KRITISCH gesehen : Neu denken

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Hart aber fair, ARD. Zwei waren es noch. Dirk Niebel von der FDP, der immer kommt, wenn irgendwo ein Talkstuhl leer zu bleiben droht. Und der Bündnisgrüne Jürgen Trittin, der schon da ist, wenn Niebel erst noch angekündigt wird. Niebel und Trittin verhakten sich sofort, schüttelten die Köpfe, wenn der andere angeblich wieder furchtbaren Unsinn geredet hatte über die Konsequenzen, die sich für Deutschland aus der Atom-Katastrophe in Japan ergeben sollten.

Wer 24 Stunden pro Tag Parteipolitiker ist, der ist kontaminiert, der ist erkennbar unfähig, in anderen Kategorien als des Beutemachens beim Wähler zu denken, zu reden, zu handeln. Dieses Miniatur-Karo der Rechthaberei, diese Attitüde, nachher alles vorher gewusst zu haben, das ist abstoßend im Moment des GAU. Jene ferne Tragödie und ihre hiesige Aufarbeitung verlangen mehr, sie verlangen eine neue, weiträumige Perspektive. Und sie fordern von „Hart aber fair“, von der Redaktion und dem Moderator den Mut, komplett auf Parteipolitiker, die die Dimension des Geschehens nicht erfassen, zu verzichten. Niebel und Trittin, das waren nur zwei, und es waren doch zwei zu viel.

Was wollte Frank Plasberg? Positionen abklopfen, den Stecker aus der Dose ziehen im Land der atomar Empörten? „Kommt jetzt das endgültige Atom-Aus?“, das war seine Eingangsfrage. Die Frage war richtig, doch die Kompetenz der Runde schien viel zu klein für eine wegweisende Antwort. Nix gegen Ursula Völker, Mitglied beim Verein „Ärzte gegen den Atomkrieg“, nix gegen den Atomlobbyisten Ralf Güldner, aber beide sind in ihren Horizonten gefangen. Besser Klaus von Dohnanyi, der vorführte, wie Politiker sich aus den Denk-Konventionen der Parteipolitik lösen können. Der SPD-Mann nimmt sich die Freiheit, die Regierung Merkel zu loben, über Deutschlands Grenzen zu schauen, einen weltweiten Standard für Atomkraftwerke zu fordern.

Es wird für Niebel und Trittin kein Schade sein, wenn sie die für sie überraschende Erkenntnis mitnehmen: Weniger Menschen wollen das Immergleiche hören, immer mehr sind bereit, Neues zu hören. Die Tragödie in Japan fordert existenzielle Antworten und sie braucht Menschen, die neu denken. Joachim Huber

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