Medien : Kritisch gesehen: Wiener Langsamkeit

Uta-Maria Heim

Tatort. ARD. Es gab einmal eine Zeit, da waren alle "Tatorte" so. Da stritten sich charismatische und zugleich anonyme Kommissare mit zwielichtigen Versicherungsvertretern, kunstbesessenen Bankern, spielsüchtigen Wissenschaftlern und schönen Erbinnen. Die Drahtzieher verkehrten in gehobenem Milieu. Die Vollstrecker fanden sich meist bei der Mafia.

Heute wird diese konventionell gediegene Form des "Tatorts" nur noch vom Österreichischen Rundfunk gemacht. Man kann sich als Schauplatz für die kriminellen Machenschaften des gebildeten Bürgertums nur noch Wien vorstellen. Es geht um die pure, von wahnhafter Leidenschaft durchzogene Liebe zur Kunst.

Peter Zingler (Buch) und Walter Bannert (Regie) knüpften an die actionarme, behäbig humoreske Krimi-Tradition der Siebziger an. Harald Krassnitzer als schrulliger Chefinspektor lässt mit seinem pfiffigen Team durchblicken, dass die Uhren in Österreich nicht stehen geblieben sind und dass man sich des ästhetischen Recycling-Effekts wohl bewusst ist. Sympathisch an dieser Produktion ist ihre unerhörte Langsamkeit. Sie wirkt wie ein Bekenntnis zu den frühen "Tatort"-Zeiten.

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