Kritik an "Bild"-Zeitung : Heesters-Familie will Goldene Kamera zurückgeben

Die Familie des verstorbenen Schauspielers Johannes Heesters will Springers "Goldene Kamera" zurückgeben. In einem offenen Brief kritisieren sie einen "Bild"-Bericht über Heesters in der Nazi-Zeit, in dem auch Merkwürdiges über Ingrid Bergman steht.

Drei Monate nach Johannes Heesters' Tod liegen die Angehörigen des verstorbenen Schauspielers mit dem Springer-Verlag im Clinch. Anlass ist ein "Bild"-Beitrag über Heesters in der Nazi-Zeit mit merkwürdigen Angaben nicht nur über Heesters. Unter anderem erscheint dort auch Ingrid Bergman mit ihrer Rolle im amerikanischen Filmklassiker "Casablanca" in der rechten Spalte unter der Überschrift "Das verdienten Hitlers Filmstars". Im folgenden eine Bildergalerie zu Johannes Heesters.Weitere Bilder anzeigen
Foto: Tsp
05.04.2012 12:35Drei Monate nach Johannes Heesters' Tod liegen die Angehörigen des verstorbenen Schauspielers mit dem Springer-Verlag im Clinch....

Durch einen Bericht in der "Bild"-Zeitung vom 28. März mit dem Titel "So machten die Nazis Johannes Heesters reich" (siehe Bild links, Online-Version siehe hier) halte man das Lebenswerk des Künstlers für stark beschädigt, teilte das Büro Rethel-Heesters in Salzwedel mit. Das Andenken an Heesters werde darin mit Falschbehauptungen und persönlichkeitsverletzenden Zitaten verunglimpft. Aus Protest werde man daher die Heesters 2002 für sein Lebenswerk verliehene Goldene Kamera zurückgeben. Johannes Heesters war am 24. Dezember 2011 im Alter von 108 Jahren gestorbenen.

Ein Sprecher des Springer-Verlags, der die Goldene Kamera auslobt, erklärte, man könne die Vorwürfe nicht nachvollziehen. Die Berichterstattung sei journalistisch sachlich gewesen, habe das Lebenswerk von Heesters nicht infrage gestellt und ihn auch nicht in die Nähe der Nazis gerückt. „Bild“ habe lediglich Fakten aus den Akten des Bundesarchivs wiedergegeben sowie die steigenden Gagen von Heesters während der Nazi-Zeit dokumentiert.

Heesters' Hinterbliebene leugnen die Verstrickung des Schauspielers und Entertainers zur Nazi-Zeit grundsätzlich nicht. In einem ausführlichen offenen Brief, der auf der Internet-Seite johannes-heesters.de veröffentlicht wurde, listen die Angehörigen aber Fehler des "Bild"-Beitrags auf, zum Beispiel auch, dass dort Ingrid Bergman mit ihrer Hauptrolle in "Casablanca" unter der Überschrift "Das verdienten Hitlers Filmstars" auftaucht. Für ihren Auftritt in "Casablanca" habe sie demnach "50000 Reichsmark" erhalten. Dazu die Heesters-Angehörigen: "dies ist ein amerikanischer Antikriegsfilm! und die Gage in 'Reichsmark' ausgezahlt - einfach lächerlich!"

Heesters selbst steht in dieser Liste mit einer "Bel Ami"-Verfilmung aus dem Jahr 1939, für die er 28000 Reichsmark bekommen haben soll. Tatsächlich übernahm Heesters erst im "Bel Ami"-Film von 1955 die Hauptrolle. (Tsp/dpa)

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