Medien : Kritisch Gesehen: Allerlei und allerhand

Joachim Huber

Frontal 21. ZDF. Ein problemloser Start und sogleich auf respektabler Flughöhe: Das neue ZDF-Magazin kann sich sehen lassen. Wenn der Zuschauer akzeptiert, dass er weniger ein eisenhartes Politmagazin à la "Monitor" als eine Politillustrierte serviert bekommt. Die Beiträge reichen von firlefanzigen Einsprengseln wie dem "Mundraub" (Politiker bekommen Sätze in den Mund gelegt - naja) über die grassierenden Vaterschaftstests (Raunende "Sexspionage im Genlabor") und die Stadtflucht in Leipzig, bis hin zu Themen, die Aufmerksamkeit abverlangten. Drei waren es an der Zahl, die Autoren enthüllten illegale Tierarzneien in deutschen Ställen, stießen auf unzureichende MKS-Kontrollen an der deutsch-niederländischen Grenze und beklagten Steuerbefreiung für Rechtsextremisten.

"Frontal 21" hat in diesem Potpourri seine Vorgänger "Frontal" wie "Kennzeichen D" gleichermaßen beerbt. Ein bisschen viel Allerlei, als hätte die Redaktion sich vor der klaren, der notwendigen Gewichtung gescheut. Und es wird heftig an die Alarmismus-Glocke geschlagen. Vom Standpunkt eines paradiesischen Gemeinwesens, eines perfekten Staates aus wird in jedem Mangel, in jedem Versäumnis ein "Skandal" erkannt. In dieser Empörungs-Manie, die der ansonsten zurückhaltende Moderator Theo Koll bei der Abmoderation noch anheizt, wird der wahre Skandal, der "gemeinnützige" Status zahlreicher rechtsextremer Vereine, als ein Skandal unter anderen eingereiht.

Hier wird "Frontal 21" das Berichts-Tempo und die Überzahl der Beiträge drosseln müssen, um die hart recherchierten, die exklusiven Stücke kräftiger herausstreichen zu können. Mehrere - erfreuliche - Qualitäten darf das Wochenmagazin weiter pflegen: Ausgeteilt wird nach allen Seiten, die Sendung segelt hart am Wind der Aktualität, das Thema ist allemal wichtiger als der Autor. "Frontal 21" ist ernst gemeint und ernsthaft gemacht.

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