzt erste Fansites im Internet. Und seitdem der gealterte Diktator von Pjöngjang mit Raketen und Granaten auf Südkorea schießen lässt, wird dort längst nicht nur über das kommende Spiel diskutiert.

Robert Horn hat sich das Videospiel beim Entwickler Kaos Studios in New York angesehen. In der Rolle des Zivilisten Robert Jacobs hat sich der Spielexperte den Widerstandskämpfern gegen die koreanischen Usurpatoren angeschlossen. Die Szenerie ist bedrückend: „Soldaten schlagen Wehrlose zusammen, ein Fliehender wird vor unseren Augen erschossen. Ein Kleinkind muss mit ansehen, wie seine Eltern hingerichtet werden“, schreibt er in „PC Games“ und berichtet, wie er in dem Multiplayerspiel an kleinen Scharmützeln gegen die Koreaner teilgenommen hat, bevor ihm die Entwickler einen Einblick in eine Luftschlachtszene mit Dutzenden von Kampfhubschraubern über San Francisco gewährten.

Vom Prinzip her ist „Homefront“ ein klassischer Ego-Shooter. Der Spieler erlebt den Kampf mit dem Blick über die eigene Waffe. Bemerkenswert an dem Spiel von Publisher THQ ist das Szenario, in dem die USA von fremden Truppen besetzt werden. „Meist sind die Amerikaner ja die Guten, die in irgendeinem fremden Land für die Rettung der Welt kämpfen“, beschreibt Horn das Setting in vielen Kriegsspielen. „Besonders für amerikanische Spieler könnte der Umstand, praktisch im eigenen Land zu spielen, sehr interessant sein.“

Dass die realen Entwicklungen in Nord- und Südkorea das Spiel gerade einholen, kann für die Entwickler und den Verlag sogar nützlich sein. „Das macht ihr Spiel umso realistischer – und damit interessanter“, sagt Horn. Es ist allerdings nicht neu, dass die Games nicht nur grafisch, sondern auch in der Handlung immer realistischer werden. „Schon zu Golfkriegzeiten gab es Spiele, die das Thema aufgriffen. Realitätsnähe hat für Entwickler viele Vorteile. So können die Spieler etwa einen stärkeren Bezug aufbauen, Entwickler glaubhaftere Geschichten – etwa verknüpft mit echten Nachrichtenmeldungen – erzählen.“ Wobei auch das seine Grenzen hat. Sollten die USA in eine bewaffnete Auseinandersetzung geraten, oder ein offener Krieg in Korea ausbrechen, könnte „Homefront“ schnell eine pietätlose Angelegenheit werden, vermutet der „PC Games“-Experte: „Ob das dem Spiel hilft oder schadet, ist allerdings nicht abschätzbar.“

In Deutschland werden Spiele wie „Medal of Honor“ oder „Call of Duty“ nur mit einem roten 18plus-Logo verkauft, sind also nicht für Jugendliche freigegeben. Dem Absatz schadet das offensichtlich nicht. „Black Ops“ wurde weltweit in den ersten fünf Tagen 9,4 Millionen verkauft. Was die Spiele so erfolgreich macht, ist nicht zuletzt die kalkulierte Provokation. In „Call of Duty: Modern Warfare 2“ (Activision) verüben russische Extremisten auf dem Flughafen von Moskau ein Massaker. In „Medal of Honor“ (Electronic Arts) konnten die Spieler in die Rolle von afghanischen Talibans schlüpfen. Für „Black Ops“ (Activision) wird unter anderem mit einem Youtube-Film geworben, in dem Menschen in Arbeits- oder Freizeitkleidung mit Pumpguns und Raketenwerfern um sich schießen. Das Motto: „In jedem von uns steckt ein Soldat.“ Doch nirgends kämpfen Soldaten engagierter als bei der Verteidigung des eigenen Landes – wie in „Homefront“.

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