Medien : Kühe statt Karriere

Der Sat 1-Zweiteiler „Miss Texas“ versucht sich an einer Mischung aus Western und Liebesgeschichte

Simone Schellhammer

Die Geschichte fängt mit dem schlimmstmöglichen Einstieg an: Katharina (Natalia Wörner) wandert verloren durch das nächtliche Berlin und berichtet dem Zuschauer aus dem Off gleich mal alles, was er wissen muss: „Ich bin Fotojournalistin mit Leib und Seele, und früher war ich mal ziemlich erfolgreich. Bis ich einen Cowboy in Texas traf. Seither ist in meinem Leben kein Stein mehr auf dem anderen.“

Und nun folgt tatsächlich das, was jedem – sagen wir nach fünf Sekunden – zum Thema Karrierefrauen oder Männer auf Pferden einfällt: Die erfolgreiche Fotojournalistin mit schickem Berliner Freundeskreis und einem langweiligen, aber ebenso erfolgreichen Freund verliebt sich bei einer Reportage in Texas in einen gut aussehenden, wortkargen Marlboro-Macho (Robert Seeliger). Zunächst stellt sie sich rührend bescheuert an und streitet in ihrer Blümchenbluse mit ihm herum, verbucht dann aber erste Zwischenerfolge beim Zäunereparieren und Kälbertreiben.

In dem aufwändigen Sat-1-Zweiteiler zeigt Natalia Wörner zwar, dass sie erstklassig reiten, aber leider nicht fotografieren kann. Sie spreizt beim Scharfstellen den Finger ab, als hielte sie einen klebrigen Pfirsich in der Hand. Das macht aber eigentlich nichts, weil Kameramann Peter Pzybylski richtig schöne Bilder dreht, die auch als Standfotos taugen. Dennoch erstaunt, dass „Miss Texas“ nicht einmal versucht, die Klischees vom rauen Cowboy und der smarten Lady aus der Stadt zu ironisieren. Das Drehbuch, das nach dem Roman „Kiss me, Kat“ von Claudia Kratochvil entstand, tut so, als hätte es Spielfilme wie „Der Pferdeflüsterer“ oder die Marlboro-Werbung nie gegeben. Der Film zeigt Lagerfeuer-Romantik und Rodeo-Action so, wie es jeder erwartet.

Auch die oberflächliche Großstadtwelt mit den viel beschäftigten, kreativen, aber irgendwie unglücklichen Karriere-Menschen ist reichlich klischeehaft geraten. Kein Wunder also, dass Katharina, die den Geschmack des Wilden Westens gekostet hat, bei ihrer Rückkehr keinen rechten Bezug zu ihrem Leben in Berlin mehr findet und sich von ihrem Freund und der Eigentumswohnung trennt.

Der zweite Teil macht dort weiter, wo andere Filme aufhören: nach der Hochzeit der beiden Hauptpersonen. Auf die schwangere Katharina wartet dann ein schwerer Schicksalsschlag, und das unoriginelle Märchen vom Cowgirl schürzt sich zu einem veritablen Drama. Aber keine Angst, wie erwartet reiten beide am Schluss gemeinsam in den Sonnenuntergang. Doch bis dahin müssen Schauspieler wie Susanna Simon und Martin Gwisdek, der mit seinem Sozialkunde-Lehrerbart einen höchst lächerlichen Ranchbesitzer abgibt, sich durch die geistesschlichten Einfälle des Drehbuchs kämpfen.

Schönes Detail bei all dem Gefühlskitsch: Natalia Wörner und der Kanadier Robert Seeliger sind, nachdem sie sich am Anfang nicht recht gemocht haben sollen, mittlerweile auch in Wirklichkeit ein Liebespaar.

„Miss Texas“: Sat 1, am kommenden Montag und am kommenden Dienstag um 20 Uhr 15

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