Medien : Kuscheln nach dem Höhepunkt

Fußballbosse und Fernsehmacher feiern die WM von gestern und die Liga von morgen

Marc Felix Serrao

„Wer galt 2005 nicht alles als tot?“, fragte Hertha-BSC-Präsident Bernd Schiphorst gestern auf der Berliner Medienwoche. Eine Frage, die der frühere Topmanager sichtlich genoss. Sogar sein Schnurrbart grinste mit. Auf vier vermeintlichen Zombies hätten die Kritiker herumgetrampelt: dem deutschen Fußball, der Fußballweltmeisterschaft, den großen TV-Sendern und – „als Totester von allen“ – dem Abosender Premiere. Und heute? „Totgesagt leben länger!“, rief Schiphorst ins Publikum. Der neue „Spieler“ Arena mache „alles besser als befürchtet“ und sei mit seinen derzeit 800 000 Kunden dennoch nicht lebensbedrohlich für den ehemaligen Monopolisten Premiere. Die WM? Statt einer Katastrophe aus Vogelgrippe, Hooligangewalt und Verkehrschaos, wie von vielen prognostiziert, habe das Land einen „ Triumph“ gefeiert. Neben der frühsommerlichen „Sahara-Sonne“ („Bild“), dem Kaiserfranz, und den vielen Frauen beim „Public Viewing“ freute sich der Hertha-Chef vor allem über die „friedliche deutsche Selbstfindung“.

Ex-Grimme-Chef Bernd Gäbler gab sich in der Moderatorenrolle nach Schiphorsts Jubelarie alle Mühe, Zwietracht zu säen. Doch Deutschlands Fußball- Mächtige aus Liga, Sendern und Sportvermarktungsagenturen wirkten auf dem Podium wie ein eingeschworenes Herrenkränzchen. Selbst der anfangs schläfrig wirkende Reiner „Calli“ Calmund plauderte mit zunehmendem Enthusiasmus über die „schönen Beine und Steine“ des deutschen Fußballs und über den „Stallgeruch“ der bei allen Geld- und Technikdebatten nicht verloren gehen dürfe. Als Gäbler nachhakte, nannte er ihn ein „Fieschen“, später sogar „kleinen Frechdachs“. Immer wieder knöpfte sich der so Geadelte Premiere-Sportchef Carsten Schmidt und Arena-Geschäftsführer Christoph Bellmer vor: „Nochmal, die Herren, wann – endlich! – habe ich nur noch eine Set-Top-Box auf dem Fernseher?“ Man bemühe sich um eine einfachere Lösung, antwortete Bellmer, ohne Zeitangabe. Zu Fusionsgerüchten zwischen den beiden Firmen orakelte Schmidt nur, „dass wir uns über jeden neuen Aktionär freuen“.

Lautes Gelächter erntete Gäbler, als er sich das Deutsche Sportfernsehen (DSF) und dessen nacktes Nachtprogramm zur Brust nahm. Bei einer Auszieh-Rateshow des DSF, erzählte der Moderator, seien die Zuschauer aufgefordert worden, das Wort „Schwimm“ zu ergänzen. Gäbler: „Der Erste ruft an: ,Schwimmingpool’“. DSF-Geschäftsführer Oliver Reichert erwiderte, dass sein Sender, anders als Arena, Premiere und der ebenfalls vertretene WDR, weder Abo- noch GEZ-Gebühren kassiert. Dass die Bezahlkunden mehrere Set-Top-Boxen bräuchten , bezeichnete er als „Desaster“.

Einig waren sich die Herren auf dem Podium darin, dass sich die große Euphorie der WM nicht eins zu eins auf die Bundesliga übertragen lasse. Stichwort öffentliches Gruppengucken: „Das kann ich mir bei einzelnen Highlights vorstellen“, sagte Ligachef Werner Hackmann. „Aber sicher nicht im Februar, nicht bei Schneesturm.“

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